4 Oktober 2022

Ukraine vermeldet weitere Erfolge bei Befreiungsoffensive

Die Ukraine vermeldet nach der v├Âlkerrechtswidrigen Annexion mehrerer Gebiete durch Russland weitere Erfolge bei ihrer Gegenoffensive. In der S├╝dukraine habe die Armee f├╝nf weitere Orte zur├╝ckerobert, schrieb der Chef des Pr├Ąsidentenb├╝ros, Andrij Jermak, am Dienstag beim Nachrichtendienst Telegram.

Die ukrainische Gegenoffensive bereitet den russischen Einheiten nach Experten-Ansicht gleich am mehreren Fronten enorme Probleme. „Die Ukraine diktiert im Moment das Tempo“, sagte ein Vertreter westlicher Sicherheitskreise in einem Briefing zu Journalisten in London. Einige russische Einheiten st├╝nden so unter Druck, dass sie sich zum R├╝ckzug gezwungen s├Ąhen – teilweise gegen den Willen der russischen F├╝hrung. Mit Blick auf den m├Âglichen Einsatz von Nuklearwaffen hiess es von dem westlichen Beamten, man sehe keinerlei Anzeichen daf├╝r, dass Moskau einen solchen Schritt vorbereite.

Zuvor hatten Videoaufnahmen eines russischen G├╝terzuges f├╝r Spekulationen gesorgt. In Medien wurden unter anderem gemutmasst, die auf dem Zug transportierten Fahrzeuge k├Ânnten zu einer Abteilung geh├Âren, die f├╝r die Wartung des russischen Atomwaffenarsenals verantwortlich ist. Belege daf├╝r gab es nicht.

Russland war am 24. Februar in die Ukraine einmarschiert und hat inzwischen vier Gebiete in der S├╝d- und Ostukraine annektiert. Pr├Ąsident Wladimir Putin hatte am Freitag mit den von Moskau eingesetzten Besatzern die international nicht anerkannten Vertr├Ąge ├╝ber den Beitritt unterzeichnet. Nach Russlands Staatsduma ratifizierte am Dienstag auch der F├Âderationsrat Moskaus die v├Âlkerrechtswidrige Einverleibung. Putin muss das Annexionsgesetz nun noch unterschreiben, dann tritt es in Kraft.

Auch britische Milit├Ąrexperten sehen Probleme auf russischer Seite – Moskau ist demnach nicht mehr in der Lage, ausreichend Ausr├╝stung und milit├Ąrisches Training f├╝r eine grosse Zahl an Rekruten bereitzustellen. Ein Anzeichen daf├╝r sei, dass der Einberufungszyklus in diesem Jahr einen Monat sp├Ąter als ├╝blich beginnen solle, hiess es im t├Ąglichen Kurzbericht des britischen Verteidigungsministeriums zum Krieg in der Ukraine. Die j├Ąhrliche Einberufung von etwa 120 000 Wehrpflichtigen in Russland unterscheide sich von der k├╝rzlich beschlossenen Teilmobilmachung von Reservisten.

Russlands Pr├Ąsident Wladimir Putin will nach offizieller Darstellung rund 300 000 Reservisten einziehen lassen, um nach den Niederlagen der russischen Armee in der Ukraine die besetzten Gebiete zu halten. Er hatte deshalb eine Teilmobilmachung angeordnet, was bei vielen Russen Panik ausl├Âste – viele verliessen das Land.

Die Ukraine untersagte unterdessen – wie schon am Freitag angek├╝ndigt – Verhandlungen mit Putin. Ein entsprechendes Dekret des ukrainischen Pr├Ąsidenten Wolodymyr Selenskyj wurde am Dienstag auf dessen Webseite ver├Âffentlicht. Dem ging eine Entscheidung des Rates f├╝r Sicherheit und Verteidigung voraus. In den ersten Wochen des Krieges gab es Gespr├Ąche zwischen der Ukraine und Russland vor allem auf Ebene von Unterh├Ąndlern. Nach den zunehmenden Erfolgen der ukrainischen Armee schliesst Kiew Verhandlungen vor dem kompletten Abzug der russischen Truppen von ukrainischem Staatsgebiet praktisch aus.

(text:sda/bild:unsplash)