28 Januar 2021

Ursache des Ju-52-Absturzes: „Hochriskante Flugf├╝hrung“ schuld

Die Ursache f├╝r den Absturz einer historischen Ju-52 vom 4. August 2018 bei Flims GR ist auf „hochriskante Flugf├╝hrung“ zur├╝ckzuf├╝hren. Das gab die Sust am Donnerstag bekannt. Bei dem Absturz kamen alle 20 Menschen an Bord ums Leben.

Als direkte Ursache f├╝r den Unfall nennt die schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) den Pilotenfehler. Die Piloten steuerten die Maschine demnach in geringer H├Âhe, ohne alternativen Flugweg und mit gef├Ąhrlich tiefer Geschwindigkeit in das enge Tal s├╝dwestlich des Piz Segnas.

Das Flugzeug geriet in Turbulenzen – ein in den Bergen immer zu erwartendes Ph├Ąnomen. Die Piloten verloren die Kontrolle und hatten keinen Raum mehr, die Maschine aufzufangen. Das Flugzeug st├╝rzte nahezu senkrecht in den Boden.

Weitere Faktoren trugen zum Absturz bei. Die Sust nennt einen zu weit hinten liegenden Schwerpunkt des Flugzeugs. Das war Folge einer mangelhaften Flugvorbereitung und eines Softwarefehlers der Ju-52.

Die Piloten der Ju-Air hatten sich im weiteren daran gew├Âhnt, Regeln f├╝r den sicheren Flugbetrieb nicht einzuhalten und gingen auch bei Fl├╝gen mit Passagieren hohe Risiken ein.

Der Betreiberverein Ju-Air erkannte wesentliche Risiken nicht. Verschiedene Voraussetzungen f├╝r den sicheren Betrieb waren seit l├Ąngerem nicht erf├╝llt. Das Bundesamt f├╝r Zivilluftfahrt erkannte als Aufsichtsbeh├Ârde zahlreiche Sicherheitsprobleme nicht. Die Ungl├╝cksmaschine selbst war technisch nicht in Ordnung, was sich jedoch nicht auf den Unfall auswirkte.

Die popul├Ąre Nostalgie-Maschine, im Volksmund „Tante Ju“ genannt, befand sich auf dem R├╝ckflug von Locarno-Magadino nach D├╝bendorf ZH, als sie gegen 17 Uhr oberhalb von Flims GR verungl├╝ckte. Das Flugzeug st├╝rzte ab an der Westflanke des Piz Segnas, auf 2540 Metern ├╝ber Meer.

Es sei nahezu senkrecht und mit relativ hoher Geschwindigkeit auf den Boden geprallt, sagte Daniel Knecht von der Sust einen Tag sp├Ąter in Flims vor den Medien. Handybilder best├Ątigten diese Aussage sp├Ąter. Der Absturzort liegt in der N├Ąhe des bekannten Martinslochs, das Teil der Glarner Haupt├╝berschiebung und Unesco-Weltnaturerbe-Gebiet ist.

20 Personen, 17 Passagiere sowie drei Besatzungsmitglieder, kamen ums Leben. Die beiden Piloten im Alter von 62 und 63 Jahren wurden als sehr erfahren beschrieben. Sie hatten w├Ąhrend ihrer jahrzehntelangen beruflichen T├Ątigkeit Kampfjets sowie Linienmaschinen gesteuert.

Das Flugzeug-Ungl├╝ck oberhalb von Flims war eines der schwersten in der Schweiz seit fast zwei Jahrzehnten. Im November 2001 waren bei einem Absturz eines Crossair Jumbolino bei Bassersdorf ZH 24 Menschen gestorben, neun ├╝berlebten.

Besitzerin der knapp 79-j├Ąhrigen Ungl├╝cksmaschine ist die Ju-Air, ein Verein, der in den 1980-er Jahren die drei von der Armee ausgemusterten Ju-52 ├╝bernahm. Der Flugbetrieb wurde zwar knapp zwei Wochen nach dem Ungl├╝ck wieder aufgenommen. Im November 2018 verf├╝gte die Sust ein Flugverbot. Seither hat keine Ju-52 des Vereins mehr abgehoben.

(SDA/Foto: SDA)

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