27 MĂ€rz 2023

Verkehrsstreik legt Bahnen, Busse und FlughÀfen in Deutschland lahm

Seit Mitternacht stehen Bahnen und Busse still, Flugzeuge sind am Boden geblieben. Mit einem bundesweiten Warnstreik machen die Gewerkschaften EVG und Verdi Druck in ihren Tarifverhandlungen. Vom 24-stĂŒndigen Ausstand sind Millionen von Menschen betroffen.

Der Verkehr mit ZĂŒgen, Bussen und Flugzeugen in Deutschland ist am Montagmorgen weitgehend zum Erliegen gekommen. Seit Mitternacht lĂ€uft ein grosser Warnstreik der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und der Gewerkschaft Verdi. Von dem 24-stĂŒndigen Arbeitskampf sind Millionen Berufspendler und Reisende sowie weite Teile des GĂŒterverkehrs betroffen. In Folge der Arbeitsniederlegungen werden erhebliche AusfĂ€lle und Staus im Verkehr erwartet.

Auf der Schiene ist der Fernverkehr komplett und der Regionalverkehr grösstenteils eingestellt. Bestreikt werden nahezu sÀmtliche deutsche FlughÀfen. Wasserstrassen und HÀfen sowie die Autobahngesellschaft sind ebenfalls betroffen. In sieben BundeslÀndern wird zudem der öffentliche Nahverkehr bestreikt.

Mit den ganztÀgigen Warnstreiks wollen Verdi und EVG den Druck in ihren Tarifverhandlungen erhöhen. Parallel zum Ausstand kommen an diesem Montag Gewerkschaften und Arbeitgeber im öffentlichen Dienst wieder zu GesprÀchen zusammen. Bei der EVG stehen weitere Verhandlungen mit der Deutschen Bahn und anderen Bahnunternehmen erst spÀter an.

Verdi-Chef Frank Werneke betonte: „Mit dem Streiktag im Verkehrsbereich soll den Arbeitgebern noch einmal unmissverstĂ€ndlich klargemacht werden, dass die BeschĂ€ftigten eindeutig hinter unseren Forderungen stehen.“

Zu VorwĂŒrfen der Arbeitgeberseite, die Warnstreiks belasteten die Verhandlungen, sagte Werneke: „Als Belastung empfinden die BeschĂ€ftigten des öffentlichen Dienstes bis hin in die mittleren Einkommensgruppen vor allem die enormen Preissteigerungen fĂŒr Strom, Gas und Lebensmittel.“

Schweizer FlughĂ€fen und die SBB raten davon ab, am Montag nach Deutschland zu reisen. Wie eine Mediensprecherin des Flughafens ZĂŒrich-Kloten am Sonntag auf Anfrage sagte, sind die meisten FlĂŒge in Richtung Deutschland verschoben und die Passagiere auf andere FlĂŒge verteilt worden.

Die Fluggesellschaft Swiss hatte schon am Freitag bekannt gegeben, sie streiche wegen des Streiks des Verkehrspersonals in Deutschland am Sonntag sĂ€mtliche FlĂŒge zwischen der Schweiz und MĂŒnchen. Am Montag wĂŒrden alle Verbindungen nach MĂŒnchen und Frankfurt annulliert. Die FlĂŒge nach Berlin seien dagegen vom Ausstand nicht betroffen und fĂ€nden wie geplant statt.

Die SBB ersetzen wegen des Bahnstreiks in Deutschland zahlreiche grenzĂŒberschreitende ZĂŒge – allerdings nur in der Schweiz selbst. Von Reisen ins nördliche Nachbarland am Montag raten sie ab. Zu einzelnen AusfĂ€llen werde es bereits am Sonntag und auch noch am Dienstag kommen, sagte eine Sprecherin bereits am vergangenen Donnerstag.

Die EVG bestreikt den Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr. Der Fernverkehr wird eingestellt, der Regionalverkehr grösstenteils zumindest zu Streikbeginn. Ob am Nachmittag im Regionalverkehr einzelne Linien aufgenommen werden, hĂ€ngt laut Deutscher Bahn vom Streikverlauf ab. Auswirkungen dĂŒrften auch am Dienstag zu spĂŒren sein. FahrgĂ€ste, die fĂŒr Montag oder Dienstag eine Reise gebucht haben, können das Ticket laut Bahn bis 4. April flexibel nutzen. Platzreservierungen könnten kostenlos storniert werden.

Die FlughĂ€fen werden von Verdi weitgehend bestreikt. 380’000 GeschĂ€fts- und Privatreisende mĂŒssen laut Flughafenverband ADV am Boden bleiben. Betroffen ist auch der grösste Airport in Frankfurt, aber auch der Flughafen MĂŒnchen, der bereits am Sonntag den Betrieb eingestellt hat. Der Hauptstadtflughafen BER war nicht direkt von dem Warnstreik betroffen. Da aber fast alle anderen deutschen FlughĂ€fen bestreikt werden, waren dort alle innerdeutschen FlĂŒge gestrichen.

Erneut soll der Nahverkehr in den BundeslĂ€ndern bestreikt werden, die direkt an den Tarifvertrag fĂŒr den öffentlichen Dienst angebunden sind. Das sind Baden-WĂŒrttemberg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen. Gestreikt werden soll zudem in Bayern, wo ein Tarifvertrag Nahverkehr verhandelt wird. Aus mehreren LĂ€ndern hiess es, SchĂŒlerinnen und SchĂŒler dĂŒrften zuhause bleiben, wenn sie nicht zur Schule kommen können.

Verdi und der Beamtenbund dbb verhandeln in Potsdam mit dem Bund und den Kommunen in der dritten Runde fĂŒr 2,5 Millionen BeschĂ€ftigte. Beide Seiten sind noch weit voneinander entfernt, eine Einigung in den nĂ€chsten Tagen ist aber nicht ausgeschlossen.

Der Chef des Beamtenbunds dbb, Ulrich Silberbach, warnte vor einer Ausweitung der ArbeitskĂ€mpfe. „Entweder wir hauen den Knoten durch und finden eine Einigung, oder wir stehen vor einer weiteren Eskalations- und Streikwelle“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Hintergrund der ArbeitskÀmpfe sind verschiedene Tarifkonflikte. Bei der EVG stehen weitere GesprÀche mit verschiedenen Bahnunternehmen ab Mitte der Woche an. Mit der Deutschen Bahn soll erst nach Ostern weiterverhandelt werden.

An FlughĂ€fen sind KommunalbeschĂ€ftigte des öffentlichen Dienstes einbezogen, es geht aber auch um örtliche Verhandlungen fĂŒr Bodenverkehrsdienste sowie bundesweiten GesprĂ€che fĂŒr die Luftsicherheit. Bei Arbeitgebern stiess das koordinierte Vorgehen auf heftige Kritik – als reiner Warnstreik seien die AusstĂ€nde fĂŒr die Bevölkerung so nicht mehr zu erkennen.

(text:sda/bild:unsplash)