5 Oktober 2022

Die Nachrichtenlage um 11 Uhr

Die Schlagzeilen:

POLITIK

KLIMA: Volk und Stände entscheiden nicht über die Gletscher-Initiative. Die Initiantinnen und Initianten ziehen das Volksbegehren zugunsten des indirekten Gegenvorschlags zurück, wie sie am Mittwoch in Bern bekanntgaben.

In seiner Medienmitteilung schrieb das Initiativkomitee von einem bedingten Rückzug. Man sei zuversichtlich, dass der Gegenvorschlag an der Urne eine Mehrheit finden werde.

Die SVP hat das Referendum gegen das Vorhaben angekündigt. Das Komitee warf der Partei in seiner Mitteilung vor, sie schüre Panik und Angst in einer Krisensituation, in der gemeinsame Lösungen gefragt seien. (Bern, 10:30)

DEUTSCHLAND: Die deutsche Regierung hat sich noch nicht auf einen Entwurf von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) über einen Weiterbetrieb von zwei Atomkraftwerken bis ins Frühjahr geeinigt.

Entgegen der Planungen Habecks befasste sich am Mittwoch das Kabinett nicht damit. Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums sagte, die die Ressortabstimmung zur gesetzlichen Umsetzung der „Einsatzreserve“ Atom dauere noch an.

Der Entwurf des Wirtschaftsministeriums sieht vor, das deutsche Atomgesetz und das Energiewirtschaftsgesetz um Regelungen zu ergänzen, welche die Rahmenbedingungen für eine zeitlich bis zum 15. April 2023 befristete „Einsatzreserve“ der Atomkraftwerke Isar 2 und Neckarwestheim 2 schaffen. Damit sollten – falls notwendig – „steuerbare Erzeugungskapazitäten im deutschen Stromnetz gehalten werden. (Berlin, 09:41)

RUSSLAND: Russlands Präsident Wladimir Putin hat die völkerrechtswidrige Annexion der besetzten Teile der ukrainischen Gebiete Cherson, Saporischschja, Luhansk und Donezk abgeschlossen.

Er unterzeichnete die zuvor von der Staatsduma und dem Föderationsrat beschlossenen Gesetze zur Integration der Regionen in russisches Staatsgebiet und setzte sie somit in Kraft, wie der Kreml am Mittwoch in Moskau der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge mitteilte. Moskau kontrolliert aktuell nur Teile der annektierten Gebiete, aber sie stehen nun offiziell unter dem Schutz der Atommacht. (Moskau, 09:39)

SÜDKOREA: Einen Tag nach Nordkoreas Test einer Mittelstreckenrakete wollen die USA erneut einen Flugzeugträger in die Gewässer östlich der koreanischen Halbinsel entsenden.

Wie der südkoreanische Generalstab am Mittwoch mitteilte, soll die „sehr ungewöhnliche“ Rückkehr des nukleargetriebenen Flugzeugträgers „USS Ronald Reagan“ die Verteidigungsbereitschaft der Verbündeten gegen nordkoreanische Provokationen demonstrieren. Südkorea steht unter dem militärischen Schutzschild der USA. (Seoul, 09:39)

WIRTSCHAFT

KONJUNKTUR: Mit der KOF senkt ein weiteres Prognoseinstitut die Vorhersagen für die Schweizer Konjunktur. Eine Rezession erwarten die Experten aber vorläufig nicht.

Die Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) sagt nun für das laufende Jahr noch ein Wachstum des Bruttoinlandprodukt (BIP) von 2,3 Prozent und für 2023 von noch 0,7 Prozent voraus. Bei der letzten Prognose im Juni hatte das Institut noch ein Wachstum von 2,8 Prozent für 2022 und von 1,3 Prozent für 2023 prognostiziert. (Zürich, 10:16)

ENERGIEKRISE: Russland will nach einem kurzen Lieferstopp wieder Gas durch Österreich nach Italien pumpen. Es sei mit den italienischen Abnehmern eine Lösung des Problems gefunden worden, teilte der russische Staatskonzern Gazprom am Mittwoch im Nachrichtenkanal Telegram mit.

Der österreichische Betreiber erkläre sich bereit, sogenannte Nominierungen für den Transport zu akzeptieren, was die Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen ermögliche.

Der italienische teilstaatliche Konzern und grösste Gasimporteur Eni hatte zuvor mitgeteilt, er wolle Garantien an Österreich bezahlen, damit die Alpenrepublik wieder Gas nach Italien weiterleite. (Moskau, 09:35)

NAHRUNGSMITTEL: Der Nahrungsmittelriese Nestlé hat den Verkauf seiner Kartoffelpüree-Marke Mousline an den französischen Investmentfonds FnB abgeschlossen. Angaben zum Verkaufspreis wurden keine gemacht.

Die Transaktion sei Teil einer Wachstums- und Diversifizierungsstrategie für die Marke Mousline und biete ihr neue Entwicklungs- und Innovationsperspektiven, teilte Nestlé Frankreich auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP am Mittwoch mit. Im Rahmen der strategischen Neuausrichtung Ende 2021 hatte Nestlé bereits die Absicht angekündigt, sich von seiner Püree-Marke zu trennen. (Vevey, 08:26)

VERMISCHTES

USA: Die legendäre US-Band Jefferson Airplane soll auf Hollywoods „Walk of Fame“ mit einer Sternenplakette verewigt werden. Das gaben die Betreiber der Touristenmeile in Los Angeles am Dienstag (Ortszeit) bekannt. Am 13. Oktober sollen Sängerin Grace Slick (82), Bassist Jack Casady (78) und Gitarrist Jorma Kaukonen (81) den Stern enthüllen – es wird die 2737. Plakette auf dem berühmten Bürgersteig sein. Als Gastredner sind die Musiker John Densmore (The Doors) und Mickey Hart (Grateful Dead) eingeladen.

Mitte der 1960er Jahre, während der Flower-Power-Bewegung in Kalifornien, wurde die legendäre Band Jefferson Airplane in San Francisco gegründet. Zur Stammbesetzung zählten neben Slick, Casady und Kaukonen der 2018 gestorbene Sänger Marty Balin und Rocker Paul Kantner, der 2016 verstarb. Die Band war für ihren psychedelischen Blues-Rock und für Hits wie „Somebody to Love“ und „White Rabbit“ bekannt. 1968 ging Jefferson Airplane zusammen mit The Doors in Europa auf Tour. Beim Rockfestival von Woodstock trat die Band 1969 neben Musikgrössen wie Janis Joplin, Jimi Hendrix, Joan Baez und The Who auf. 2016 wurden die Band-Mitglieder mit einem Grammy-Sonderpreis für ihr Lebenswerk geehrt. (Los Angeles, 06:46)

MUSIK: Unter Menschen zu sein fällt Depeche-Mode-Musiker Martin Gore (61) seit der Corona-Pandemie schwerer. „Ich denke, dass die Pandemie mich definitiv verändert hat, wie viele andere Menschen auch. Man war so daran gewöhnt, zu Hause zu sein und nirgendwo hinzugehen.“

„Es ist ein bisschen wie ein Kampf, wieder in die Welt hinauszugehen, und sich wieder Menschen zu stellen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Sänger Dave Gahan und er kündigten dort das neue Depeche-Mode-Album „Memento Mori“ und eine Tournee für nächstes Jahr an. Es war der erste öffentliche Auftritt nach dem Tod von Band-Mitgründer Andrew Fletcher. Dieser war im Mai überraschend im Alter von 60 Jahren gestorben. (Berlin, 06:30)

KULTUR

USA: Der US-Dramatiker und Pulitzer-Preisträger Charles Fuller ist tot. Er starb am Montag im Mount Sinai Hospital in Toronto, wie sein Sohn David dem Branchenmagazin „Hollywood Reporter“ sagte. Fuller wurde 83 Jahre alt.

Der in Philadelphia geborene Schriftsteller ist besonders für sein Drama „A Soldier’s Play“ bekannt, das mit dem Pulitzer-Preis für Theater sowie einem Tony Award ausgezeichnet wurde. Fuller beleuchtet darin die Spannungen zwischen schwarzen Soldaten auf einem abgesonderten Armeestützpunkt. Wie die meisten seiner Werke thematisiert „A Soldier’s Play“ Rassismus in den USA. 1984 adaptierte Fuller den Stoff für den Film „A Soldier’s Story“, der für Oscars in den Kategorien „Bester Film“, „Bestes adaptiertes Drehbuch“ und „Bester Nebendarsteller“ nominiert wurde. (Toronto, 09:40)

USA: Oscar-Preisträger Francis Ford Coppola (83, „Der Pate“, „Apocalypse Now“) baut die Starbesetzung für sein Herzensprojekt „Megalopolis“ weiter aus. Auch Oscar-Preisträger Dustin Hoffman (85, „Rain Man“) ist nun zu dem Ensemble-Cast gestossen, wie die Branchenportale „Deadline.com“ und „TheWrap.com“ am Dienstag (Ortszeit) berichteten. Die Dreharbeiten sollen noch in diesem Jahr im US-Staat Georgia beginnen.

Zur Besetzung gehören unter anderem Adam Driver, Nathalie Emmanuel, Aubrey Plaza, Laurence Fishburne, Shia LaBeouf und Jason Schwartzman. Der Regisseur will auch seine Schwester Talia Shire und die Britin Kathryn Hunter vor die Kamera holen. (San Francisco, 06:52)

WISSENSCHAFT

NATUR: Die Schweiz ist unter den Alpenländern Spitzenreiter bei der Wiederansiedlung von Bartgeiern. Seit der ersten erfolgreichen Brut im Jahr 2007 sind insgesamt 138 ausgeflogene Jungtiere gezählt worden.

Der Bestand an Bartgeiern nimmt laufend zu, wie die Stiftung Pro Bartgeier am Mittwoch bekannt gab. Allein im laufenden Jahr sind in der Schweiz 21 junge Bartgeier ausgeflogen. In allen Alpenländern zusammen waren es 49 Jungtiere.

Seit 2007 ziehen freilebende Bartgeier jährlich Junggeier in freier Wildbahn auf. In der Schweiz wächst die Population besonders schnell. In Frankreich haben Bartgeier erstmals 1997 erfolgreich gebrütet. In Italien 1998 und in Österreich 2010. (Bern, 09:07)

SPORT

ATP ASTANA: Marc-Andrea Hüsler (ATP 64) landet nach seinem ersten Turniersieg in Sofia nicht ganz überraschend hart auf dem Boden der Realität.

Nur drei Tage nach seinem Finalsieg in Bulgarien verlor der 26-jährige Zürcher in der 1. Runde des Turniers in Astana gegen Emil Ruusuvuori klar 0:6, 2:6.

Der aufschlagstarke Linkshänder verlor seinen Service gegen den elf Positionen besser klassierten Finnen gleich fünf Mal und konnte nur 69 Minuten lang Widerstand leisten. Während Hüslers unterlegener Finalgegner Holger Rune kurzfristig auf die Reise in die kasachische Hauptstadt verzichtete, versuchte der Schweizer das Momentum zu nutzen. Die Zeit zur Verarbeitung und Erholung war aber offensichtlich zu kurz. (Tennis, 10:08)