USA und Iran attackieren sich erstmals seit Wochen wieder
Erstmals seit Ende Juli haben die US-Streitkräfte wieder Ziele im Iran angegriffen. Das für die Region zuständige US-Militärkommando Centcom informierte in der Nacht auf der Plattform X über „begrenzte, gezielte Massnahmen“ gegen Minenlege-Einheiten der iranischen Revolutionsgarden, die eine unmittelbare Bedrohung in der Strasse von Hormus dargestellt hätten. Der Iran reagierte umgehend mit Vergeltungsangriffen auf zwei Stützpunkte des US-Militärs in Jordanien. Die Raketen wurden laut jordanischen Angaben jedoch abgefangen.
Die USA nahmen zwei Raketenabschussrampen auf der Insel Larak ins Visier, wie das Nachrichtenportal „Axios“ sowie die Sender Fox News und CBS News unter Berufung auf einen US-Beamten berichteten. Mitglieder der Revolutionsgarden seien dabei beobachtet worden, wie sie Raketen mit Seeminen in die Strasse von Hormus abfeuern wollten, wurde ein Centcom-Sprecher zitiert. Die Insel Larak liegt nahe der Meerenge, um deren Kontrolle die USA und der Iran seit Monaten erbittert ringen.
Die mächtigen Revolutionsgarden teilten in einer von mehreren iranischen Nachrichtenagenturen verbreiteten Erklärung mit, die kombinierte Drohnen- und Raketenattacke auf zwei US-Stützpunkte in Jordanien sei Vergeltung für den US-Angriff auf Larak. Laut der iranischen Agentur Tasnim wurden bei dem US-Angriff auf die Insel zwei Menschen getötet und zwei weitere verletzt. Bei dem iranischen Gegenangriff sei technische Infrastruktur zerstört worden, hiess es.
Dagegen berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Petra unter Berufung auf das Militär, das Königreich habe acht in den Luftraum eingedrungene Raketen abgefangen und zerstört, bevor sie eine Gefahr für Bürger oder Eigentum hätten werden können. Der US-Sender CNN zitierte einen US-Beamten, der das bestätigte. Es seien bislang keine Einschläge gemeldet worden, sagte er.
Centcom teilte weiter mit, das US-Militär habe eine vom Iran geschaffene Bedrohung beseitigt, um zivile Seeleute, die Handelsschifffahrt und den freien Warenverkehr zu schützen. Die Behauptung der Revolutionsgarden, die US-Angriffe seien ein „Akt der Aggression“ gewesen, sei „absolut FALSCH“.
Kurz zuvor hatte die britische Behörde zur Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO) mitgeteilt, in der Strasse von Hormus sei erneut ein Tanker angegriffen worden. Das Schiff sei vor der Küste des Omans von einem unbekannten Geschoss getroffen worden. Derzeit lägen keine Berichte über Verletzte oder Umweltschäden vor, hiess es. Wer für den Angriff verantwortlich war, blieb unklar.
Der Iran blockiert mit seinen Drohungen und Angriffen auf Schiffe den Verkehr durch die Meerenge immer noch weitestgehend. Die Strasse von Hormus ist eine wichtige Passage für Öl-, Gas- und Düngerexporte aus den Staaten am Persischen Golf. Der Krieg hat deshalb Folgen für die ganze Weltwirtschaft und die Meerenge zum zentralen Streitpunkt zwischen den USA und dem Iran werden lassen. Vor Beginn des Krieges im Februar war die Strasse von Hormus für den Schiffsverkehr offen gewesen.
Erst vor wenigen Tagen hatte US-Präsident Donald Trump dem Iran erneut mit der Zerstörung jeglicher Schiffe und Boote gedroht, die in der Strasse von Hormus Seeminen verlegen. Er verwies auf eine „Null-Toleranz-Politik“ bei der Verminung der Meerenge, nachdem er bereits Mitte April ähnliche Drohungen ausgesprochen hatte.
Trump liess zudem wissen, dass ihn sein Militär darüber informiert habe, dass alle Minen aus der Strasse von Hormus entfernt oder gesprengt worden seien. Diesen Stand hatte der Republikaner bereits Mitte August genannt, als er darauf verwies, dass die Strasse von Hormus angeblich vollständig geöffnet sei. Doch auch knapp anderthalb Monate danach liegt der Schiffsverkehr weiter deutlich unter dem Vorkriegsniveau.
Trump hatte die US-Angriffe auf den Iran Ende Juli vorerst aussetzen lassen – mit der Begründung, laufenden Verhandlungen über die Strasse von Hormus und das iranische Atomprogramm eine weitere Chance geben zu wollen. Zwei Tage später wurden neue Angriffe des US-Militärs im Iran gemeldet. Anfang August sagte er dann weitere geplante Angriffe auf den Iran ab und begründete seine Entscheidung damit, dass der Iran und andere Länder in der Region darum gebeten hätten, von neuen Attacken abzusehen, da es nun „Umrisse einer Einigung“ gebe.
Zuletzt war es in Trumps Krieg gegen den Iran ruhig geworden. Sowohl militärisch, aber auch auf diplomatischer Ebene wurden keine Fortschritte bekannt. Zwar behauptete der Republikaner seither bei vielen öffentlichen Auftritten, dass Teheran bezwungen worden und die für den weltweiten Ölhandel wichtige Meerenge geöffnet sei. Dem widerspricht aber die Tatsache, dass auch weiterhin – wie schon seit Monaten – nur wenige Schiffe durch die Strasse von Hormus fahren.
Zuletzt rief Trump dann einen „Wirtschaftskrieg“ gegen den Iran aus und liess sein Finanzministerium vereinzelte Sanktionen gegen bestimmte Personen und Unternehmen verkünden, wie sie bereits seit Wochen immer wieder veröffentlicht werden. Konkrete, tiefgreifende Massnahmen, die die Einnahmequellen des Machtapparats in Teherans tatsächlich nachhaltig versiegen lassen würden, fehlen allerdings nach wie vor.
Derweil dementierte das US-Verteidigungsministerium zumindest in Teilen einen Bericht, wonach mehrere hochrangige US-Militärs vor einer Verlängerung des US-Einsatzes gegen den Iran warnen. „Vieles davon ist schlichtweg falsch“, schrieb Pentagon-Sprecher Sean Parnell auf der Plattform X. Er betonte, dass die Veröffentlichung streng geheimer Lageberichte ein „Verbrechen“ sei.
Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur erklärte Parnell, der Artikel sei „ein schlecht recherchierter Bericht voller Ungenauigkeiten“. Zu internen operativen Abläufen oder bestimmten Risikobewertungen wolle er sich nicht öffentlich äussern.
Zuvor hatte die „Washington Post“ unter Berufung auf mit einem geheimen Dokument vertraute Personen berichtet, dass mehrere hochrangige US-Militärs Verteidigungsminister Pete Hegseth darauf hingewiesen hätten, dass eine Verlängerung grossangelegter Operationen gegen den Iran nicht tragbar sei. Die Fähigkeiten der Streitkräfte, Bedrohungen auch in der Heimat abzuwehren, könnten dadurch eingeschränkt werden, schrieb die Zeitung. Sie berief sich auf das sogenannte Secretary of Defense Orders Book – eine Übersicht über die weltweite Verfügbarkeit von US-Kriegsschiffen, Flugzeugen, Personal und Waffensystemen.
(text:sda/bild.keystone)