1 M├Ąrz 2021

Thun: Gemeinderat lehnt „Thuner Zonenplaninitiative“ ab

In der Arbeitszone im Lerchenfeld plant die AVAG einen regionalen Abfallsammelhof und ein Recyclingcenter. Die ┬źThuner Zonenplaninitiative┬╗ will diese Parzelle der Zone f├╝r Sport- und Freizeitanlagen zuteilen. Der Gemeinderat lehnt die Initiative ab, weil die Umzonung weder bedarfsgerecht noch planerisch sinnvoll ist.

Am 20. Dezember 2019 wurde die Gemeindeinitiative ┬źThuner Zonenplaninitiative: F├╝r die Erweiterung von Sport und Freizeit. Kein regionaler Abfallsammelhof mit Recyclingcenter neben dem Fussballstadion Lerchenfeld┬╗ eingereicht. Die Initiative will die heutige Gr├╝nfl├Ąche (Parzelle Nr. 3308), die sich in der Zone f├╝r Arbeiten A befindet, neu der Zone f├╝r Sport- und Freizeitanlagen zuteilen. Dies w├╝rde den von der AG f├╝r Abfallverwertung AVAG geplanten Sammelhof dort verunm├Âglichen. Der Gemeinderat lehnt die Initiative ab, da die damit angestrebte Umzonung weder bedarfsgerecht noch planerisch sinnvoll ist. Hingegen ist der Bedarf eines regionalen Sammelhofs ausgewiesen.

Die Parzelle Nr. 3308, die sich im Eigentum der Armasuisse befindet, stellt eine wichtige Entwicklungsreserve f├╝r Thun dar. Sie eignet sich auch aufgrund der Lage am Stadtrand, zwischen Autobahn und Allmendstrasse, ideal f├╝r den neuen regionalen Sammelhof. Die Erschliessung ab der Allmendstrasse ist kurz und optimal, da sie keine Wohnquartiere betrifft. Die Allmendstrasse verf├╝gt zudem ├╝ber gen├╝gend Kapazit├Ątsreserven. ├ťber den Bypass Thun Nord ist der Standort auch regional sehr gut erreichbar.

Unbebaute Arbeitszonen mit der f├╝r einen Sammelhof ben├Âtigten Fl├Ąche sind in Thun rar. Bei einer Annahme der Initiative w├╝rde die unbefriedigende Situation des heutigen Abfallsammelhofs am Standort Milit├Ąrstrasse auf unbestimmte Zeit weiter bestehen bleiben.

Die Zahl der Kundinnen und Kunden im heutigen Abfallsammelhof an der Milit├Ąrstrasse hat sich seit 2005 von 25’000 auf 76’000 pro Jahr erh├Âht. Die Platzverh├Ąltnisse sind nicht daf├╝r konzipiert. Mit durchschnittlich 255 Kundinnen und Kunden pro Tag ist der Abfallsammelhof l├Ąngst an seine Kapazit├Ątsgrenzen gestossen. Es kommt h├Ąufig zu langen Wartezeiten. Da zu wenig Stauraum vorhanden ist, f├╝hrt der R├╝ckstau auf die Milit├Ąrstrasse zu teils gef├Ąhrlichen Beeintr├Ąchtigungen des Verkehrs, insbesondere auch des Langsamverkehrs. Die k├╝nftigen vor allem sicherheitstechnischen Anforderungen f├╝r eine abfallrechtliche Bewilligung sind am Standort Milit├Ąrstrasse nicht oder nur sehr schwer zu erf├╝llen. Falls ein Weiterbetrieb am heutigen Standort bewilligt wird, w├╝rde dies wohl erhebliche Investitionen erfordern.

Das eidgen├Âssische Raumplanungsgesetz fordert den haush├Ąlterischen Umgang mit dem Boden. Sport- und Freizeitzonen erzielen nur einen geringen ├ťberbauungsgrad. Die Umzonung der Arbeitszone k├Ąme daher einer Verringerung der Nutzung gleich, was dem Gebot der haush├Ąlterischen Bodennutzung widerspricht. Zudem w├Ąren neue Sportanlagen im Lerchenfeld am falschen Ort, da dort kaum zus├Ątzlicher Bedarf besteht. F├╝r Sport- und Freizeitanlagen ist die Lage direkt an der Autobahn unattraktiv und ungeeignet.

Eine Annahme der Initiative w├╝rde die milit├Ąrische oder gewerbliche Nutzung des Grundst├╝cks dauerhaft und vollst├Ąndig verhindern. Im Falle einer Umzonung ist mit nicht unerheblichen Entsch├Ądigungsanspr├╝chen der Betroffenen aus materieller Enteignung zu rechnen, die aktuell noch nicht beziffert werden k├Ânnen.

Die ganzheitliche und zukunftsgerichtete Betrachtung f├╝hrt den Gemeinderat zur Ablehnung der Initiative. Der Stadtrat befasst sich am 18. M├Ąrz 2021 mit der ┬źThuner Zonenplaninitiative┬╗. Falls er dem Gemeinderat folgt und die Initiative ablehnt, entscheiden die Thuner Stimmberechtigten am 13. Juni 2021 an der Urne ├╝ber die Vorlage.