22 Mai 2024

Die Nachrichtenlage um 21 Uhr

Die Schlagzeilen:

POLITIK

GROSSBRITANNIEN: Grossbritannien wÀhlt am 4. Juli ein neues Parlament. König Charles III. als Staatsoberhaupt habe seinem Antrag zugestimmt, das Unterhaus aufzulösen und die Abstimmung anzusetzen, sagte Premierminister Rishi Sunak am Mittwoch vor seinem Amtssitz in der Downing Street in London. Dem konservativen Regierungschef droht keine zwei Jahre nach seinem Amtsantritt ein Debakel.

In den Umfragen liegt seine Konservative Partei rund 20 Punkte hinter den Sozialdemokraten von Labour zurĂŒck. Es wird das erste Mal seit 1945 sein, dass im Vereinigten Königreich in einem Juli eine Parlamentswahl stattfindet. Damals hatte der konservative Amtsinhaber und Weltkriegssieger Winston Churchill ĂŒberraschend gegen seinen Labour-Herausforderer Clement Attlee verloren. (London, 19:25)

DEUTSCHLAND: Nach der angekĂŒndigten Anerkennung PalĂ€stinas durch mehrere europĂ€ische LĂ€nder spricht sich EU-Chefdiplomat Josep Borrell weiter fĂŒr eine Zweistaatenlösung in Nahost aus. „Ich nehme die heutige AnkĂŒndigung von zwei EU-Mitgliedstaaten – Irland und Spanien – sowie von Norwegen zur Anerkennung des Staates PalĂ€stina zur Kenntnis“, schrieb der EU-Aussenbeauftragte am Mittwochabend auf der Plattform X. „Im Rahmen der Gemeinsamen Aussen- und Sicherheitspolitik werde ich unermĂŒdlich mit allen Mitgliedstaaten zusammenarbeiten, um eine gemeinsame EU-Position auf der Grundlage einer Zweistaatenlösung zu fördern.“ Auch Deutschland betont immer wieder das Ziel einer Zweistaatenlösung.

Mit einer Zweistaatenlösung ist ein unabhĂ€ngiger palĂ€stinensischer Staat gemeint, der friedlich Seite an Seite mit Israel existiert. Der israelische MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu lehnt eine Zweistaatenlösung ebenso ab wie die islamistische Hamas. (BrĂŒssel, 19:54)

NORDKOREA: Nordkorea greift nach Berichten sĂŒdkoreanischer Medien beim Personenkult um Machthaber Kim Jong Un zu neuen Mitteln. Die Staatsmedien Nordkoreas hĂ€tten zum ersten Mal ein PortrĂ€t Kims an der Seite von Bildern seiner beiden VorgĂ€nger Kim Il Sung und Kim Jong Il im öffentlichen Raum gezeigt. Das berichteten unter anderem die Zeitung „Chosun Ilbo“ und die Nachrichtenagentur Yonhap am Mittwoch.

In SĂŒdkorea wurde vermutet, Nordkorea wolle zeigen, dass Kim Jong Un nun auf der gleichen Stufe stehe wie sein Grossvater Kim Il Sung, der als „ewiger PrĂ€sident“ verehrt wird, sowie sein Ende 2011 gestorbener Vater Kim Jong Il. Seit ĂŒber 70 Jahren herrscht die Familie Kim ĂŒber das wegen seines Atomwaffenprogramms weitgehend isolierte Land und lĂ€sst einen Personenkult um die kommunistische Dynastie zelebrieren. (Seoul, 18:37)

KOMMUNALWAHLEN TI: Weil die Kommunalwahlen vom 14. April in Arbedo-Castione fĂŒr ungĂŒltig erklĂ€rt wurden, mĂŒssen sie wiederholt werden. Die Einwohner der Tessiner Gemeinde werden am 22. September erneut an die Urne gebeten.

Grundlage fĂŒr die Wahlwiederholung seien dieselben Listen mit denselben Kandidaturen wie bereits fĂŒr die Wahlen vom 14. April, teilte der Tessiner Regierungsrat am Mittwoch mit. Eine mögliche GemeindeprĂ€sidenten-Wahl findet am 20. Oktober statt. (Bellinzona TI, 17:07)

WIRTSCHAFT

BANKEN: Die US-Grossbank Citigroup muss wegen irrtĂŒmlicher AktienverkĂ€ufe in Grossbritannien eine Millionenstrafe zahlen. Der Fehler eines AktienhĂ€ndlers hatte im Jahr 2022 zum ungewollten Verkauf von Papieren im Wert von 1,4 Milliarden US-Dollar.

Die internen Kontrollen der Bank hÀtten dies nicht verhindert, teilte die britische Finanzmarktaufsicht FCA am Mittwoch mit. Sie bemÀngelte die Systeme und die Kontrollmechanismen des Instituts.

Insgesamt bezahlt die Citigroup nun gut 61,6 Millionen britische Pfund (71,6 Millionen Franken) an Strafen. Die Summe setzt sich aus zwei Teilen zusammen – einer Strafe der FCA selbst und einer weiteren, die die Finanzdienstleistungsaufsicht PRA verhĂ€ngte. (London, 15:36)

BANKEN: Der Schweizerische Bankenombudsman hat 2023 erneut mehr FĂ€lle bearbeiten mĂŒssen. Dazu trugen die Anlageverluste des miserablen Börsenjahrs 2022 aber auch eine weiter stark steigende Zahl an BetrugsfĂ€llen bei.

Auch die CS-Krise fĂŒhrte zu vielen Anfragen besorgter Bankkundinnen und -kunden.

Insgesamt erledigte die Bankenombudsstelle im vergangenen Jahr 2360 FĂ€lle, was einem Anstieg um 18 Prozent gegenĂŒber 2022 entspricht, wie Bankenombudsman Andreas Barfuss am Mittwoch an einer Medienorientierung erklĂ€rte. Die Ombudsstelle intervenierte in 303 FĂ€llen und machte in 207 FĂ€llen konkrete LösungsvorschlĂ€ge. Bei 95 Prozent davon seien die Banken den Empfehlungen gefolgt und den Kunden entgegengekommen. (ZĂŒrich, 15:12)

VERMISCHTES

ÖSTERREICH: Nach dem Hungertod eines DreijĂ€hrigen in Österreich sind Mordermittlungen gegen die Eltern eingeleitet worden. Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, wurden die Behörden und EinsatzkrĂ€fte am Montag von dem Todesfall des Bubs im Tiroler Bezirk Kufstein an der Grenze zu Bayern informiert.

„Nach dem vorlĂ€ufigen Obduktionsergebnis ist das Kind wegen einer massiven UnterernĂ€hrung verstorben“, teilte die Polizei mit. Die Festnahme der 26 und 25 Jahre alten Eltern wurde angeordnet. Drei weitere Kinder des Paares im Alter von einem Jahr, drei und sechs Jahren wurden in die Obhut der Kinder- und Jugendhilfe ĂŒbergeben. (Kufstein, 16:27)

PROZESS: Ein 35-jĂ€hriger Mann ist am Mittwoch vom Genfer Kriminalgericht wegen Mordes zu einer GefĂ€ngnisstrafe von 19,5 Jahren verurteilt worden. Die Richter befanden den Somalier fĂŒr schuldig, den neuen LebensgefĂ€hrten seiner Ex-Frau im Januar 2021 erstochen zu haben.

Zudem verurteilte das Gericht den Angeklagten wegen versuchten Mordes an seiner Ex-Frau, von der er seit einem Jahr getrennt lebte. Mit ihr hatte er drei gemeinsame Kinder, die alle in Genf zur Schule gingen. Der Mann wird nach VerbĂŒssung seiner Haftstrafe aus der Schweiz ausgewiesen. (Genf, 15:47)

GROSSBRITANNIEN: Wegen einer Sepsis mussten einem britischen Abgeordneten beide HĂ€nde und FĂŒsse abgenommen werden. Nach monatelanger Pause erschien Craig Mackinlay am Mittwoch unter tosendem Applaus wieder im Parlament in London.

ParlamentsprÀsident Lindsay Hoyle holte den konservativen Politiker persönlich am Eingang ab und geleitete ihn die Stufen hinauf.

Im Sitzungssaal winkte der 57-JĂ€hrige sichtlich gerĂŒhrt mit seinen silbernen Prothesen zu seinen Kolleginnen und Kollegen, die ihn mit Standing Ovations empfingen. Auch OppositionsfĂŒhrer Keir Starmer, der Chef der sozialdemokratischen Labour-Partei, wĂŒrdigte Mackinlays Kampfgeist und die Dienstpflicht. (London, 15:10)

KULTUR

FRANKREICH: In ihrem neuen Film unternimmt die französische Schauspiel-Legende Catherine Deneuve eine Reise in ihre Vergangenheit. Das sei ihr nicht in jeder Szene leicht gefallen, sagte die 80-JÀhrige am Mittwoch in Cannes.

Das Werk handelt von ihrer frĂŒheren Beziehung zum italienischen Schauspieler Marcello Mastroianni (1924-1996). Deneuve und andere Filmschaffende spielen sich darin in einer Art fiktionalisierten Version selbst.

In der Hauptrolle ist Deneuves und Mastroiannis Tochter Chiara Mastroianni zu sehen. „Marcello Mio“ folgt Chiara dabei, wie sie sich nach einer IdentitĂ€tskrise in ihren Vater verwandelt. Ausgestattet mit PerĂŒcke, Anzug und Schnurrbart (und damit ihrem Vater erstaunlich Ă€hnlich sehend), verstört sie ihr Umfeld mit ihrem neuen Auftreten. (Cannes, 17:23)

WISSENSCHAFT

RAUMFAHRT: Der Berner Astronaut Marco Sieber ist fĂŒr die nĂ€chsten Missionen der EuropĂ€ischen Weltraumorganisation ESA nicht aufgeboten worden. Die ESA bestimmte die Französin Sophie Adenot und den Belgier RaphaĂ«l LiĂ©geois fĂŒr die 2026 geplanten Missionen zur Raumstation ISS.

Das teilte der ESA-Generaldirektor, Josef Aschbacher, am Mittwoch in BrĂŒssel am Weltraumrat mit. Die beiden AusgewĂ€hlten schlossen vor einem Monat mit Marco Sieber, dem Spanier Pablo Álvarez FernĂĄndez und der Nordirin Rosemary Coogan die Astronauten-Ausbildung der ESA ab. (BrĂŒssel, 17:42)

DROGEN: Zwei unterschiedliche Schaltkreise im Hirn sind fĂŒr die abhĂ€ngig machende Wirkung von Fentanyl verantwortlich. Diese Erkenntnis von Genfer Forschenden könnte bei der Behandlung von Opioidsucht und bei der Herstellung von Medikamenten mit weniger Nebenwirkungen helfen.

„Was wir herausgefunden haben, verĂ€ndert das VerstĂ€ndnis von Opioid-AbhĂ€ngigkeiten“, sagte Studienleiter Christian LĂŒscher am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. (Genf, 17:00)

SPORT

GIRO D’ITALIA: Georg Steinhauser schreibt am Giro d’Italia die Geschichte der 17. Etappe. Der junge Deutsche freut sich auf dem Passo Brocon ĂŒber seinen ersten Sieg als Profi.

Georg Steinhauser, ein Name, den man sich als Velofan merken sollte. Am vergangenen Sonntag liess der 22-JĂ€hrige aus dem Team EF Education-EasyPos am Giro d’Italia mit einem 3. Rang in der Königsetappe aufhorchen – geschlagen nur von Überflieger Tadej Pogacar und Nairo Quintana.

Drei Tage spĂ€ter setzte der AllgĂ€uer, der 2022 seine Ausbildung als Metallbauer abgeschlossen hat und seither voll auf die Karte Veloprofi setzt, noch einen drauf. Auf dem anspruchsvollen 159 km langen und mit 4100 Höhenmetern gespickten Kletterakt durch die Dolomiten liess der deutsche Giro-DebĂŒtant alle hinter sich. (Rad, 17:48)

WM 2024: Die Deutschen blicken mit grossem Optimismus auf den WM-Viertelfinal am Donnerstagnachmittag in Ostrava gegen die Schweiz voraus. Dazu haben sie auch allen Grund.

Auf einer deutschen Online-Plattform lautet ein Zwischentitel eines Vorschauberichts auf den Viertelfinal gegen die Schweiz: „Halbfinal-Gegner Schweden oder Finnland“. Abgesehen davon, dass es inhaltlich nicht stimmt, sagt das einiges aus. Es ist auch immer wieder vom Lieblingsgegner zu lesen.

Wie dem auch sei. Fakt ist, dass die Deutschen sicher nicht als Aussenseiter gegen die Schweiz bezeichnet werden können. An den letzten vier Weltmeisterschaften schauten die PlĂ€tze 6, 4, 7 und 2 heraus. Dazu kommt der Gewinn von Olympia-Silber 2018 in Pyeongchang. Das spricht BĂ€nde fĂŒr die Entwicklung im Nachbarland. (Eishockey, 15:49)