23 Juli 2022

Swissport-Chef macht Regierungen f├╝r Koffer-Chaos verantwortlich

Der Chef des Bodenabfertigers Swissport hat die Regierungen in Europa f├╝r das Koffer-Chaos an Flugh├Ąfen verantwortlich gemacht. Die Politik habe die Industrie in der Pandemie mit Reiserestriktionen fast zugrunde gehen lassen, sagte Warwick Brady in einem Interview.

„Schuld sind in erster Linie die Regierungen mit ihren erfundenen, politischen Wissenschaften“, sagte Brady der „Schweiz am Wochenende“ (Samstagausgabe). Die Pandemie sei schrecklich gewesen, aber es habe keine wissenschaftlichen Beweise gegeben, dass die unter den L├Ąndern unkoordinierten Restriktionen die Verbreitung von Covid signifikant gestoppt h├Ątten. Die Ausbreitung von neuen Virus-Mutationen habe sich „bloss um ein paar wenige Wochen“ verz├Âgert.

Nun zeigten sich die Folgen von zwei Jahren Pandemie, in der die Luftfahrtindustrie an den Rand des Kollapses gedr├Ąngt worden sei, sagte der S├╝dafrikaner weiter. Die Reisenachfrage steige rasant. „Doch nach dem massiven und damals absolut n├Âtigen Stellenabbau fehlt jetzt ├╝berall Personal.“

Angesichts des Koffer-Chaos‘ und teils unterschiedlicher Reiseregeln lagen j├╝ngst die Nerven bei gewissen Passagieren blank, und einige liessen ihren Frust am Bodenpersonal ab. „Es ist schlimm. Es gibt F├Ąlle von physischer Gewalt“, sagte der Swissport-Chef. „Manche Passagiere folgen unseren Angestellten bis in den Pausenraum und bel├Ąstigen sie dort. Solches Verhalten akzeptieren wir nicht.“

Auch beim Bodenabfertiger selber ist die Stimmung gedr├╝ckt. F├╝r Samstagmorgen planen dutzende Swissport-Mitarbeitende am Hauptsitz in Z├╝rich eine Protestaktion. Sie verlangen einen neuen Gesamtarbeitsvertrag, wie er vor der Corona-Krise g├╝ltig war. Wegen der Pandemie nahmen die Angestellten Lohneinbussen und l├Ąngere Arbeitszeiten in Kauf, und sie verzichteten auf Ferien- und Frei-Tage.

Der Swissport-Manager ├Ąusserte sich im Interview zuversichtlich f├╝r eine L├Âsung. „Ich bin ├╝berzeugt, dass wir am Schluss eine L├Âsung am Verhandlungstisch finden.“ Bis Ende Jahr herrsche eine Friedenspflicht, Streiks seien bis dahin nicht m├Âglich.

(text:sda/bild:unsplash)