5 August 2021

Thun: Neues Kunstmuseum in der Schadaugärtnerei?

Basierend auf einem Vorstoss hat der Thuner Gemeinderat die Schadaug√§rtnerei als m√∂glichen Standort f√ľr das Kunstmuseum gepr√ľft. Eine Machbarkeitsstudie sieht Potential in der vision√§ren Idee, zeigt aber auch H√ľrden auf, insbesondere bez√ľglich der Finanzierung. Der Gemeinderat will das Areal vorerst f√ľr eine √∂ffentliche kulturelle Nutzung reservieren.

Im Februar 2019 erhielt der Gemeinderat mit einem stadtr√§tlichen Postulat den Auftrag, vertieft zu pr√ľfen, ob und in welcher Form die Realisierung des Kunstmuseums in der Schadaug√§rtnerei m√∂glich w√§re. Grunds√§tzlich ist der Gemeinderat der Idee gegen√ľber positiv eingestellt, zumal er gem√§ss einem aktuellen Legislaturziel das Gebiet Schadau noch attraktiver gestalten und es schrittweise zu einem vielf√§ltig genutzten, √∂ffentlichen Erlebnisraum entwickeln will. Auch die nun vorliegende Machbarkeitsstudie sieht Potential in einem solchen Projekt, macht aber auch verschiedene Herausforderungen deutlich.

Mehr Platz f√ľr Museum mit gr√∂sserer Ausstrahlung

Die Machbarkeitsstudie zeigt klar auf, dass eine Neukonzeption des Museums mit einer r√§umlichen Vergr√∂sserung einhergeht. Ein neues Museum ben√∂tigte idealerweise rund dreimal so viel Fl√§che wie das heutige im Thunerhof. Dadurch w√ľrde es stark an Bedeutung gewinnen und sich von einem regionalen zu einem mittelgrossen Schweizer Museum mit gr√∂sserer Strahlkraft und h√∂heren Besuchszahlen entwickeln. Mehr Platz erm√∂glichte gr√∂ssere Wechselausstellungen ohne zeitweilige Schliessung des Betriebs w√§hrend des Ausstellungsaufbaus und -abbaus. Zudem erhielte die bestehende Sammlung einen gr√∂sseren Stellenwert, indem diese permanent pr√§sentiert werden k√∂nnte. Des Weiteren k√∂nnten die heutigen Aussenstandorte (Lager, Kunstk√ľche) an einem Ort vereint werden.

Idealer Standort, aber nur mit Anpassung der ZPP realisierbar

Die Studie sieht im Museum in der Schadaug√§rtnerei aufgrund der einmaligen Lage am See und der unmittelbaren N√§he zum Thun-Panorama, zur Kirche Scherzligen und zum Schloss Schadau viel Potential f√ľr eine gegenseitige Befruchtung. Den idealen Standort f√ľr das Museum sieht die Studie ‚Äď aufgrund des Volumens und der Gesamteinbettung ‚Äď gegen√ľber der Scherzligkirche. Die bestehenden Bauten der Schadaug√§rtnerei k√∂nnten als Erg√§nzung oder zur Nutzung von Synergien (z.B. mit einer k√ľnftigen Jugendherberge) dienen. Grunds√§tzlich w√§re ein repr√§sentatives Geb√§ude mit gen√ľgend Abstand zur Wohnsiedlung denkbar und quartiervertr√§glich. Um einen solchen Bau zu erm√∂glichen, bedarf es jedoch einer Anpassung der ZPP J Schadau. Die Schadaug√§rtnerei m√ľsste von der Zone W3 in die Zone W4 aufgezont werden, um f√ľr Bauten mit kultureller Nutzung eine Fassadenh√∂he von 13 Metern zu erm√∂glichen. (Aktuell ist eine Geb√§udeh√∂he von 10 Metern erlaubt.) Im Rahmen der Mitwirkung zur Ortsplanungsrevision waren die Geb√§udeh√∂hen kritisch beurteilt worden. Zu kl√§ren w√§re zudem die Parkplatzsituation.

Projekt zum heutigen Zeitpunkt finanziell nicht tragbar

Die Machbarkeitsstudie sch√§tzt die Kosten auf rund 35,3 Millionen Franken f√ľr die Erstellung des Museums und rund 7 Millionen Franken f√ľr eine zus√§tzliche Einstellhalle (Kostenungenauigkeit von +/- 25 Prozent). Die j√§hrlichen Betriebskosten werden auf 3,84 Millionen Franken gesch√§tzt. Ein neues Museum f√ľhrte grunds√§tzlich zu Mehraufw√§nden, die mit den √ľblichen Einnahmenquellen (Ticketverkauf, Shop, Events) nicht gedeckt werden k√∂nnten. Die Grundinvestitionen w√§ren f√ľr den Thuner Finanzhaushalt nur mit einer Verschuldung oder Steuererh√∂hung tragbar. Wie in den meisten Museumsprojekten w√§re daher eine externe Finanzierungshilfe (Privatpersonen, Stiftungen, Unternehmen) n√∂tig, auch f√ľr den k√ľnftigen Betrieb.

Fazit: Areal f√ľr √∂ffentliche kulturelle Nutzung wird reserviert

Ein √∂ffentlich zug√§nglicher Bau mit kultureller und touristischer Ausrichtung k√∂nnte die Schadaug√§rtnerei zum attraktiven Ausflugsziel machen. Von diesem bedeutenden Standortfaktor k√∂nnten die Stadt und ihre Bev√∂lkerung, die Wirtschaft und der Tourismus gleichermassen profitieren. Der Gemeinderat gibt jedoch die oben aufgef√ľhrten Herausforderungen zu bedenken wie die Finanzierung, Anpassung des Zonenplans bzw. die notwendige Geb√§udeh√∂he. Ungekl√§rt ist zudem auch die Frage, was nach dem Auszug des Kunstmuseums mit dem Thunerhof geschehen w√ľrde. Trotz dieser H√ľrden und der aktuell ungewissen Finanzierbarkeit will der Gemeinderat die Chancen f√ľr eine allf√§llige Realisierung dieses vision√§ren Projekts aufrechterhalten. Er hat deshalb beschlossen, das Areal vorl√§ufig f√ľr eine entsprechende √∂ffentliche kulturelle Nutzung zu reservieren. Die Kulturabteilung wurde beauftragt, Reaktionen und R√ľckmeldungen zur Idee des Kunstmuseums in der Schadaug√§rtnerei zu sammeln und zuhanden des Gemeinderats auszuwerten. Gleichzeitig sollen auch andere Ideen weiterverfolgt werden. Im Rahmen der Pr√ľfung eines weiteren Postulats im Thuner Parlament wird beispielsweise die Realisierung einer Jugendherberge gepr√ľft, welche auf der Restfl√§che angesiedelt w√ľrde.

(text:pd&ad/bild:zvg)