3 Januar 2022

Unsicherheit vor dem Start ins neue Tennisjahr

Diese Woche beginnt in Australien die neue Tennis-Saison. Wie immer zu Beginn des Jahres gibt es mehr Fragen als Antworten. Aber der Blick auf 2022 ist ganz speziell von Unsicherheit geprÀgt.

Die Reise an die ersten Turnierorte fordert von den meisten Tenniscracks auch in “normalen” Jahren in der Familienzeit zwischen Weihnachten und Silvester etwas Überwindung. Nun machte die Corona-Pandemie zum zweiten Mal in Folge alles noch schwieriger. FĂŒr die Einreise nach Australien, wo alle wichtigen Turniere vom Januar stattfinden, mussten seitenweise Formulare ausgefĂŒllt werden, fĂŒr das Visum, fĂŒr die Einreise ins Land und in den jeweiligen Bundesstaat. Dazu kam je ein negativer Corona-Test vor der Abreise und nach der Ankunft in Australien.

Wie rasch das ganze Programm durcheinander kommen kann, mussten in den letzten Wochen einige Spielerinnen und Spieler erfahren, unter anderen viele die Anfang Dezember bei der Exhibition in Abu Dhabi dabei waren. Zu den sechs positiv getesteten Teilnehmern am Event gehörten auch Belinda Bencic und Rafael Nadal. Einmal in Australien angekommen beschrĂ€nkt sich das Reisen fĂŒr die Besten der Szene auf ein Minimum. In Sydney, Adelaide und Melbourne werden innerhalb von vier Wochen zwölf Einzel-Turniere durchgefĂŒhrt.

FĂŒr Bencic hat die neue Saison mit der Corona-Erkrankung unglĂŒcklich begonnen. Die Olympiasiegerin wurde in ihrer Vorbereitung unterbrochen und von ziemlich starken Symptomen heimgesucht, obwohl sie doppelt geimpft ist. Vor einem Jahr hatte ihre Vorbereitung auf das Australian Open bereits unter Corona gelitten, weil sie in einem australischen Hotel eine QuarantĂ€ne aussitzen musste.

Bencic startet nÀchste Woche in Sydney in die Saison. Von ihr wird nach dem fantastischen Olympiaturnier und der mÀssigen WTA-Saison einiges erwartet. Gerade bei den Grand-Slam-Turnieren will sie Àhnlich wie in Tokio durchstarten. Aus Schweizer Sicht ist sie derzeit die grösste Hoffnung auf ein Glanzresultat, auch wenn mit Viktorija Golubic und Jil Teichmann zwei weitere Spielerinnen in den Top 50 stehen.

Bei den MĂ€nnern dauern die Zwangspausen von Roger Federer und Stan Wawrinka seit Monaten an. Ihre RĂŒckkehr auf die Tour dĂŒrfte nicht vor dem FrĂŒhjahr erfolgen; das Australian Open kommt auf jeden Fall fĂŒr beide zu frĂŒh. Auch wenn sie bei ihren Comebacks auf Einladungen der Turniere zĂ€hlen können, erwartet die mehrfachen Majors-Sieger ein schwieriger Wiedereinstieg mit starken Gegnern bereits in den ersten Runden.

Ende Januar wird der 40-jĂ€hrige Federer in der Weltrangliste wohl aus den Top 30 fallen, der 36-jĂ€hrige Wawrinka nur noch einen Rang um die 150 belegen. Die wegen Corona lĂ€nger als ĂŒblich gezĂ€hlten Resultate fallen in den kommenden Monaten kontinuierlich aus der Wertung. Dadurch werden die Schweizer im nĂ€chsten Halbjahr in der Weltrangliste immer weiter nach hinten gedrĂ€ngt. Die letzten Punkte verliert Federer Mitte Juli.

Weil auch Rafael Nadal sich immer öfter mit körperlichen Problemen herumschlĂ€gt und Andy Murray nicht mehr zur ersten Garde gehört, musste zuletzt Novak Djokovic fast im Alleingang die Angriffe der JĂŒngeren abwehren. Ob das 2022 weiterhin so gut gelingt, ist fraglich. US-Open-Sieger Daniil Medwedew und Olympiasieger Alexander Zverev stehen bereit. Die hoffnungsvollsten jungen Schweizer werden noch etwas Zeit benötigen, um sich der Spitze anzunĂ€hern. Als Bester ist der 19-jĂ€hrige Berner Dominic Stricker die Nummer 246.

Im Schweizer MĂ€nnertennis sorgten die Erfolge der Junioren wĂ€hrend der Corona-Pandemie fĂŒr die wenigen Highlights im Schweizer MĂ€nnertennis. Ansonsten war die Zeit geprĂ€gt von den Verletzungen von Federer und Wawrinka sowie den Absagen der Swiss Indoors. Nun soll das Basler ATP-500-Turnier in der letzten Oktoberwoche endlich die 50. Austragung feiern. Die weiteren ATP- und WTA-Turniere in der Schweiz finden im Mai in Genf sowie im Juli in Lausanne und Gstaad statt.

(text:sda/bild:pexels)