Tadej Pogacar gwinnt die Tour de Suisse
Tadej Pogacar ist das Mass aller Dinge. Der Slowene gewinnt in Villars-sur-Ollon auch die Schlussetappe der 89. Tour de Suisse und die fünftägige Rundfahrt mit 6:32 Minuten Vorsprung auf den Ecuadorianer Richard Carapaz.
Pogacar verabschiedete sich in der 5. Etappe, die über 150,7 km durch die Waadtländer Alpen führte, rund 9 km vor dem Ziel in Villars-sur-Ollon von seinen direkten Konkurrenten. Im Schlussanstieg machte er dabei auf die Ausreissergruppe um den Schweizer Meister Mauro Schmid knapp eineinhalb Minuten gut.
Als letzten Fahrer überholte der 27-jährige Slowene auf dem letzten Kilometer Lenny Martinez. Der Franzose wurde mit sieben Sekunden Rückstand Etappen-Zweiter, Schmid folgte mit dreieinhalb Minuten Rückstand auf dem 15. Platz. Doppel-Weltmeister Pogacar hatte zuvor an der Schweizer Landesrundfahrt schon die 1. Etappe im italienischen Sondrio und am Samstag das Zeitfahren in Aarburg zu seinen Gunsten entschieden.
Weit, sehr weit muss man in der Geschichte der Schweizer Landesrundfahrt zurückblättern, bis man einen überlegeneren Gesamtsieger als Tadej Pogacar in diesem Jahr findet. 1959 – es handelte sich damals um die 23. Tour de Suisse – wies der Deutsche Hans Junkermann nach acht Etappen einen Vorsprung von 10:19 Minuten auf den Franzosen Henry Anglade auf. Seither setzte sich nie mehr ein Sieger wie nun Pogacar mit mehr als fünf Minuten Vorsprung auf die Konkurrenz durch.
In den vergangenen 25 Austragungen der Tour de Suisse betrug der Maximalvorsprung des Gesamtsiegers 2:02 Minuten. Das war die Marge, mit welcher Fabian Cancellara 2009 in Bern vor dem Deutschen Tony Martin triumphierte. Dabei handelte es sich auch gleich um den letzten Gesamtsieg eines Einheimischen.
Pogacar folgt in der Siegerliste auf den Portugiesen João Almeida (2025) und den Briten Adam Yates (2024) und macht damit den dritten Tour-de-Suisse-Gesamtsieg in Folge für das vom Tessiner Mauro Gianetti geführte UAE Team Emirates perfekt.
Pogacar hat in diesem Jahr erst 16 Renntage bestritten, zehn davon auf Schweizer Strassen. Elfmal überquerte er in diesem Jahr die Ziellinie als Erster.
Auf die Frage, ob er mit Blick auf die Tour de France besser in Form sei als in den Vorjahren, antwortete Pogacar: „Gemessen an den Trainingswerten ja.“ Entscheidend sei jedoch, so der bereits vierfache Triumphator der Frankreich-Rundfahrt, was im Rennen zähle.
Dass die Tour de Suisse auf fünf Tage verkürzt wurde, spielte für seine Teilnahme keine entscheidende Rolle. „Wir haben bereits im Dezember entschieden, hierher zu kommen, ohne den Streckenplan zu kennen“, sagte Pogacar.
Nachdem Pogacar im Frühling bereits die Tour de Romandie dominiert hatte, drückte er auch seiner zweiten Rundfahrt des Jahres mit drei Etappensiegen in fünf Tagen den Stempel auf. Mit seiner über 70 km langen Solofahrt nahm er schon am ersten Tag in Sondrio die Spannung im Kampf um den Gesamtsieg raus. Den wohl schwierigsten Moment in dieser Rundfahrt erlebte der Slowene jedoch tags darauf: Seine Verlobte Urska Zigart stürzte in Locarno schwer und musste ins Spital eingeliefert werden.
(text:sda/bild:keystone)