9 Juli 2022

Viele Gesundheitsprobleme bei Busfahrerinnen und -fahrern in der Schweiz

Busfahrerinnen und Busfahrer haben oft Gesundheitsprobleme. Hauptbeschwerden sind Muskelschmerzen an Schultern und Nacken, RĂŒckenschmerzen, ĂŒbermĂ€ssige Erschöpfung und Schlafstörungen. Fast ein Drittel setzt sich auch nicht fit ans Steuer.

Das geht aus einer Gesundheitsumfrage im öffentlichen Verkehr hervor, welche die Gewerkschaften SEV, Syndicom, VPOD sowie das UniversitÀtszentrum Unisanté aus Lausanne am Samstag veröffentlichten.

Demnach lebten lediglich 3,9 Prozent beschwerdefrei. Mehr als jede und jeder Zweite (57 Prozent) klagte ĂŒber Muskelschmerzen im Schulter- und Halsbereich. 50 Prozent litten unter RĂŒckenschmerzen. 43 Prozent hatten Schlafprobleme und 42 Prozent Stress. Gereizt fĂŒhlten sich 35 Prozent der Befragten und 33 Prozent hatten Kopfschmerzen.

Fast ein Drittel von ihnen setzte sich auch hinters Steuer, wenn sie sich nicht wohlfĂŒhlten. Erschöpfung und Kopfschmerzen tragen den Angaben zufolge auch zu UnfĂ€llen bei, welche im Vergleich zur frĂŒheren Befragung 2018 auch 2022 zunahmen.

UnisantĂ©, das UniversitĂ€tszentrum fĂŒr Allgemeinmedizin und öffentliche Gesundheit in Lausanne, geht davon aus, dass aufgrund des hohen Anteils recht besonderer Gesundheitsprobleme ein Anteil der Arbeitsbedingungen an den Beschwerden anzunehmen ist. So wurde nachgewiesen, dass die Vibrationen, denen der Körper der Fahrerinnen und Fahrer tĂ€glich ausgesetzt sind, RĂŒckenschmerzen verursachen.

Die Umfrage diente auch der Bewertung gewisser Erschwernisse. Dienste ĂŒber 10 Stunden aufgrund der UnterbrĂŒche der Fahrzeit finden 80 Prozent beschwerlich. Lange Arbeitszeiten ohne Zugang zu Toiletten landeten auf dem dritten Rang der Erschwernisse.

Zwar stellten die Gewerkschaften aufgrund der steigenden Zahl von Frauen eine gestiegene Zahl von Toiletten an den Wendepunkten fest. Enge FahrplÀne und aufgelaufene VerspÀtungen hielten aber viele vom Toilettenbesuch ab, so dass sie aufs Trinken verzichteten.

Das Verhalten der Velofahrer und die AggressivitĂ€t der anderen Verkehrsteilnehmer landeten auf den PlĂ€tzen zwei und vier der Beschwerdeliste. Abhilfe schaffen wĂŒrden Busspuren.

In der Covid-19-Pandemie waren ĂŒber 40 Prozent der Busfahrerinnen und -fahrer mit verkĂŒrzten Ruhezeiten konfrontiert, weil sie Kollegen ersetzen mussten. Besonders von Schmerzen der unteren und oberen Körperregionen betroffen waren ĂŒber 56-JĂ€hrige. Die Ergonomie der Sitze bezeichneten darum praktisch alle Befragten als wichtig.

Die Umfrage wurde zum dritten Mal nach 2010 und 2018 durchgefĂŒhrt. Die Gewerkschaften verschickten 4324 Fragebogen und erhielten 916 Antworten. UnisantĂ© wertete die Daten aus.

(text:sda/bild:unsplash-symbolbild)