16 September 2022

Vermisstenbeauftragter: Grabfunde in Isjum kein neues Butscha

Bei den Leichenfunden in der befreiten ostukrainischen Kleinstadt Isjum handelt es sich Aussagen des ukrainischen Vermisstenbeauftragten zufolge nicht um ein Massengrab, sondern um viele EinzelgrÀber.

„Ich möchte das nicht Butscha nennen – hier wurden die Menschen, sagen wir mal, zivilisierter beigesetzt“, sagte Oleh Kotenko dem TV-Sender Nastojaschtschee Wremja in der Nacht zum Freitag.

Ende MĂ€rz waren in dem Kiewer Vorort Butscha nach dem Abzug russischer Truppen Hunderte getötete Zivilisten teils mit Folterspuren gefunden worden. Butscha gilt seitdem als Symbol fĂŒr schwerste Kriegsverbrechen im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, der am 24. Februar begann.

Die Menschen in Isjum wiederum seien wohl gestorben, als Russlands Truppen die Stadt im Zuge der Eroberung Ende MĂ€rz heftig beschossen hĂ€tten, sagte Kotenko. „Die Mehrzahl starb unter Beschuss, wir haben das den Daten nach bereits verstanden: Die Menschen kamen um, als sie (die Russen) die Stadt mit Artillerie beschossen“, sagte Kotenko. Die Bestattungsdienste hĂ€tten zum Teil nicht gewusst, wer die vielen toten Menschen seien. Deshalb stĂŒnden auf einigen Kreuzen nur Nummern. Derzeit bemĂŒhten sich die Behörden, ein Register mit den Fundorten der Leichen zu finden.

Am Donnerstagabend war der Fund eines Friedhofs mit mehr als 440 GrĂ€bern bekannt geworden. Darunter war dem Internetsender Hromadske zufolge auch ein Massengrab, in dem bis zu 25 getötete ukrainische Soldaten liegen. Fotos zeigen Kreuze in einem WaldstĂŒck mit Nummern. PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj sprach in einer ersten Reaktion von einem „Massengrab“, verwies aber zugleich auf weitere Ermittlungen.

Isjum war Ende MĂ€rz von den russischen Truppen erobert worden. In der vergangenen Woche wurden diese unter dem Druck ukrainischer Gegenoffensiven von dort wieder vertrieben.

(text:sda/bild:unsplash)