26 Februar 2024

Verdacht auf Cholera: 2000 KreuzfahrtgÀste sitzen auf Schiff fest

Vor der ostafrikanischen Insel Mauritius sitzen mehr als 3000 Menschen wegen des Verdachts auf einen möglichen Cholera-Ausbruch an Bord eines Kreuzfahrtschiffs fest. Nach einer Reihe von Magen-Darm-Erkrankungen an Bord der „Norwegian Dawn“ verweigerten die Behörden in Mauritius dem Schiff das fĂŒr Sonntag geplante Anlegen im Hafen der Hauptstadt Port Louis, nachdem zuvor schon die französische Insel La RĂ©union das Schiff abgewiesen hatte. Das sĂŒdliche Afrika erlebt derzeit einen der schwersten Cholera-AusbrĂŒche seit Jahren.

Ein Grossteil der 2184 Passagiere sollte eigentlich am Sonntag die Heimreise antreten. Zugleich hĂ€tten ursprĂŒnglich 2279 neue Reisende in Port Louis an Bord gehen sollen, teilte die Hafenbehörde mit. Ausserdem sind 1026 Besatzungsmitglieder auf dem Schiff. Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums nahmen am Sonntagmorgen Proben von rund 15 Menschen an Bord. Mit dem Ergebnis der Untersuchung wird am Dienstag gerechnet. Nach Angaben aus Behördenkreisen sollen mindestens 14 Passagiere sowie ein Besatzungsmitglied an Durchfall und Erbrechen leiden. Sie seien in ihren Zimmern isoliert.

Die US-amerikanische Reederei Norwegian Cruise Line teilte mit, dass bei einer kleinen Anzahl von GĂ€sten der „Norwegian Dawn“ auf der zwölftĂ€gigen Fahrt von SĂŒdafrika leichte Symptome einer Magenerkrankung aufgetreten seien. „Aufgrund zusĂ€tzlicher Tests, die von den örtlichen Behörden vor der Einreise verlangt werden, hat die Regierung von Mauritius die Ausschiffung fĂŒr die aktuelle Kreuzfahrt und die Einschiffung fĂŒr die nĂ€chste Kreuzfahrt um zwei Tage auf den 27. Februar 2024 verschoben.“

In einem auf Sonntag datierten Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, informierte der KapitĂ€n die Passagiere darĂŒber, dass sie das Schiff in Port Louis zunĂ€chst nicht verlassen wĂŒrden. Die Reederei bietet Hotlines fĂŒr ihre GĂ€ste an, um Fragen nach der Umbuchung der weiteren Heimreise zu klĂ€ren. Die auf Mauritius gestrandeten GĂ€ste wiederum sollen demnach kostenlose HotelĂŒbernachtungen erhalten. Man habe die Hygienemassnahmen an Bord erhöht und ergreife alle notwendigen Massnahmen, um die GĂ€ste, die Besatzung und die Reiseziele zu schĂŒtzen, teilte die Reederei weiter mit.

Nach Angaben der Reederei hat die 2002 in der deutschen Meyer Werft im niedersĂ€chsischen Papenburg gebaute „Norwegian Dawn“ Platz fĂŒr bis zu 2340 GĂ€ste und 1032 Besatzungsmitglieder an Bord. Sie war am 13. Februar in SĂŒdafrika auf ihre Reise via Madagaskar nach La RĂ©union und Mauritius aufgebrochen. Anschliessend sollte die „Norwegian Dawn“ mit den neuen Passagieren nach SĂŒdafrika zurĂŒckkehren.

Am Freitag verweigerten bereits die Behörden der französischen Insel La RĂ©union aufgrund der Magen-Darm-Erkrankungen dem Schiff den Hafen. Sowohl die französische Regierung als auch die regionale Gesundheitsbehörde der Insel hielten die gesundheitliche Situation an Bord des Schiffes fĂŒr unbefriedigend.

Die Behörden hĂ€tten vorgeschlagen, Mediziner an Bord zu schicken und Tests durchzufĂŒhren. Daraufhin habe die Reederei entschieden, den nur fĂŒr wenige Stunden geplanten Zwischenstopp abzubrechen und direkt nach Mauritius weiterzufahren, erklĂ€rte die PrĂ€fektur der Insel. Die Hafenbehörde in Mauritius bestĂ€tigte, dass die „Norwegian Dawn“ aufgrund des ausgelassenen Halts bereits am Samstagabend gegen 18.00 Uhr Mauritius erreichte.

Passagiere des Kreuzfahrtschiffs reagierten unterschiedlich auf die Situation. „Es ist alles normal und wir haben Spass“, sagte ein mauritischer Gast der dpa, kritisierte aber mangelnde Kommunikation an Bord und seitens des Reiseveranstalters.

Ein Ehepaar von der Insel La RĂ©union, das in Kapstadt an Bord gegangen war, bemĂ€ngelte ebenfalls die Kommunikation. „Kaum hatten wir Kapstadt verlassen, mussten sie wissen, dass es ein Problem gab. Das Buffet war verschwunden. Man bediente uns mit Handschuhen. Es gab GerĂŒchte ĂŒber Gastroenteritis“, erzĂ€hlte der Ehemann der dpa. „Wir wollten am Samstag in La RĂ©union aussteigen. Am Morgen sagte man uns, dass das Schiff stattdessen nach Mauritius fahren wĂŒrde. Wir waren ein wenig besorgt. Schliesslich dachten wir, dass wir in Mauritius aussteigen und nach La RĂ©union zurĂŒckfliegen wĂŒrden. Da erfuhren wir plötzlich, dass die Gesundheitsbehörden an Bord kommen wĂŒrden. Erst sehr spĂ€t erwĂ€hnten sie den Verdacht auf einen Cholera-Ausbruch.“

Cholera wird durch ein Bakterium ausgelöst, das im Darm ein Gift bildet. Verbreitet wird es vor allem durch verunreinigtes Trinkwasser sowie verunreinigte Lebensmittel. Viele Infektionen verlaufen symptomlos, jedoch kann in schweren FĂ€llen der starke FlĂŒssigkeits- und Salzverlust binnen Stunden zu Kreislaufkollaps, MuskelkrĂ€mpfen bis hin zu Schock und Tod fĂŒhren.

Das sĂŒdliche Afrika erlebt seit Monaten einen der schlimmsten Cholera-AusbrĂŒche seit Jahren. In den 13 betroffenen LĂ€ndern wurden bis Mitte Januar etwa 200 000 KrankheitsfĂ€lle und mehr als 3000 TodesfĂ€lle gemeldet. Mauritius war in höchster Alarmbereitschaft, da auf den Komoren FĂ€lle aufgetreten waren.

(text:sda/bild:unsplash)