27 November 2022

Tote und Verletzte nach Unwetter auf Ischia – “eine Tragödie”

Im Schlamm versunkene Autos, bis ins Meer gerissene Busse, Schutt und VerwĂŒstung in den Strassen: Heftige Unwetter haben am Samstag im Norden der italienischen Mittelmeerinsel Ischia Überschwemmungen und Chaos angerichtet. FĂŒnf Menschen, darunter zwei Frauen und ein kleines MĂ€dchen, verloren in den Schlammmassen ihr Leben, wie die zustĂ€ndige PrĂ€fektur Neapels und die Feuerwehr mitteilten. Einige erlitten Verletzungen. Am Sonntagabend suchten die Retter noch nach weiteren vermissten Menschen. Feuerwehrtaucher prĂŒften, ob sich in den ins Meer gespĂŒlten Autos möglicherweise Opfer befinden. “Es ist eine Tragödie”, sagte der Zivilschutz-Chef, als das Ausmass der VerwĂŒstung zutage trat. In Rom betete Papst Franziskus fĂŒr die Menschen auf Ischia – einer bei Touristen beliebten Insel, auf der auch Altkanzlerin Angela Merkel gerne Urlaub machte.

Das Unwetter brach in den frĂŒhen Morgenstunden ĂŒber das Eiland mit etwas mehr als 60 000 Einwohnern herein. Besonders betroffen war der KĂŒstenort Casamicciola im Norden. Zwischen HĂ€usern frass ein Erdrutsch eine Schneise der Zerstörung in einen Hang, wie Fotos zeigten. Die Gegend galt als Risikogebiet. Schnell wurden Stimmen laut, die Behörden hĂ€tten in den vergangenen Jahren nicht genug fĂŒr den Schutz unternommen. Wassermassen spĂŒlten Autos durch die Strassen, die teilweise auf dem Dach liege blieben. Aus einem ins Meer gerissenen Wagen rettete die Feuerwehr nach eigenen Angaben zwei Menschen.

Schnell begannen die AufrĂ€umarbeiten. Die Behörden waren zeitweise mit ungefĂ€hr 370 Feuerwehrleuten und Polizisten im Einsatz. Vom Festland legten Spezialisten, Fahrzeuge und weitere VerstĂ€rkung zu der Insel im Golf von Neapel ab. Das MilitĂ€r entsandte Hubschrauber und rettete drei Erwachsene und zwei Kinder, die in einer Ferienanlage festsassen. Andernorts retteten EinsatzkrĂ€fte einen Mann, der in einem GebĂ€ude bis zur Brust im Dunkeln im Wasser steckte, wie Videos zeigten. Einsam mĂŒhte sich ein kleiner Bagger durch die mit Schlamm bedeckten Strassen und versuchte die teils völlig zerstörten Autos aus dem Dreck zu ziehen.

Am Samstag erschwerte das noch tobende Unwetter die Arbeiten. “Die Situation ist sehr kompliziert”, sagte Innenminister Matteo Piantedosi. Am Sonntag legte sich der Sturm zu Gunsten der RettungskrĂ€fte. Nach letztem Stand holten sie 167 Menschen aus ihren HĂ€usern und brachten sie etwa in einem Hotel unter. Viele hatten ĂŒber Stunden im betroffenen Teil der Insel ihre Wohnungen nicht verlassen können. Die Verwaltung hatte die Menschen dazu angewiesen. Viele hatten keinen Strom mehr. Schulen, Friedhöfe und Parks waren am Samstag geschlossen geblieben. Das hatte Ischias BĂŒrgermeister Enzo Ferrandino bereits am Freitag wegen der Unwetter-Warnung angeordnet.

Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni rief am Sonntagvormittag ihre Minister in Rom zu einer Sitzung zusammen. Die Regierung erklĂ€rte fĂŒr ein Jahr den Notstand auf Ischia, um schneller Hilfsgelder freimachen zu können. Zwei Millionen Euro sind fĂŒr den Wiederaufbau vorgesehen, den ausserdem eine ausserordentliche Kommissarin koordinieren soll.

(txt&bild:sda)