2 September 2023

Schwere Ausschreitungen gegen Migranten in Zypern

Nach einer Demonstration gegen Fl├╝chtlinge und Migranten hat es am Freitagabend in der zyprischen Hafenstadt Limassol schwere Ausschreitungen gegeben. Rund 350 Vermummte griffen Gesch├Ąfte von Migranten und die Menschen selbst an, warfen Brands├Ątze und Steine und z├╝ndeten M├╝lltonnen an, wie die Zeitung „Cyprus Times“ am Samstag berichtete. Die Polizei setzte Tr├Ąnengas ein, f├╝nf Menschen wurden verletzt, es gab 13 Festnahmen. Bei den Vermummten soll es sich Medienberichten zufolge um Rechtsextreme handeln. Bereits am vergangenen Wochenende hatten Rechtsextreme in der Kleinstadt Chloraka Migranten angegriffen.

Fernsehbilder zeigten, wie Passanten sich in Sicherheit brachten, w├Ąhrend die Vermummten „Migranten raus aus Zypern“ skandierten und randalierten. Noch am Freitagabend sprach Pr├Ąsident Nikos Christodoulidis von „besch├Ąmenden Bildern“, wie der Sender RIK berichtete. Am Samstagmorgen fand im Pr├Ąsidialgeb├Ąude eine Krisensitzung mit den zust├Ąndigen Ministern, der Polizei, dem Zivilschutz und der Feuerwehr statt.

Laut zyprischem Innenministerium machen Fl├╝chtlinge und Migranten mittlerweile sechs Prozent der Bev├Âlkerung aus. Die kleine Inselrepublik verzeichnet ausserdem gemessen an der Bev├Âlkerungszahl mit Abstand die meisten Asylantr├Ąge pro Jahr in der EU. Die Fl├╝chtlingslager sind ├╝berf├╝llt, vielerorts haben sich Ghettos gebildet, wo die Menschen in Armut leben. Diese Zust├Ąnde dienen Ultrarechten als Anlass f├╝r die Ausschreitungen.

Zypern ist nach einem griechischen Putsch und einer t├╝rkischen Milit├Ąrintervention seit 1974 geteilt. Die Republik Zypern ist seit 2004 Mitglied der EU. Das EU-Recht und Regelwerk gelten, so lange es keine L├Âsung f├╝r die Teilung gibt, nur im S├╝dteil der Insel. Dort leben rund 900 000 Menschen, im Norden sind es rund 300 000. Zyprische Regierungen haben in den vergangenen Jahren immer wieder beklagt, dass Migranten aus der T├╝rkei legal nach Nordzypern reisen und von dort ├╝ber die gr├╝ne Grenze nach S├╝dzypern und damit in die EU gelangen.

(text:sda/bild:unsplash-symbolbild)