6 September 2022

Untersuchungsbericht: IAEA „schwer besorgt“ um ukrainisches AKW

Die Internationale Atomenergiebeh├Ârde (IAEA) fordert nach ihren ersten Untersuchungen im ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja dringende Massnahmen zur Verhinderung eines Atomunfalls. „Die IAEA ist weiterhin schwer besorgt ├╝ber die Lage“, schrieb IAEA-Chef Rafael Grossi am Dienstag in seinem Untersuchungsbericht. Die Situation sei „unhaltbar“.

Es sei daher dringend notwendig, eine nukleare Sicherheitszone rund um das von russischen Truppen besetzte AKW mit einzurichten, so Grossi. Alle an dem Konflikt beteiligten Seiten m├╝ssten sich darauf einigen, um noch schwerere Sch├Ąden durch Kampfhandlungen und den Austritt von Radioaktivit├Ąt zu verhindern.

Ein IAEA-Team unter Grossis F├╝hrung reiste vorige Woche nach monatelangen Verhandlungen und Vorbereitungen zu Europas gr├Âsstem Atomkraftwerk, um die Sicherheitslage zu analysieren und eine Pr├Ąsenz der Internationalen Atomenergiebeh├Ârde aufzubauen. Zwei IAEA-Experten sind nun permanent vor Ort.

In seinem Bericht berichtete Grossi unter anderem, das russische Panzerfahrzeuge in Turbinenhallen stationiert seien. Er forderte den Abzug der Ger├Ąte, da sie die Sicherheit der Anlage gef├Ąhrden k├Ânnten.

Durch den wiederholten Beschuss der Anlage, f├╝r den sich Kyjiw und Moskau gegenseitig verantwortlich machen, seien D├Ącher von Lagerst├Ątten f├╝r radioaktives Material besch├Ądigt worden. Ausserdem funktioniere ein Teil des Strahlungsmesssystems derzeit nicht.

Die Lage der ukrainischen Mitarbeiter des AKW, die seit Monaten unter russischer Besatzung ihren Dienst verrichten, sei ebenfalls unhaltbar, hiess es in dem Bericht. Es gebe zu wenig Personal. Die verbliebenen Experten seien so hohem Stress ausgesetzt, dass Bedienungsfehler passieren k├Ânnten. Sie h├Ątten auch nicht Zugang zu allen Teilen der Anlage.

Die IAEA ├Ąusserte Sorge ├╝ber die wiederholten Unterbrechungen der Stromversorgung f├╝r die K├╝hlung der Reaktorkerne und des Atomm├╝lls. Ausserdem hielt der Bericht fest, dass die Notfallzentrale des AKW wegen der russischen Besatzung nicht voll funktionsf├Ąhig sei und ├╝ber keine Internetverbindung verf├╝ge. Die Betriebsfeuerwehr sei nicht mehr direkt vor Ort, sondern in der nahen Stadt Enerhodar stationiert, hiess es.

(text:sda/bild:unsplash)