10 Januar 2024

Thun ist Teil einer globalen Studie ├╝ber Trockenperioden

Trockenperioden werden aufgrund des Klimawandels immer h├Ąufiger und extremer. Eine internationale Studie unter Mitwirkung der BFH-HAFL zeigt jetzt, wie sich diese auf ├ľkosysteme von Grasland und Buschsteppen auswirken. Fazit: Die Prognosen sind d├╝sterer als erwartet.

Wegen des Klimawandels wird es weltweit h├Ąufiger zu noch st├Ąrkeren, bis zu einem Jahr langen Trockenheitsperioden kommen. Extreme D├╝rren, die bisher statistisch gesehen nur einmal alle hundert Jahre vorgekommen sind, k├Ânnten m├Âglicherweise k├╝nftig alle zwei bis f├╝nf Jahre auftreten. Wegen der Seltenheit solcher Wetterph├Ąnomene ist nur wenig dar├╝ber bekannt, welchen Schaden diese im Grasland und in der Buschsteppe anrichten. Wie gross dieser sein kann, zeigt nun erstmals eine globale Studie mit Schweizer Beteiligung aus der Hochschule f├╝r Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften BFH-HAFL auf. Die Erkenntnisse sind nun im renommierten Fachjournal ┬źProceedings of the National Academy of Sciences┬á(PNAS)┬╗ publiziert ÔÇô und beunruhigen: Die zunehmende Trockenheit wird sich dramatischer auf Graslandgebiete auswirken als bisher angenommen.

Feldforschung in Thun 
Erstmals liefern Forschende genauere Angaben, wie sich D├╝rren auf Vegetation und ├ľkosysteme auswirken; auf globaler Skala war ihr Effekt bislang aufgrund unterschiedlicher Messans├Ątze nicht genau bekannt. Mit einem standardisierten Ansatz simulierten Teams auf sechs Kontinenten an hundert Standorten ein Jahr lang D├╝rren. Die BFH-HAFL hat als einzige Schweizer Institution an der Studie mitgearbeitet: ├ľkologe Andreas Stampfli und ├ľkologin Michaela Zeiter f├╝hrten am Standort Thun Feldexperimente durch. Andreas Stampfli erkl├Ąrt: ┬źVon zw├Âlf gleichgrossen Wiesenfl├Ąchen wurden sechs mit Plexiglas-Lamellen ├╝berdacht, so dass rund 33 Prozent weniger Regen auf den Boden gelangen konnte als ├╝blich.┬╗ Damit wurde exakt der Jahresniederschlag des trockensten Jahres der letzten hundert Jahre simuliert. Vor, w├Ąhrend und nach der simulierten Trockenheit wurden die Artenzusammensetzung und die Funktion des ├ľkosystems erfasst.

Aussichten: d├╝ster
Das Ergebnis der globalen Studie: Kurzfristige, extreme D├╝rren schr├Ąnken das Pflanzenwachstum um 60 Prozent ein. Pflanzenwachstum ist eine grundlegende Funktion des ├ľkosystems. Die Studienautorinnen und -autoren schreiben: ┬źDie Resultate ├╝bertreffen bei weitem die bisher berichteten Verluste f├╝r Graslandgebiete. Sie deuten darauf hin, dass die globalen Auswirkungen von D├╝rren bisher erheblich untersch├Ątzt wurden.┬╗ Dieses Wissen ├╝ber Grasl├Ąnder und Buschsteppen ist wichtig ÔÇô diese ├ľkosysteme bedecken mehr als 40 Prozent der eisfreien Landfl├Ąche der Erde; sie gelten als anf├Ąllig f├╝r den Klimawandel, da dort Regen oft ausfallen kann. Und: ┬źDa Grasl├Ąnder und Buschsteppen mehr als 30 Prozent des globalen Kohlenstoffvorrats speichern, sind sie als Kohlenstoffsenken wichtig. Herrschen ├Âfters D├╝rren, k├Ânnen diese Landschaften diese CO2-bindende Funktion nicht immer erf├╝llen, was den Klimawandel verst├Ąrken w├╝rde┬╗, so Andreas Stampfli.

(text:pd/symbolbild:unsplash)