2 Februar 2023

Wissenschaftsgremium fordert Verbot von Fleisch-Aktionen

Eine CO2-Abgabe auf Lebensmittel und ein Verbot von Fleisch-Aktionen: F├╝r die Erhaltung der Ern├Ąhrungssicherheit der Schweiz braucht es laut einem Gremium aus ├╝ber 40 Wissenschaftlern aus renommierten Schweizer Institutionen tiefgreifende Massnahmen.

An einem nationalen Ern├Ąhrungssystemgipfel in Bern am Donnerstag stellte das Gremium einen Leitfaden mit entsprechenden Massnahmen vor. In einer ersten Phase empfiehlt es bis 2025 den Aufbau eines Transformationsfonds, durch den Informationsmassnahmen finanziert werden.

Konkret k├Ânnten dies beispielsweise Aus- und Weiterbildungsprogramme f├╝r relevante Berufe der gesamten Wertsch├Âpfungskette, aber auch F├Ârderprogramme f├╝r Junglandwirtinnen und -landwirte zur Betriebsumstellung sein. Weiter sollen damit technologische Innovationen finanziert werden.

In einer zweiten Phase m├╝ssten gem├Ąss Leitfaden ab 2025 zunehmend regulatorische Massnahmen und Lenkungsabgaben zum Tragen kommen. Dazu geh├Âren erh├Âhte Z├Âlle f├╝r tierische Produkte sowie die Einf├╝hrung einer CO2-Abgabe auf Lebensmittel.

Phase drei konzentriert sich auf die Agrarpolitik und die Unterst├╝tzung f├╝r den l├Ąndlichen Raum. Denkbar ist laut dem Wissenschaftsgremium eine Anpassung bei den Direktzahlungen sowie Steuererleichterungen f├╝r Landwirtinnen und Landwirte.

F├╝r die vierte Phase ab 2030 schlagen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine schrittweise Einf├╝hrung tiefgreifender regulatorischer Massnahmen vor. Dazu geh├Ârt ein Verbot von Niedrigpreis-Promotionen f├╝r Produkte wie Fleisch, Milch und Eier.

Dieser Leitfaden wurde Bundesrat Guy Parmelin am Donnerstag im Rahmen des Ern├Ąhrungssystemgipfels ├╝berreicht. „Die Empfehlungen decken sich mit der zuk├╝nftigen Ausrichtung der Agrarpolitik, die der Bundesrat im vergangenen Sommer erarbeitet hat“, sagte Parmelin in einer Rede.

Die Folgen des Klimawandels seien f├╝r die Landwirtschaft einschneidend: „Sie muss sich diesen Bedingungen anpassen.“ Parmelin betonte in seiner Rede auch die Wichtigkeit, die soziale und wirtschaftliche Situation der Landwirtinnen und Landwirte zu verbessern.

Auch vom Schweizer Bauernverband hiess es, die Landwirtschaft sei bereit, ihren Teil zu einem nachhaltigen Ern├Ąhrungssystem beizutragen. Er kritisierte hingegen, dass die Verantwortung f├╝r eine nachhaltige Ern├Ąhrungspolitik unfair verteilt sei. Voraussetzung sei, dass die nachhaltigeren und mit Mehrkosten produzierten Lebensmittel Absatz finden.

Solche Massnahmen seien dringend notwendig, schrieben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Leitfaden. Die Ern├Ąhrungssicherheit der Schweiz sei durch Kriege, Pandemien, Klimawandel und das Schwinden der Biodiversit├Ąt bedroht.

Als international vernetztes Land sei die Schweiz sowohl f├╝r die Versorgungssicherheit als auch als Wirtschaftsstandort auf weltweit funktionierende ├ľkosysteme angewiesen.

Die Transformation des Ern├Ąhrungssystems sei eine gesamt- gesellschaftliche Aufgabe. Nebst Akteuren wie der Industrie und der Landwirtschaft sowie den Konsumentinnen und Konsumenten m├╝sse der Staat eine Schl├╝sselrolle in der strategischen Neuausrichtung der Schweizer Ern├Ąhrungssystempolitik wahrnehmen.

Das Projekt wurde von den Bundes├Ąmtern f├╝r Landwirtschaft (BLW), f├╝r Lebensmittelsicherheit und Veterin├Ąrwesen (BLV), sowie f├╝r Umwelt (Bafu) finanziell unterst├╝tzt. Die Tr├Ągerorganisationen von Ern├Ąhrungszukunft Schweiz sind die Stiftung Biovision, das Sustainable Development Solution Network (SDSN) und „Landwirtschaft mit Zukunft“.

(text:sda/bild:unsplash-symbolbild)