17 April 2023

Verteidigung schliesst das Einwirken einer Drittperson nicht aus

Im Prozess zum T├Âtungsdelikt von Ostermundigen BE hat die Verteidigung am Montag bei der Verhandlung am Regionalgericht Bern-Mittelland einen Freispruch verlangt. Dem 23-j├Ąhrigen Angeklagten wird vorgeworfen, eine 20-j├Ąhrige Frau get├Âtet zu haben.

Der Beschuldigte sei zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen, sagte der amtliche Verteidiger. Gem├Ąss den Einvernahmen des Angeklagten durch die Polizei sei er am Tag der Tat f├╝r einen Moment nicht in der Wohnung gewesen. Er sei aus dem Wohnblock gegangen und habe sich dort am fr├╝hen Abend f├╝r rund 45 Minuten aufgehalten.

Somit gebe es ein Zeitfenster, in welchem eine Drittperson in die Wohnung eingedrungen sei und die Frau get├Âtet haben k├Ânnte. Es w├╝rden keine Beweise vorliegen, die den Angeklagten f├╝r den Tod des Opfers verantwortlich machten. Das Motiv f├╝r die T├Âtung sei f├╝r eine derartige Tat nicht gegeben, sagte der Verteidiger.

Der Angeklagte habe bei seiner R├╝ckkehr in die Wohnung die Bewusstlosigkeit oder den Tod der Frau festgestellt. Er habe seine Spuren verwischen wollen, damit er nicht als mutmasslicher T├Ąter verfolgt werde. Er habe anschliessend die Wohnung mit dem Laptop der Frau verlassen.

Das sei kein Raub gewesen, sagte der Verteidiger. Dieser Laptop habe die Frau dem Angeklagten ausleihen wollen. Das Passwort habe er gekannt. Also sei dar├╝ber gesprochen worden.

Der zweite Verteidiger verlangte keinen Freispruch, sondern versuchte, den Todeshergang zu rekonstruieren. F├╝r ihn sei klar, dass der Tod durch Ertrinken in der Badewanne verursacht worden sei, und dass es einen Streit gegeben habe, bei welchem der Angeklagte das Opfer gew├╝rgt habe. F├╝r die Verteidigung sei jedoch unklar, was zwischen dem W├╝rgevorgang und dem Tod durch Ertrinken geschehen sei.

Der Verteidiger schilderte neun Versionen, welche f├╝r ihn mit den bekannten Fakten m├Âglich sind. Die eine Version lautete, dass das Opfer nach dem W├╝rgen ins Badezimmer gegangen sei und dort in der Badewanne verstorben sei. Er wisse aber selber nicht welche Version stimme. Er k├Ânne sich nicht erkl├Ąren, wieso der Beschuldigte das Opfer nackt in die Badewanne gelegt habe.

Zu entscheiden, welche Variante stimme, sei nicht seine Aufgabe, schloss der Verteidiger.

(text:sda/bild:sda)