17 November 2022

UN-Chef zur Klimakrise: „Welt brennt und ertrinkt“

Mit einem leidenschaftlichen Appell hat UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres die reichen Industriestaaten aufgefordert, Ă€rmere LĂ€nder in der Klimakrise stĂ€rker zu unterstĂŒtzen.

Nötig sei eine ehrgeizige und glaubwĂŒrdige Vereinbarung ĂŒber Ausgleichszahlungen fĂŒr deren KlimaschĂ€den, sagte er am Donnerstag auf der Weltklimakonferenz in Ägypten. „Die Zeit des Redens ĂŒber Verluste und SchĂ€den ist vorbei. Es muss gehandelt werden.“ Keiner könne das Ausmass der Krise rund um den Globus leugnen. „Die Welt brennt und ertrinkt vor unseren Augen.“

Mit Blick auf die zĂ€hen Verhandlungen der etwa 200 Staaten in Scharm el Scheich, die am Freitag enden sollen, sagte Guterres, es gebe einen Vertrauensverlust zwischen Nord und SĂŒd, zwischen entwickelten WirtschaftsmĂ€chten sowie Schwellen- und EntwicklungslĂ€ndern. „Aber dies ist nicht die Zeit, um mit dem Finger auf andere zu zeigen“, sagte er – es gehe schliesslich um die grösste Herausforderung der Menschheit. „Die Welt schaut zu und hat eine simple Botschaft: Macht weiter und liefert.“

Guterres forderte auch mehr Ehrgeiz beim Senken der klimaschĂ€dlichen Treibhausgase. Es gehe nicht darum, dass 1,5-Grad-Ziel am Leben zu erhalten, sondern Menschen das Überleben zu sichern. Zur klimaschĂ€dlichen Verbrennung von Öl, Gas und Kohle sagte er: „Die Expansion fossiler Energien nimmt die Menschheit als Geisel.“ Nur erneuerbare Energien seien „die Ausfahrt vom Highway zur Klimahölle“.

Mit teils scharfer Kritik hatten zuvor Umweltorganisationen und Dutzende Regierungsvertreter auf Eckpunkte fĂŒr die AbschlusserklĂ€rung des UN-Klimagipfels in Ägypten reagiert. In dem 20-seitigen Papier mit vielen ungeklĂ€rten Streitfragen wird zwar ein schrittweiser Ausstieg aus der klimaschĂ€dlichen Kohle eingefordert – aber nicht der Abschied von Öl und Gas. Ungelöst blieb am Donnerstag auf der COP27 auch die Streitfrage, ob arme Staaten von den Industriestaaten Ausgleichszahlungen bekommen fĂŒr unabwendbare Klima-SchĂ€den – etwa nach DĂŒrren, Überschwemmungen und StĂŒrmen.

(text:sda/bild:unsplash-symbolbild)