16 Februar 2023

Ukraine will Energienetz gegen Raketenattacken wappnen

Mit einer weiteren Angriffswelle hat Russland am Donnerstag wichtige Infrastrukturanlagen und andere Ziele in der Ukraine getroffen. Das Präsidialamt in Kyjiw berichtete von 36 Raketen und Marschflugkörpern in der Nacht.

Medienberichten zufolge will die dortige F√ľhrung nun Teile der Energie-Infrastruktur in unterirdische Bunker verlagern und so vor Raketen sch√ľtzen. Das Europaparlament forderte die 27 Mitgliedsstaaten der EU auf, die Lieferung von Kampfflugzeugen an die Ukraine ernsthaft zu pr√ľfen. Weitere Waffen f√ľr die Ukraine wird auch Thema der hochkar√§tig besetzten Sicherheitskonferenz in M√ľnchen sein, die an diesem Feitag beginnt.

“Leider gibt es Treffer im Norden, Westen und in den Gebieten Dnipropetrowsk und Kirowohrad”, teilte der Leiter des Pr√§sidentenb√ľros, Andrij Jermak, nach den russischen Angriffen mit. Das russische Milit√§r habe seine Taktik ge√§ndert und setze auch “falsche Ziele” zur Irref√ľhrung der Flugabwehr ein. Offen blieb, ob damit Raketen ohne Sprengkopf oder Ballons zur T√§uschung des Radars gemeint waren. Die ukrainische Armeef√ľhrung z√§hlte 16 abgefangene Raketen. Die Angaben waren nicht unabh√§ngig zu √ľberpr√ľfen.

Beh√∂rdenangaben zufolge gab es in Pawlohrad im Gebiet Dnipropetrowsk mindestens ein Todesopfer und mehrere Verletzte sowie Sch√§den an 50 Wohnh√§usern und einem Industriebetrieb. Im westukrainischen Gebiet Lwiw (Lemberg) h√§tten drei Raketen Infrastruktur besch√§digt. F√ľr Donnerstag oder Freitag kommender Woche erwartet der ukrainische Sicherheitsrat nach eigenen Angaben erneut einen massiven Raketenangriff. Am 24. Februar j√§hrt sich der russische Angriff zum ersten Mal.

Seit Oktober setzt das russische Milit√§r auf massive Raketenschl√§ge gegen Umspannwerke und andere Einrichtungen der Strom- und Wasserversorgung in der Ukraine – sogenannte kritische Infrastruktur. In einem Pilotprojekt sollen nun zwei der insgesamt 90 grossen Umspannwerke im Land bis zum Winter unter die Erde verlegt werden, wie die ukrainische “Forbes”-Ausgabe berichtet. Die Verlegung aller Anlagen n√§hme nach Sch√§tzungen bis zu f√ľnf Jahre in Anspruch und kostete Milliarden.

Aufseiten der Verb√ľndeten sorgt derzeit vor allem die Waffenhilfe f√ľr Kyjiw f√ľr Diskussionen. “Die Ukraine muss nicht nur in der Lage sein, sich zu verteidigen, sondern auch die volle Kontrolle √ľber ihr gesamtes international anerkanntes Territorium zur√ľckerlangen”, heisst es in einer Entschliessung des EU-Parlaments. Zudem seien ernsthafte √úberlegungen zur Lieferung von Hubschraubern, Raketensystemen und mehr Munition n√∂tig. Die Abgeordneten forderten zudem die Aufnahme von Beitrittsgespr√§chen zwischen der EU und der Ukraine noch in diesem Jahr.
Das in den USA ans√§ssige Institut f√ľr Kriegsstudien (ISW) h√§lt es f√ľr unwahrscheinlich, dass der Kreml in den kommenden Tagen gr√∂ssere Mobilmachungspl√§ne oder andere milit√§rische Initiativen bekanntgeben wird. Von einer Rede zur Nation, die Pr√§sident Wladimir Putin am 21. Februar halten will, sei die Verk√ľndung solcher Schritte eher nicht zu erwarten. An diesem Freitag beginnt in M√ľnchen die allj√§hrliche Sicherheitskonferenz. Erwartet werden Bundeskanzler Olaf Scholz, Frankreichs Pr√§sident Emmanuel Macron und US-Vizepr√§sidentin Kamala Harris. Am 3. M√§rz ist Scholz dann zu Besuch bei US-Pr√§sident Joe Biden im Weissen Haus.

N√§chste Woche bereits reist Biden nach Polen, das an die Ukraine grenzt. Biden plant dort neben Treffen mit Pr√§sident Andrej Duda und Vertretern weiterer osteurop√§ischer Nato-Staaten eine Rede, in dem er der Ukraine einmal mehr langfristige Unterst√ľtzung zusichern will.

(text:sda/bild:pexels-symbolbild)