11 Januar 2022

Taskforce sagt „Superinfektionswoche“ noch im Januar voraus

Bis zu 300 zus√§tzliche Covid-19-Erkrankte pro Woche auf den Intensivstationen: Auf diese Belastungsprobe bereiten sich die Schweizer Spit√§ler vor. Und die Zeit ist knapp, denn nach Sch√§tzung der wissenschaftlichen Taskforce des Bundes d√ľrfte der H√∂hepunkt der Omikron-Welle in rund zwei Wochen erreicht sein. Dann k√∂nnten sich, laut der Pr√§sidentin der Taskforce, Tanja Stadler, innert einer Woche 10 bis 30 Prozent der Schweizer Bev√∂lkerung anstecken, was 870’000 bis 2.6 Millionen Ansteckungen in einer Woche bedeuten w√ľrde.

Inwieweit das Gesundheitssystem dadurch an seine Grenzen ger√§t, ist gem√§ss Stadler, derzeit schwierig zu beurteilen. Die Sch√§tzung der Fachleute des Bundes habe eine Bandbreite von 80 bis 300 Personen, die neu Intensivpflege ben√∂tigen w√ľrden, sagte sie vor den Bundeshausmedien in Bern.

Bleibe man im unteren Bereich der Sch√§tzung, sei die Situation handhabbar, so Stadler. Die Spit√§ler bew√§ltigten eine Belastung in dieser Gr√∂ssenordnung bereits jetzt. Komme man an die obere Schranke, m√ľsse man handeln.

Die B√ľndner Kantons√§rztin Marina Jamnicki betonte, durch die Verschiebung von Wahleingriffen k√∂nnten Spit√§ler rasch Kapazit√§ten frei machen. Als weitere m√∂gliche Massnahmen nannte Jamnicki die Aufstockung der Bettenzahl und den Einbezug von weiteren Kliniken, die Covid-Patientinnen und -Patienten aufnehmen k√∂nnten.

Grosse Auswirkungen erwarten die Gesundheitsbeh√∂rden auch auf das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben. Sie gehen davon aus, dass auf dem H√∂hepunkt der Omikron-Welle 10 bis 15 Prozent der arbeitst√§tigen Bev√∂lkerung gleichzeitig in Isolation oder in Quarant√§ne sein werden. Damit d√ľrfte der Weiterbetrieb in vielen Bereichen des √∂ffentlichen Lebens gef√§hrdet sein.

„Es wird an allen Ecken und Enden zu Ausf√§llen kommen“, sagte Stadler. Oberstes Ziel sei es, das nichts zum Erliegen komme.

In diesem Zusammenhang √§usserte sich Stadler auch zur Forderung, die Quarant√§ne- und Isolationsdauer auf f√ľnf Tage zu reduzieren. Die Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren der Ostschweizer Kantone hatten den Bundesrat in einem Brief zu diesem Schritt aufgefordert.

Stadler stellte sich an der Medienkonferenz nicht grunds√§tzlich gegen die Idee. F√ľnf Tage erschienen in der gegenw√§rtigen Lage als gangbarer Kompromiss. Die Situation sei ganz anders, als wenn man wie etwa Neuseeland eine Null-Covid-Strategie verfolge. Bei einer hohen Inzidenz habe es epidemiologisch kaum einen Einfluss, wenn man einzelne Personen zu fr√ľh aus der Quarant√§ne entlasse.

Nach Aussage Jamnickis ergeben sich bei der Nachverfolgung von Ansteckungsketten schon heute Schwierigkeiten: Statt Kontaktpersonen Infizierter anzurufen, w√ľrden nun SMS verschickt. Viele Personen w√ľrden erst drei Tage nach dem Test vom Contact Tracing erfasst. Auf diese Weise k√∂nnten keine Ansteckungen verhindert werden, sagte die B√ľndner Kantons√§rztin.

Was politische Handlungsempfehlungen angeht, gab sich Taskforce-Chefin Stadler zur√ľckhaltend. Wie stark man die Verbreitung der Omikron-Variante bremse, um noch mehr Menschen den Zugang zum Booster respektive zur Kinderimpfung zu erm√∂glichen, sei eine Abw√§gungsfrage f√ľr die politischen Entscheidungstr√§ger.

Am Dienstag wurden dem Bundesamt f√ľr Gesundheit (BAG) innerhalb von 24 Stunden 24’602 neue Coronavirus-Ansteckungen gemeldet. Gleichzeitig registrierte das BAG 16 neue Todesf√§lle und 129 Spitaleinweisungen.

Der Bund geht allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus, wie Virginie Masserey, Leiterin der Sektion Infektionskontrolle beim BAG, an der Medienkonferenz klarmachte. Auf eine erhebliche Zahl unentdeckter Fälle weise unter anderem die hohe Positivitätsrate bei den Tests hin.

(text:sda,cs/bild:unsplash)