1 November 2023

Ukrainischer Oberbefehlshaber warnt vor Stellungskrieg

Mehr als 20 Monate nach der russischen Invasion sieht der ukrainische Oberkommandierende Walerij Saluschnyj sein Land in einem Stellungskrieg gefangen. Nur ein Technologiesprung k├Ânne daraus einen Ausweg ├Âffnen, schrieb der General in einem Beitrag f├╝r die britische Zeitschrift „The Economist“ vom Mittwoch. „Ein Stellungskrieg dauert lange und birgt enorme Risiken f├╝r die Streitkr├Ąfte der Ukraine und f├╝r den Staat.“ Stillstand auf dem Schlachtfeld helfe nur Russland, die Verluste seiner Armee auszugleichen.

Die Ukraine brauche insbesondere Flugzeuge, schrieb Saluschnyj. Die fehlende Deckung aus der Luft gilt als ein Grund, warum die Bodenoffensive der Ukrainer in diesem Sommer kaum vorangekommen ist. Mit den versprochenen Kampfjets vom Typ F-16 aus verschiedenen L├Ąndern kann Kiew erst im kommenden Jahr rechnen.

Verbesserte ukrainische Drohnen m├╝ssten das Fehlen von Kampfflugzeugen ausgleichen, folgerte der General. Der Schl├╝ssel zu einem Erfolg im Drohnenkrieg sei eine verbesserte elektronische Kampff├╝hrung, um russische Flugger├Ąte zu st├Âren und abzufangen. Russland sei in diesem Punkt ├╝berlegen.

Die ukrainische Armee m├╝sse auch besser ausgestattet werden, um russische Artilleriestellungen zu bek├Ąmpfen. „Derzeit haben wir Parit├Ąt mit Russland erreicht durch kleinere, aber genauere Feuerkraft. Doch das wird nicht andauern“, schrieb Saluschnyj. Weiter brauche die Ukraine moderne Ausr├╝stung zum Minenr├Ąumen, weil die russische Armee bis zu 20 Kilometer tiefe Mineng├╝rtel angelegt habe.

„Russland darf nicht untersch├Ątzt werden“, schrieb der Oberkommandierende. Der Gegner habe zwar viele Soldaten verloren und Pr├Ąsident Wladimir Putin scheue eine Generalmobilmachung. Aber auch die Ukraine habe Probleme, Reserven aufzubauen. Der Kreis der wehrpflichtigen M├Ąnner m├╝sse ausgeweitet werden.

Anders als bei der R├╝ckeroberung grosser Gebiete im vergangenen Jahr haben sich in diesem Sommer ukrainische Hoffnungen auf Gel├Ąndegewinne kaum erf├╝llt. Allerdings haben die ukrainischen Verteidiger Russlands Stellung auf der Krim geschw├Ącht und die russische Marine aus dem westlichen Schwarzen Meer vertrieben. Pr├Ąsident Wolodymyr Selenskyj und seine F├╝hrung halten an der Befreiung aller besetzten Gebiete als Kriegsziel fest.

(text:sda/bild:keystone)