20 April 2024

Trump-Prozess: Jury steht – Mann z√ľndet sich vor Gericht an

Eine Jury und sechs Ersatzgeschworene sind gefunden, nun k√∂nnen am Montag die Auftaktpl√§doyers im Schweigegeld-Verfahren gegen Donald Trump beginnen. F√ľnf weitere Ersatzjuroren wurden am Freitag vereidigt, wie im Gerichtssaal anwesende Journalisten und Journalistinnen √ľbereinstimmend berichteten. Am Donnerstag war bereits die zw√∂lfk√∂pfige Jury zusammengestellt und ein erster Ersatzjuror gefunden worden.

Nach rund viert√§giger schwieriger Suche besteht die Jury f√ľr den ersten Strafprozess gegen einen fr√ľheren US-Pr√§sidenten nun aus sieben M√§nnern und f√ľnf Frauen, dazu kommen f√ľnf Frauen und ein Mann als Ersatzjuroren. Sie alle leben in Manhattan, arbeiten unter anderem als Lehrer, Bankangestellte, Anw√§lte, Physiotherapeuten oder bei einer Kleidungsfirma. Einige von ihnen sind verheiratet und haben Kinder. Ihre Identit√§ten bleiben aber gem√§ss der strikten Gerichtsvorschriften geheim.

Am Montag soll der Prozess mit den Er√∂ffnungspl√§doyers fortgesetzt werden, wie Richter Juan Merchan ank√ľndigte. Bei dem Verfahren gegen Trump geht es um Schweigegeldzahlungen an eine Pornodarstellerin. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Republikaner, der im November erneut zum US-Pr√§sidenten gew√§hlt werden will, die F√§lschung von Gesch√§ftsunterlagen vor. Trump hat auf nicht schuldig pl√§diert.

Trump d√ľrfte im Fall einer Haftstrafe bei Wahlen antreten

Der Prozess k√∂nnte nach Gerichtsangaben bis zu acht Wochen dauern. Bei einer Verurteilung droht dem 77-J√§hrigen eine mehrj√§hrige Gef√§ngnisstrafe, die auch zur Bew√§hrung ausgesetzt werden k√∂nnte. Trump h√§tte zudem die M√∂glichkeit, Berufung einzulegen. Auch nach einer Verurteilung – und selbst im Falle einer Gef√§ngnisstrafe – d√ľrfte Trump bei der Pr√§sidentschaftswahl antreten.

Hintergrund des Falls ist, dass Trump 2016 kurz vor seiner Wahl zum Präsidenten 130.000 US-Dollar Schweigegeld an die Pornodarstellerin Stormy Daniels zahlen liess. Sie hatte behauptet, Sex mit ihm gehabt zu haben. Trump bestreitet eine Affäre, nicht aber, dass Geld geflossen ist. Schweigevereinbarungen zwischen zwei Parteien sind nicht grundsätzlich illegal. Trump wird aber vorgeworfen, er habe die Zahlungen unrechtmässig verbucht, auf illegale Weise zu verschleiern versucht und damit andere Gesetzesverstösse vertuschen wollen.

Mann z√ľndete sich w√§hrend Prozess selbst an

√úberschattet wurde der Prozess am Freitag durch einen Vorfall nahe dem Saal, in dem das Verfahren stattfindet. Ein 37 Jahre alter Mann z√ľndete sich in einem Park gegen√ľber dem Gerichtsgeb√§ude w√§hrend des laufenden Strafprozesses selbst an, wie die New Yorker Feuerwehr und Polizei bei einer Pressekonferenz mitteilten. Augenzeugen h√§tten geschrien und versucht zu helfen, berichteten unter anderem die „New York Times“ und CNN. Nach kurzer Zeit seien Polizisten gekommen und h√§tten die Flammen gel√∂scht. Der Mann sei dann in einen Krankenwagen getragen und ins Krankenhaus gebracht worden. Nach Angaben der Feuerwehr befand er sich in kritischem Zustand. Auch sechs Rettungskr√§fte seien leicht verletzt worden. Das Sicherheitskonzept f√ľr die Gegend rund um das Gerichtsgeb√§ude werde nun √ľberpr√ľft.

Warum der Mann sich selbst anz√ľndete, blieb zun√§chst unklar. Augenzeugen und Medienberichten zufolge hatte der Mann vor der Tat Flugbl√§tter in die Luft geworfen, auf denen verschiedene Verschw√∂rungstheorien angerissen werden.

Der Vorfall ereignete sich im Collect Pond Park. Das Gerichtsgeb√§ude wurde weitr√§umig abgesperrt, zahlreiche Polizisten waren im Einsatz. Rundherum versammelten sich wie zu jedem Prozesstag Dutzende Medienvertreter mit Kameras und √úbertragungswagen. In dem Park d√ľrfen sich Gegner und Bef√ľrworter Trumps zu Demonstrationen versammeln – was bislang an den Prozesstagen aber nur einige wenige machten. Das Gel√§nde hat Barrikaden ringsherum, aber auch offene Zug√§nge.

Der Ablauf des Trump-Prozesses sei von dem Vorfall nicht beeintr√§chtigt worden, sagte ein Gerichtssprecher. Eine Sprecherin des Weissen Hauses sagte, es handele sich um „sehr traurige Nachrichten“.

(text:sda/bild:keystone)