18 September 2023

Ukraine befreit weitere Ortschaft im Osten – Die Nacht im Überblick

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hat den beteiligten Einheiten fĂŒr die RĂŒckeroberung der Ortschaft Klischtschijiwka im Osten des Landes gedankt. „Heute möchte ich besonders die Soldaten erwĂ€hnen, die Schritt fĂŒr Schritt der Ukraine ihr Eigentum zurĂŒckholen, gerade in der Gegend von Bachmut“, sagte Selenskyj am Sonntagabend in seiner tĂ€glichen Videobotschaft. „Klischtschijiwka. Prachtkerle“, sagte er.

Das ukrainische MilitĂ€r hatte zuvor die RĂŒckeroberung der Ortschaft im SĂŒden von Bachmut gemeldet. „Ich kann bestĂ€tigen, dass dies dank der Anstrengungen der 80. Luftsturmbrigade, der 5. Sturmbrigade und der vereinigten Brigade der Nationalen Polizei „Ljut“ („Wut“) gelungen ist“, zitierte die Zeitung „Ukrajinska Prawda“ am Sonntag den Sprecher der Heeresgruppe Ost, Ilja Jewlasch. Mehrere Stunden zuvor hatte bereits der Chef des PrĂ€sidentenbĂŒros in Kyjiw, Andrij Jermak, auf Telegram ein Foto veröffentlicht, das ukrainische Soldaten in dem Ort im Gebiet Donezk zeigen soll. „Die Ukraine holt sich das ihre immer zurĂŒck“, schrieb Jermak dazu.

Die Brigade „Ljut“ veröffentlichte ein Video, auf der sie ebenfalls die Einnahme der Ortschaft unmittelbar sĂŒdlich der Stadt Bachmut verkĂŒndete. „Der Feind versucht aber weiterhin, sie wieder zu besetzen“, sagte einer der Soldaten, die die ukrainische Fahne und die Flaggen der beteiligten Armee-Einheiten in die Kamera halten. Im Hintergrund ist anhaltender GefechtslĂ€rm zu vernehmen. Von russischer Seite gab es bislang keinen Kommentar. UnabhĂ€ngig lassen sich die Meldungen der Kriegsparteien zunĂ€chst oft nicht ĂŒberprĂŒfen.

Mit der Einnahme Klischtschijiwkas durch die Ukraine verschlechtert sich die taktische Lage der russischen Besatzer in Bachmut deutlich. Sie laufen nun Gefahr, vom SĂŒden und vom Norden her in die Zange genommen zu werden. Um Bachmut im Gebiet Donezk hatten Russen und Ukrainer gut ein halbes Jahr lang gekĂ€mpft. Aufseiten der russischen StreitkrĂ€fte kamen hier vor allem die Söldner der Privatarmee Wagner zum Einsatz. Ende Mai erklĂ€rte Russland die Stadt fĂŒr eingenommen.

Explosionen in Sewastopol – Moskaus MilitĂ€r meldet DrohnenabschĂŒsse

In der Hafenstadt Sewastopol auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim gab es Medienberichten zufolge mehrere Explosionen. Das russische Verteidigungsministerium hingegen teilte dazu am Sonntag lediglich mit: „Über dem SĂŒdwestteil der Halbinsel Krim wurden zwei ukrainische Drohnen von der Flugabwehr vernichtet“. Mehrere Telegram-KanĂ€le veröffentlichten Fotos, die einen Feuerschein ĂŒber der Stadt zeigen. Anwohner berichteten von starkem Brandgeruch. Russland hat die ukrainische Halbinsel bereits 2014 völkerrechtswidrig annektiert.
Nach Angaben des von Moskau eingesetzten Gouverneurs von Sewastopol, Michail Raswoschajew, wurden keine Infrastrukturobjekte getroffen. Die Hafenstadt ist auch die Basis der russischen Schwarzmeerflotte. Den Brandgeruch erklÀrte Raswoschajew mit einer Nebelwand, die die Marine zum Sichtschutz gegen die Drohnen eingesetzt habe.
In den vergangenen Tagen hatte die Ukraine mehrfach Ziele auf der Krim mit Drohnen und Marschflugkörpern attackiert. Dabei wurden unter anderem eine Werft und zwei Kriegsschiffe beschÀdigt, einen Tag spÀter soll Angaben aus Kyjiw zufolge auch eine moderne Flugabwehreinheit vom Typ S-400 vernichtet worden sein. Russland hat den Verlust der S-400 bislang nicht bestÀtigt.

Ukrainische Luftwaffe meldet Fortschritte bei Pilotentraining

Das Training ukrainischer Piloten an westlichen Kampfjets kommt offiziellen Angaben nach in Schwung. „Ich kann nur sagen, dass der Prozess nun ernsthaft in Bewegung geraten ist“, sagte der Sprecher der ukrainischen Luftwaffe, Jurij Ihnat, am Sonntag im Fernsehen. Details könne er zwar nicht nennen, weil viele westliche Staaten ihre Beteiligung nicht öffentlich machen wollen. „Die Piloten trainieren und durchlaufen die Vorbereitung“, sagte er aber. In welchen LĂ€ndern sie ĂŒbten, wĂŒrden spĂ€ter die entsprechenden Staatschefs selbst bekanntgeben.
Seit Monaten bittet die Ukraine um westliche Kampfjets. Zusagen zur Lieferung von in den USA gebauten Kampffliegern vom Typ F-16 gibt es beispielsweise aus DĂ€nemark, Norwegen und den Niederlanden. Zudem haben mehrere Staaten erklĂ€rt, sich an der Ausbildung der Piloten zu beteiligen. Bekannt ist bisher, dass in DĂ€nemark bereits erste ukrainische Kampfpiloten trainiert werden. An der Front können die ersten F-16 nach Angaben Kyjiws im FrĂŒhjahr 2024 eingreifen.

(text:sda/bild:keystone)