17 Juli 2022

Zirkus Harlekin GrĂŒnder Peter ”Pedro” Pichler ist gestorben

Am vergangenen Freitag erreichte die Zirkuswelt die traurige Nachricht, dass Peter Pichler am 14. Juli auf TournĂ©e in Leukerbad im Alter vom 78 Jahren gestorben ist. Der GrĂŒnder und Direktor des Zirkus Harlekin, sowie der Clown Pedro sind nicht mehr. Pedro war es vergönnt die erfolgreiche 30. JubilĂ€umstournĂ©e bis zu ihrem Saisonabschluss zu erleben.

Peter Pichler wurde am 23. August 1943 in Thun geboren. Schon als Kind spielte Peter Pichler am liebsten mit Holzklötzen, die in seiner Fantasie Circuswagen darstellten. Neben seinem Beruf als Kaufmann trat Pichler mit Zaubereien an kleineren AnlĂ€ssen auf. Daneben trainierte er von 1978 bis 1984 eine Handball-Damenmannschaft. Dort begegnete er Monika Aegerter, die seine Leidenschaft fĂŒr den Circus teilte. Als 1985 der Circus Monti gegrĂŒndet wurde, wirkte Peter Pichler als “Don Piotr” im Abendprogramm mit. 1987 war “Don Piotr” wieder im Engagement beim Circus Monti, diesmal mit Monika als seine Assistentin. Zudem studierten sie zusammen mit dem befreundeten Johann KrayenbĂŒhl eine Clownnummer ein. Dies war die Geburtsstunde des Clownstrio “Les Nicas”, das auch in Deutschland tourte, unter anderem beim Circus Aldoni und Busch.

Vom Circusvirus infiziert trĂ€umten Peter Pichler und Monika Aegerter vom eigenen Circus. Weil sie einen bunten und fröhlichen Circus erschaffen wollten, sollte er “Harlekin” heissen. Und so wurden nach und nach Traktoren und alte Bauwagen angeschafft und wĂ€hrend der Freizeit zusammen mit vielen Freunden restauriert. Zudem erwarb Pichler fĂŒr 25 Franken ausgediente SeilbahnstĂŒtzen, die er zu Hauptmasten umfunktionierte. Die Zelthaut kam schliesslich aus Deutschland.

Als es mit dem Circus Harlekin konkreter wurde, hĂ€ngte Peter Pichler seine sichere Verwaltungsstelle an den Nagel. Am 1. Mai 1993 war es schliesslich soweit. In Wattenwil bei Thun wurde der neue Schweizer Circus aus der Taufe gehoben. In den ersten beiden Jahren reiste Harlekin praktisch nur wĂ€hrend der Sommerferien. Denn im Gegensatz zu Peter “Pedro” Pichler gab Monika Aegerter ihre Stelle als Lehrerin ĂŒber all die Jahre hinweg nie auf und reist bis heute fĂŒr ihre Manegenauftritte dem Circus hinterher. Das Gleiche gilt auch fĂŒr Pedro’s Tochter Nicole, die ebenfalls als Lehrerin tĂ€tig ist. Nachdem die Direktion 1995 ein Viermast-Chapiteau mit 500 SitzplĂ€tzen erwarb, wurde die Reisesaison von MĂ€rz bis September ausgedehnt.

Auch wenn der Circus Harlekin vor allem die Kantone Bern, Luzern und Wallis bereist, ist er weit ĂŒber sein Stammesgebiet und die Landesgrenzen hinaus fĂŒr seine QualitĂ€t bekannt. FĂŒr grosses Aufsehen sorgte jeweils Harlekins Gletschercircus auf der Belalp (2136 Meter ĂŒber Meer). Dabei wurde kein Aufwand gescheut, um Harlekins Freilichtcircus vor der Kulisse des mĂ€chtigen Aletschgletschers prĂ€sentieren zu können.

Pedro und Monika legten grossen Wert auf ein gepflegtes Erscheinungsbild, anspruchsvolle Artistik, erstklassige Clownerie und freundliches Personal. Ende 2021 wĂŒrdigte die Stadt Thun den kulturellen Wert des Circus Harlekin mit der Übergabe des Kulturpreises. Damit wurde Pedro die lĂ€ngst verdiente Ehre zuteil, der jahrelanges unermĂŒdliches Schaffen mit vielen Hindernissen, HĂŒrden und RĂŒckschlĂ€gen zugrunde lag.

(text:pd,ol/bild:zvg-circusfreunde)