5 Oktober 2021

U-Boot nimmt Passagiere mit in den VierwaldstÀttersee

Wer hier mitfahren will, muss zuerst auf die Waage: Ein U-Boot nimmt ab Ende Jahr in Luzern Passagiere mit auf den Grund des VierwaldstÀttersees. Bei der PrÀsentation des sanierten Unterwasserfahrzeugs betonten die Verantwortlichen die Sicherheitsvorkehrungen.

“Rauf kommt ein U-Boot immer, runter mĂŒssen wir es zwingen”, sagte Philippe Epelbaum, der GrĂŒnder des Unternehmens Subspirit, das am Dienstag beim Verkehrshaus in Luzern die neuste Attraktion im Luzerner Seebecken prĂ€sentierte. Die P-63 ist demnach das einzige U-Boot der Schweiz mit einer Zulassung fĂŒr Passagierfahrten.

Eingewassert wird die graue, 6,5 Tonnen schwere Kapsel am 16. Oktober, ab Ende Jahr können Passagiere mit dem U-Boot bis zu 100 Meter tief in den VierwaldstÀttersee eintauchen. Platz im 5,5 Meter langen und 2,5 Meter breiten GefÀhrt haben drei Passagiere und ein Pilot.

Die P-63 war 1987 am Bodensee gebaut worden und wurde vor allem fĂŒr Inspektionen und Unterwasserarbeiten eingesetzt, etwa an Stauseemauern. Danach kam das Boot zum Hergiswiler Berufstaucher Franz Hattan, der damit 2018 Passagierfahrten anbieten wollte, es dann aber fĂŒr rund 100’000 Franken an die Firma von Epelbaum verkaufte.

Auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte Hattan, das U-Boot sei nicht geeignet gewesen fĂŒr Passagiere, es habe ein Komfort-Problem bestanden. Diese zu beseitigen, hĂ€tte seine finanziellen Möglichkeiten ĂŒberstiegen.

Epelbaum sagte, man habe mehrere hunderttausend Franken in die Sanierung investiert. Ein neues U-Boot hÀtte dagegen mehrere Millionen Franken gekostet, wÀre weniger kompakt und auch nicht so einfach zu handhaben wie die P-63.

Diese verfĂŒgt ĂŒber vier batteriebetriebene Elektromotoren, wovon der eine fĂŒr das Abtauchen verantwortlich ist. Die GerĂ€te an Bord lassen sich auch mechanisch steuern, braune Holzhebel im Inneren des U-Boots sind etwa fĂŒrs Aufblasen des Ballasttankes zustĂ€ndig.

Epelbaum erklĂ€rte ausfĂŒhrlich die verschiedenen Sicherheitsvorkehrungen. So verfĂŒge das U-Boot ĂŒber einen sogenannten “Totmann”, ein Knopf, den der Pilot in regelmĂ€ssigen AbstĂ€nden betĂ€tigen muss, ansonsten werde automatisch der Auftrieb eingeleitet.

Neben den Bleigewichten, die je nach Gewicht der Passagiere mit an Bord kommen, gibt es mechanisch abwerfbare Gewichte, eine Notboye, die eine Verbindung zum OberflÀchenboot herstellt, das bei jedem Tauchgang dabei ist, und auch einen Feuerlöscher.

Die Überlebenszeit an Bord betrĂ€gt 96 Stunden, zur Not gibt es ein Trockenklo, zugelassen hat das Nidwaldner Schifffahrtsamt das U-Boot fĂŒr eine Tauchtiefe von bis zu 300 Metern. Hinter der fĂŒnf Zentimeter dicken StahlhĂŒlle herrscht konstanter Druck, anders als beim herkömmlichen Tauchen ist keine Dekompression nötig.

Es sei denn auch faszinierend, ohne AusrĂŒstung innert weniger Minuten auf 100 Meter abzutauchen, sagte Ueli Frey, einer der Piloten. Ähnlich schnell sei man wieder oben. Es herrsche eine Art schwereloses GefĂŒhl.

Zwei Schiffswracks werden bei den Fahren angesteuert. Es sei aber nicht nur schön, was man beim Tauchen zu sehen bekomme, sagte Epelbaum. “Es gibt auch Abfall.”

Billig ist die exklusive Fahrt im U-Boot nicht. Sie kostet 490 Franken pro Person. Vorerst plane man, die Fahrten an drei Tagen pro Woche anzubieten, spĂ€ter soll das Angebot auf weitere GewĂ€sser ausgeweitet werden. Zudem will Epelbaum das U-Boot auch fĂŒr technische Fahrten zur VerfĂŒgung stellen, etwa fĂŒr Such- und BergungsauftrĂ€ge.

(text:sda/bild:unsplash)