7 Januar 2022

Zwei Festnahmen nach Geiselnahme in Le Locle NE

In einer Zulieferfirma der Uhrenindustrie in Le Locle NE sind am Donnerstag vier Menschen Opfer einer Geiselnahme geworden. Die zwei mutmasslichen TĂ€ter wurden nach ihrer Flucht in Pontarlier (F) festgenommen. Beute konnten die Ganoven nicht mitgehen lassen.

Nachdem die beiden VerdĂ€chtigen vier Geiseln bei der in Le Locle ansĂ€ssigen Schmuckveredelungsfirma Calçada festgehalten hatten, flĂŒchteten sie in einem gestohlenen Auto ins benachbarte Frankreich. Sie wurden von der französischen Polizei, die von den Schweizer Behörden nach der Tat benachrichtigt worden war, entdeckt und verfolgt.

Die „kurze“ Verfolgungsjagd endete in einer Sackgasse in der grenznahen Stadt Pontarlier, rund 40 Kilometer vom Tatort entfernt. Die Ganoven rasten daraufhin auf das Fahrzeug der Polizisten zu, die „mehrere Dutzend Mal“ das Feuer eröffneten, ohne jemanden zu verletzen, wie die Polizei der französischen Nachrichtenagentur AFP sagte und damit eine Meldung der Tageszeitung „L’Est rĂ©publicain“ bestĂ€tigte. Die TĂ€ter hĂ€tten eine Waffe „zur Schau gestellt“, aber nicht geschossen.

Die Neuenburger Polizei schilderte den Tathergang in einer Mitteilung vom Freitag so: Um 17.30 Uhr wurde ein Angestellter der Firma zusammen mit seiner LebensgefÀhrtin in seinem Haus in La Chaux-de-Fonds NE von zwei mit einer Pistole bewaffneten Personen als Geisel genommen.

Das Paar unter Drohungen gezwungen, sich zu der Fabrik im knapp zehn Kilometer entfernten Le Locle zu begeben. Vor Ort wurden zwei Angestellte, die soeben ihre Arbeit beenden wollten, ebenfalls als Geiseln genommen.

Die TÀter liessen sich mehrere Tresore des Unternehmens öffnen, in denen sich Edelmetalle befanden. Ein stiller Alarm wurde ausgelöst, der die Sicherheitsfirma des Standorts informierte. Der Alarm, der an die Neuenburger Polizei weitergeleitet wurde, löste eine gross angelegte Operation aus.

Die Ankunft eines ersten Sicherheitsbeamten, der den TÀtern wahrscheinlich von externen Komplizen gemeldet worden war, vertrieb die im GebÀude befindlichen Personen, sodass die Beute nicht mitgenommen werden konnte, wie die Neuenburger Polizei schreibt.

Wenige Minuten spĂ€ter entwendeten die TĂ€ter ein Fahrzeug, das sich in der NĂ€he des Unternehmens befand. Die Fahrerin wurde dabei mit Gewalt aus dem Auto gezerrt, Die TĂ€ter flĂŒchteten mit dem Auto, das um 19.10 Uhr in Pontarlier gesichtet wurde.

Die vier Geiseln und die Fahrerin des gestohlenen Fahrzeugs standen unter Schock und wurden von einer Spezialeinheit betreut. Die Neuenburger Staatsanwaltschaft leitete eine Strafuntersuchung ein.

Zu Ă€hnlichen ÜberfĂ€llen ist es im Jurabogen in jĂŒngster Vergangenheit immer wieder gekommen. Meist war der Uhrensektor, der mit Edelmetallen arbeitet, im Visier der Kriminellen.

Etwa hatten im November letzten Jahres sechs Gangster in Bassecourt JU einen Firmenchef und seine gesamte Familie als Geiseln genommen und anschliessend grosse Mengen an Gold gestohlen. Das Edelmetall war in den RĂ€umlichkeiten gelagert.

Die TĂ€ter flohen mit ihren Geiseln ins benachbarte Frankreich, indem sie eine Grenzsperre in Lucelle JU durchbrachen. Der Direktor und seine Familie wurden zusammen mit seinem Fahrzeug in einem Wald in der NĂ€he von Bourrignon JU zurĂŒckgelassen. Die Ganoven entkamen der Polizei.

Eine Ă€hnliche Geiselnahme ereignete sich im Januar 2018 in La Chaux-de-Fonds. Damals wurde der Direktor der Firma Cendror von sechs EntfĂŒhrern gezwungen, ihnen eine Menge Gold zu ĂŒbergeben, bevor sie ihn und seine ganze Familie in den Bergen von Biaufond NE aussetzten und in Richtung Frankreich flĂŒchteten.

(text:sda/bild:unsplash)