13 September 2026

Was tut Bern gegen die sinkende Lesekompetenz?

Die Ergebnisse der neusten PISA-Studie zeigen: Die Kinder in der Schweiz können immer schlechter Lesen. Der Trend setzt sich fort – seit rund 15 Jahren geht es hierzulande mit der Lesekompetenz bergab. Die Schweiz ist damit nicht alleine: Fast alle OECD-Länder sind betroffen. Die Gründe seien weder den Bildungsbehörden in der Schweiz noch international genau bekannt, heisst es vom Berner Bildungsdirektor Reto Müller, die OECD sei im Moment daran, mögliche Ursachen zu untersuchen. Erste Theorien gebe es bereits: Es würde in der Freizeit zum Beispiel weniger gelesen als früher. Eine definitive Antwort auf diese Entwicklungen gebe es aber noch nicht, so Müller. Dennoch stellt sich die Frage, was der Kanton Bern unternimmt, um diesen Trend zu stoppen.

Man wolle nicht die Untersuchungen der OECD vorwegnehmen, so Müller. Man beobachte aber die Forschung genau. Es gebe beispielsweise die Idee, dass die Volksschule die fehlende Lesetätigkeit in der Freizeit kompensiere – also zusätzliche Lektionen zur Leseförderung leiste. Das sei aber dann letztlich auch wieder eine Geldfrage. Zudem sei es schwierig zu beweisen, dass die zusätzlichen Stunden auch tatsächlich zu mehr Lernerfolgen führen würden, so Müller. Auch die Klassengrössen seien immer wieder ein Thema. Aktuell liege die durchschnittliche Klassengrösse bei 19.6 Schülerinnen und Schüler. Aber schon die Reduktion um ein:e Schüler:in würde den Kanton Jährlich um die 80 Millionen kosten. Die Politik müsse klären, ob sie diesen Rückgang der Lesekompetenz hinnehmen will – seines Erachtens dürfe sie das nicht – und falls nicht, müsse sie auch bereit sein, zu investieren.

Vielleicht würde sich für den Kanton Bern auch ein Blick über den Ärmelkanal lohnen: Entgegen dem OECD-Trend konnte England die Abnahme der Lesekompetenz stoppen. Beziehungsweise deutlich bremsen – und hat gleichzeitig die soziale Abhängigkeit des Bildungserfolges reduzieren können. England hat vor rund 15 Jahren einen Lehrplan eingeführt, der Fachwissen in den Vordergrund stellt, er löste einen Lehrplan ab, welcher den Fokus auf Kompetenzen legt, wie er in Kontinentaleuropa üblich ist. Möglich, dass sich das nun in den PISA-Ergebnissen zeigt.

Die Forschung nennt eine Vielzahl von Gründen für die Abnahme der Lesekompetenz. Der Neurowissenschaftler Jared Cooney Horvath wiederum vermutet die Abnahme in der Digitalisierung der Schule, wie er jüngst in einem US-Senatsausschuss aussagte: Die Lernfähigkeit nehme ab, sobald digitale Technologien breit im Unterricht eingesetzt würden. Der Mensch sei nicht gemacht, von Bildschirmen zu lernen, sondern in der Interaktion mit anderen. Eine Studie der Universität Aspen wiederum betont die Wichtigkeit des Seitenumblätterns beim Speichern von gelesener Information.

Der Kanton Bern versuche bei der Forschung auf dem neustens Stand zu bleiben. Schliesslich sei eine Abnahme der Lesekompetenz unserer Kinder in Niemandes Interesse, so Müller.

(text:csc/bild:unsplash-symbolbild)