24 MĂ€rz 2022

ZĂŒrcher Obergericht verurteilt Frauen wegen „Bestrafungsaktion“

Das ZĂŒrcher Obergericht hat am Donnerstag drei junge Frauen zu mehrjĂ€hrigen Freiheitsstrafen verurteilt, zwei davon ohne BewĂ€hrung. Sie hatten eine Kollegin entfĂŒhrt und sie wĂ€hrend acht Stunden geschlagen, gequĂ€lt und sexuell genötigt.

Das Obergericht verurteilte die drei Kosovarinnen zu Freiheitsstrafen von 48 Monaten, 40 Monaten und 20 Monaten. Nur jene Beschuldigte mit 20 Monaten erhielt eine BewĂ€hrungsstrafe. Die beiden anderen mĂŒssen ihre Strafe absitzen.

Die HaupttĂ€terin wird nach VerbĂŒssung ihrer Freiheitsstrafe zudem fĂŒr sieben Jahre des Landes verwiesen. Die drei Frauen wurden wegen schwerer EntfĂŒhrung und in zwei von drei FĂ€llen auch wegen mehrfacher gemeinsamer sexueller Nötigung verurteilt. Ihrem Opfer mĂŒssen sie nun 25’000 Franken Genugtuung zahlen.

Die HaupttĂ€terin hatte wĂ€hrend des Prozesses argumentiert, dass ihr Opfer „freiwillig mitgemacht“ habe. Das sei an Zynismus nicht zu ĂŒberbieten, sagte der Oberrichter bei der Urteilseröffnung. Sie hĂ€tten ihr Opfer ĂŒber einen Zeitraum von acht Stunden erbarmungslos, unmenschlich und grausam gequĂ€lt.

Auslöser fĂŒr die „Bestrafungsaktion“ war, dass die heute 23-jĂ€hrige Frau bei den Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb) eine GefĂ€hrdungsmeldung ĂŒber eine ihrer „Kolleginnen“ machte. Diese schlage ihr Kind und lasse es alleine, um in den Ausgang zu gehen.

Um sie fĂŒr dieses „AnschwĂ€rzen“ zu bestrafen, zerrten die TĂ€terinnen die Frau im MĂ€rz 2019 auf einem Parkplatz in Kloten in ein Auto und quĂ€lten sie die ganze Nacht, zuerst in einem WaldstĂŒck und spĂ€ter in einer Wohnung.

Die Frau musste sich dabei auch ausziehen und wurde gezwungen, eine Sexszene nachzuspielen. Dabei penetrierte die HaupttĂ€terin sie gegen ihren Willen mit einem Dildo, was ihr grosse Schmerzen bereitete. Zudem wurde sie gezwungen, die FĂŒsse der TĂ€terinnen abzulecken und Dekorationssteine zu schlucken. Dann schnitten die TĂ€terinnen ihrem Opfer die HaarverlĂ€ngerungen ab und setzten es wieder aus.

Das Urteil ist noch nicht rechtskrĂ€ftig. Die drei Frauen können es noch ans Bundesgericht weiterziehen. Eine vierte TĂ€terin hatte das Urteil der Vorinstanz, des Bezirksgerichtes BĂŒlach, akzeptiert. Sie hat ihre Freiheitsstrafe bereits verbĂŒsst und wurde danach in den Kosovo ausgeschafft.

(text:sda/bild:unsplash – symbolbild)