25 Januar 2023

USA liefern der Ukraine Abrams-Kampfpanzer

Nur Stunden nach der deutschen Zusage von Leopard-Panzern f├╝r Kyjiw hat die US-Regierung angek├╝ndigt, der Ukraine 31 Kampfpanzer vom Typ M1 Abrams zu liefern. Dies werde es Kyjiw erm├Âglichen, sich angesichts des russischen Angriffskriegs besser zu verteidigen, sagte ein ranghoher Mitarbeiter des Weissen Hauses am Mittwoch. Die 31 Panzer entspr├Ąchen der Ausstattung eines ukrainischen Panzerbataillons. Die ukrainischen Streitkr├Ąfte sollen schon bald in der Nutzung und Wartung des US-Panzers geschult werden.

Die US-Regierung bestellt die Panzer demnach bei der Industrie, weswegen noch unklar war, wann diese in der Ukraine ankommen w├╝rden. „Wir sprechen hier ├╝ber Monate, nicht Wochen“, sagte eine ranghohe Beamtin der US-Regierung. Die Ank├╝ndigung der Lieferung am gleichen Tag wie jene aus Berlin demonstriere, dass „die Vereinigten Staaten und Europa weiter geschlossen zusammenarbeiten, um die Ukraine zu unterst├╝tzen“, sagte sie weiter. Washington wisse Deutschlands Zusage der Leopard-Panzer f├╝r Kyjiw sehr zu sch├Ątzen. „Es ist wirklich bemerkenswert, wenn man zur├╝ckblickt auf die ausserordentlichen Ver├Ąnderungen der deutschen Sicherheitspolitik in den vergangenen zw├Âlf Monaten“, sagte sie weiter. „Fast ein Jahr nach Kriegsbeginn ist das ein beeindruckendes Signal der Einigkeit.“

Die Beamten der US-Regierung machten keine Angaben dazu, welches genaue Modell der M1-Abrams-Panzer die Ukraine bekommen soll. Auch zur Lieferung der dazugeh├Ârigen Munition wollten sie zun├Ąchst keine Details nennen. Zum Lieferumfang w├╝rden aber in jedem Fall auch Bergepanzer vom Typ M88 geh├Âren. Es gehe darum, sicherzustellen, dass die ukrainischen Streitkr├Ąfte die Panzer langfristig eigenst├Ąndig einsetzen k├Ânnten, hiess es. Die Abrams-Panzer seien ein technisch komplexes Waffensystem, weswegen sie f├╝r die Ukraine eine gr├Âssere Herausforderung als manche andere Systeme darstellten. „Es ist der beste Panzer der Welt, aber auch der anspruchsvollste“, sagte der leitende US-Beamte in einem telefonischen Briefing f├╝r Journalisten.
Die Ukraine fordert seit Monaten Kampfpanzer westlicher Bauart. Die USA hatten bisher darauf gepocht, die Bereitstellung ihrer Abrams aus praktischen Gr├╝nden nicht f├╝r sinnvoll zu halten. Die US-Panzer m├╝ssten ├╝ber den Atlantik transportiert werden, die Instandhaltung sei aufwendiger, und sie verbrauchten zu viel Treibstoff, hiess es bisher. Die Panzer schlucken ausserdem das Flugzeugbenzin Kerosin, nicht wie der Leopard und viele Gef├Ąhrte der Ukrainer Diesel. „Es macht einfach keinen Sinn, den Ukrainern dieses Mittel zum jetzigen Zeitpunkt zur Verf├╝gung zu stellen“, hatte eine Pentagon-Sprecherin noch vergangene Woche gesagt.

Auf eine Frage nach dem Sinneswandel in Bezug auf die Panzer betonte der Vertreter der US-Regierung, dass es darum gehe, der Ukraine milit├Ąrische Hilfe zur Verf├╝gung zu stellen, die jeweils auch zum Verlauf des Kriegs passe. Angesichts der K├Ąmpfe an der Front im ostukrainischen Donbass und den zu erwartenden Kampfhandlungen dort „auf offenem Gebiet“, seien verschiedene Panzer besonders wichtig.

Zuvor hatte die Bundesregierung in Berlin nach wochenlangem Hin und Her mitgeteilt, 14 deutsche Leopard-Kampfpanzer an die Ukraine liefern zu wollen. Ziel sei es, rasch zwei Panzer-Bataillone mit Leopard-2-Panzern zusammenzustellen, hiess es in Berlin. Europ├Ąische Partner w├╝rden ihrerseits daf├╝r Panzer zur Verf├╝gung stellen.
Zuletzt hatte es auch Berichte gegeben, wonach Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) eine Zusage der Amerikaner zu Abrams-Panzern f├╝r die Lieferung deutscher Kampfpanzer zur Bedingung gemacht habe. Berlin und Washington hatten diese Berichte zur├╝ckgewiesen. Allerdings hatte Scholz auch immer betont, dass er bei der Bereitstellung qualitativ neuer Waffensysteme nur gemeinsam mit den USA handeln wolle.

In dem Briefing vermied die leitende Beamte eine direkte Antwort auf die Frage, ob Deutschland auf die Lieferung der US-Panzer bestanden habe. Sie betonte, es habe in der Frage der Panzer-Lieferungen „konstante und andauernde Gespr├Ąche mit den Deutschen und einigen europ├Ąischen Verb├╝ndeten“ gegeben.

Kampfpanzer sind schwer gepanzerte Fahrzeuge, die auf dem Schlachtfeld eine wichtige Rolle spielen. Neben dem Abrams und dem deutschen Leopard 2 gibt es zum Beispiel noch den britischen Challenger 2 oder den franz├Âsischen Leclerc. Der Abrams-Kampfpanzer ├Ąhnelt dem deutschen Leopard sehr. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen gesch├╝tzt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine H├Âchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde.

Im Zuge der Ukraine-Konferenz in Ramstein in Rheinland-Pfalz vergangene Woche hatte die US-Regierung der Ukraine gerade erst weitere milliardenschwere Milit├Ąrhilfen zugesagt. Das Paket im Umfang von etwa 2,5 Milliarden US-Dollar enth├Ąlt nach Pentagon-Angaben unter anderem 59 Sch├╝tzenpanzer vom Typ Bradley und erstmals 90 Radsch├╝tzenpanzer des Typs Stryker. Die USA gelten als wichtigster Verb├╝ndeter der Ukraine im Abwehrkampf gegen die russische Invasion und liefern zum Beispiel auch Mehrfachraketenwerfern vom Typ Himars.

(text:sda/bild:keystone)