15 Juni 2023

Weiteres deutsches Seenotrettungsschiff in Italien festgesetzt

Die italienischen Behörden haben ein drittes deutsches Seenotrettungsschiff vorläufig aus dem Verkehr gezogen. Die „Aurora“ des Berliner Vereins Sea-Watch wurde am Mittwochabend auf Lampedusa festgesetzt, wie die Hilfsorganisation mitteilte. Als Grund sei angegeben worden, dass das Schiff ein Regierungsdekret missachtet habe. Vor der „Aurora“ hatte Rom zuletzt auch schon die „Mare*Go“ ebenfalls auf Lampedusa und die „Sea-Eye 4“ in Ortona festgesetzt.

Hintergrund der Massnahme ist eine Anordnung der Rechtsregierung in Rom, wonach private Seenotretter nach einem Einsatz unverzüglich in den Hafen fahren müssen, der ihnen zugeteilt wird. Im Fall der „Aurora“ war das Trapani auf Sizilien. Die Crew entschied, trotz der Anweisung das nahe gelegene Lampedusa anzusteuern, weil dies der körperliche Zustand der 39 geretteten Menschen verlangt habe.

Unter den Migranten waren unbegleitete Minderjährige und eine Schwangere. Sie waren am Montag im Mittelmeer von einem seeuntauglichen Boot gerettet worden, wie es hiess. Treibstoff, Lebensmittel und Wasser seien aufgebraucht gewesen.

Nichtregierungsorganisationen kritisieren seit Wochen das Dekret und werfen der Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni Schikane vor. Rom wolle durch die Massnahmen ausländische Helfer abschrecken, heisst es immer wieder. Die Regierung verteidigt ihre Entscheidung und sagt, freiwillige Retter würden Regeln missachten und nicht mit den Behören kooperieren.

(text&bild:sda)