19 September 2022

Welt nimmt Abschied von der Queen – k├Ânigliches Jahrhundertereignis

Mit einem der gr├Âssten Staatsbegr├Ąbnisse der Geschichte hat die Welt am Montag Abschied von der Queen genommen. Unter den Augen von Millionen TV-Zuschauern in aller Welt erwies eine trauernde Nation in London und Windsor der verstorbenen K├Ânigin Elizabeth II. die letzte Ehre. An den beispiellosen Trauerfeierlichkeiten nahmen zahlreiche Staatsoberh├Ąupter und Monarchen teil, einige waren extra von weit her angereist. Hunderttausende s├Ąumten zu dem Jahrhundertereignis die Strassen.

K├Ânig Charles III. wirkte ergriffen, als er mit seiner engsten Familie den Sarg seiner Mutter durch die britische Hauptstadt geleitete. Der 73-J├Ąhrige hatte Tr├Ąnen in den Augen. „Trauer ist der Preis, den wir f├╝r die Liebe zahlen“, hatte die Queen einst gesagt.

Auch die Queen-Urenkel Prinz George (9), ein k├╝nftiger K├Ânig, und Prinzessin Charlotte (7) reihten sich mit ihren Eltern Prinz William und Prinzessin Kate (beide 40) in die Trauerprozession ein.

Am Nachmittag kehrte der Leichnam der K├Ânigin auf ihre Residenz Windsor westlich von London zur├╝ck. Dort sollte sie nach einem Aussegnungsgottesdienst an der Seite ihres Ehemanns Prinz Philip in einer privaten Zeremonie beigesetzt werden. Die k├Âniglichen Insignien – Staatskrone, Zepter und Reichsapfel – wurden daf├╝r vom Sarg entfernt.

Kommentatoren sprachen von einem beispiellosen Spektakel in der j├╝ngeren britischen Geschichte. Die Zeremonie beschloss das zweite Elisabethanische Zeitalter, wie britische Medien kommentierten. Elizabeth II. sass 70 Jahre auf dem Thron – l├Ąnger als alle anderen britischen Monarchen. Sie war am 8. September im Alter von 96 Jahren auf ihrem schottischen Landsitz Schloss Balmoral gestorben.

Auf den Strassen war die Anteilnahme gross. In Trauer vereint, warfen zahlreiche Menschen vom Rand Blumen auf den Leichenwagen, als das Fahrzeug die K├Ânigin zum letzten Mal aus der britischen Hauptstadt in zu ihrer geliebten Residenz Schloss Windsor brachte. Dort warteten auch die geliebten Corgis der Queen, die nun von ihrem zweit├Ąltesten Sohn Prinz Andrew betreut werden, sowie ihr Lieblingspferd.

Das Staatsbegr├Ąbnis war minuti├Âs durchgetaktet: Um 11.44 Uhr (12.44 Uhr MESZ) wurde der in die k├Ânigliche Standarte geh├╝llte Sarg aus der Westminster Hall des Parlaments, wo etliche Menschen ├╝ber Tage der aufgebahrten Queen die letzte Ehre erwiesen hatten, in die nahe Westminster Abbey getragen. Dort nahmen etwa 2000 G├Ąsten an einem einst├╝ndigen Gottesdienst teil. In der Abtei hatte die Queen 1947 Prinz Philip geheiratet und war 1953 auch gekr├Ânt worden.

Schon Stunden vor dem Gottesdienst waren alle Bereiche entlang der Strecke des Trauerzugs gef├╝llt. Neuank├Âmmlinge wurden in den Hyde Park geleitet, wo die Zeremonie auf Grossbildleinw├Ąnden gezeigt wurde.

Jede Minute des Trauerzugs erklang ein Salutschuss, auch die ber├╝hmte Glocke Big Ben schlug regelm├Ąssig. Etliche Soldaten in Gala-Uniform schritten mit dem Sarg an den St├Ątten von Elizabeths 70-j├Ąhriger Herrschaft wie dem Buckingham-Palast vorbei. Viele Uniformen und das Zeremoniell erinnerten Betrachter an das einstige britische Empire, das w├Ąhrend Elizabeths Regentschaft weiter zerbr├Âckelte.

Mit K├Ânig Charles folgten auch die ├╝brigen Kinder der Queen – Prinzessin Anne, Prinz Andrew und Prinz Edward – im Trauerzug. Dahinter gingen ihre Enkel Prinz William und Prinz Harry. Ihre Ehefrauen sowie Williams Kinder folgten in Limousinen bis zum Triumphbogen Wellington Arch, wo der Sarg von acht Tr├Ągern von einer Lafette in den Leichenwagen umgebettet wurde. Auf Windsor schlossen sich die Royals dem Geleitzug erneut an.

Andrew und Harry kamen wie erwartet nicht in Uniform. Dabei waren beide im Milit├Ąreinsatz, Andrew im Falklandkrieg und Harry in Afghanistan. Allerdings sind sie keine aktiven Mitglieder der Royal Family mehr. Bei der Totenwache in der Westminster Hall waren sie zuvor ausnahmsweise in Uniform erschienen.

W├Ąhrend des Gottesdienstes waren viele Blicke auf die j├╝ngsten Teilnehmer der Royal Family gerichtet. Charlotte schaute viel zu Boden und trug einen schwarzen Hut mit Schleife ├╝ber ihrem langen blonden Haar und einen Mantel, sie hielt ihre H├Ąnde vor sich gefaltet. George trug einen dunkelblauen Anzug mit weissem Hemd und Krawatte. Ihr j├╝ngerer Bruder Prinz Louis (4) war nicht anwesend.

Gut ein Dutzend K├Âniginnen und K├Ânige, dazu Sultane und sogar der japanische Kaiser Naruhito, der sonst nie an Beisetzungen teilnimmt – wohl seit langem hat es keine solch exquisite G├Ąsteliste gegeben. US-Pr├Ąsident Joe Biden war ebenso angereist wie der franz├Âsische Staatschef Emmanuel Macron und Schweizer Bundespr├Ąsident Ignazio Cassis.

Auch die sechs lebenden britischen Ex-Premierminister und Amtsinhaberin Liz Truss nahmen an dem Staatsakt teil. Blumenschmuck und Musik waren eigens wegen ihrer Symbolik f├╝r die Queen ausgew├Ąhlt worden. Auf dem Sarg thronte auch ein pers├Ânlicher Brief von Charles an seine Mutter. „In liebevoller und treuer Erinnerung. Charles R.“ Das „R.“ steht f├╝r Rex, das lateinische Wort f├╝r „K├Ânig“.

Der Erzbischof von Canterbury erinnerte auch an die viel beachtete Rede der Queen an die Nation w├Ąhrend der Corona-Pandemie. Elizabeth II. sprach ihren Untertanen damals Mut zu und sagte: „Wir werden uns wiedersehen.“ Zum Abschluss des Gottesdienstes ert├Ânte das Signal „The Last Post“. Nach zwei Schweigeminuten trug der pers├Ânliche Dudelsackpfeifer der Queen das St├╝ck „Sleep, Dearie, Sleep“ vor. Schliesslich wurde die Nationalhymne „God Save the King“ gesungen.

Das Staatsbegr├Ąbnis war eine enorme Herausforderung f├╝r die Beh├Ârden: Polizei, Geheimdienste und Anti-Terror-Einheiten koordinierten daf├╝r die wohl gr├Âsste Sicherheitsoperation, die die Stadt je erlebt hat. Derweil stand das Land still – fast ├╝berall blieben Schulen und Universit├Ąten sowie Gesch├Ąfte geschlossen. Auch auf die Reisepl├Ąne zahlreicher Menschen hatte das Ereignis Auswirkungen. Am Londoner Flughafen Heathrow wurden mehr als 100 Fl├╝ge abgesagt, damit w├Ąhrend der Zeremonien Stille herrscht.

(text:sda,cs/bild:keystone)