21 Februar 2022

Unternehmer gesteht Mitschuld an tödlichem Strassenbau-Unfall

Vier Beschuldigte stehen seit Montagmorgen wegen fahrl√§ssiger T√∂tung vor Bezirksgericht Appenzell. Sie sollen mitverantwortlich sein f√ľr einen Unfall, bei dem 2015 ein 27-J√§hriger Strassenarbeiters t√∂dlich verletzt wurde. Ein Beschuldigter gestand eine Mitschuld ein.

Die Verhandlung fand in der Aula Gringel in Appenzell statt und begann auf dem Vorplatz mit der Demonstration eines Wechselladekippers (Welaki).

Zum Ungl√ľck war es im November 2015 bei der Sanierung eines steilen Strassenst√ľcks gekommen. Hangaufw√§rts sollte hierzu Teer aus der Thermomulde eines Welaki in eine Strassenfertigungsmaschine gekippt werden. Der Baustellen-Polier und sein 27-j√§hriger Mitarbeiter hatten sich in die Mulde des Strassenfertigers begeben, um den Handschieber der Thermomulde zu √∂ffnen und den Teer herauszustochern.

Gleichzeitig fuhr der Chauffeur die Teleskoparme des Welaki etwas weiter aus, wodurch extreme Zugkr√§fte auf die Querbolzen der Thermokippmulde ausge√ľbt wurden. Diese gaben nach, die Mulde schwang in den Seilen h√§ngend nach hinten aus. Dabei wurde der 27-j√§hrige Mitarbeiter zwischen Thermomulde und Strassenfertigungsmaschine eingeklemmt und t√∂dlich verletzt.

Der Chauffeur des Welaki war zum Unfallzeitpunkt bereits pensioniert und nur noch stundenweise als Aushilfsfahrer engagiert. Weil er den Teleskoparm ausgefahren hat, obwohl die Thermomulde bereits senkrecht in den Kipphaken stand, habe er laut Anklage den Unfall wesentlich mitverursacht. Der Staatsanwalt forderte eine bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 60 Franken.

Sein Verteidiger hingegen pl√§dierte auf Freispruch, unter anderem weil das Ausfahren der Teleskoparme bei aufgestellter Mulde zwecks Aufstellen der Kipphaken zul√§ssig sei. Zum Unfall sei es nur gekommen, weil die Mulde nicht betriebssicher war. Dies k√∂nne dem Chauffeur aber nicht angelastet werden. „Der Betriebsleiter hat mir gesagt, der Lastwagen sei komplett abfahrbereit, darauf habe ich mich verlassen“, sagte der Chauffeur vor Gericht.

Vor Gericht unbestritten war der schlechte Zustand der Thermokippmulde, deren Querbolzen stark durchgerostet und besch√§digt waren. Die Staatsanwaltschaft verlangte f√ľr den Transportunternehmer eine bedingte Geldstrafe von 120 Tagess√§tzen √† 380 Franken. Sein Verteidiger bestritt zwar den Schuldspruch wegen fahrl√§ssiger T√∂tung nicht, pl√§dierte allerdings auf eine Strafmilderung aufgrund der rund sechsj√§hrigen Verfahrensdauer.

Die Genugtuungsforderungen der Witwe und der beiden S√∂hne des Verstorbenen von insgesamt 100’000 Franken wurden vom Verteidiger des Unternehmers ebenso wenig bestritten. Die Begehren der Eltern und der Geschwister des Verstorbenen seien hingegen zu wenig begr√ľndet.

Vor Gericht standen ausserdem der Polier, der sich zum Unfallzeitpunkt mit dem Unfallopfer in der Mulde der Strassenfertigungsmaschine befand, sowie der Maschinist des Strassenbaugeräts.

F√ľr sie forderte die Staatsanwaltschaft bedingte Geldstrafen von 100 Tagess√§tzen √† 330 Franken respektive von 60 Tagess√§tzen √† 220 Franken. Sie h√§tten es insbesondere unterlassen zu verhindern, dass sich Personen in der Mulde des Strassenfertigers und damit im Gefahrenbereich aufhielten, w√§hrend die Welaki-Teleskoparme bewegt wurden.

Die Verteidigung pl√§dierte auf Freispr√ľche. Die beiden Beschuldigten h√§tte nicht mit dem schlechten Zustand der Thermomulde rechnen m√ľssen. Die Verteidigerin des Poliers warnte davor, die Definition des Gefahrenbereichs im Nachhinein k√ľnstlich und durch die Brille des B√ľrolisten auszuweiten. Die Handklappe k√∂nne nur ge√∂ffnet werden, wenn man sich direkt hinter die Mulde begebe.

(text:sda/bild:unsplash-symbolbild)