1 November 2022

Südkoreas Polizei räumt nach Massenpanik in Seoul Fehler ein

Südkoreas Polizeichef hat nach der Massenpanik mit mehr als 150 Toten während Halloween-Partys in Seoul offenkundige Fehler seiner Behörde eingeräumt.

In den Stunden vor der nächtlichen Tragödie am Samstag seien mehrere Notfallrufe eingegangen, die auf potenzielle Gefahren hingedeutet hätten, sagte der Chef der nationalen Polizeibehörde, Yoon Hee Keun, am Dienstag. Doch die Antwort darauf sei jeweils „unzureichend“ gewesen: „Ich fühle eine schwere Verantwortung als Leiter einer der zuständigen Behörden.“

Ob die Katastrophe aus seiner Sicht durch frühe polizeiliche Massnahmen hätte verhindert werden können, sagte Yoon nicht. Er wolle aber dafür sorgen, dass gründlich untersucht werde, was falsch gelaufen sei. Dazu werde auch ein unabhängiges Untersuchungsgremium innerhalb der Polizeibehörde geschaffen.

Der Massenunfall sorgte in Südkorea nicht nur für Entsetzen und Trauer. Auch löste er kritische Fragen nach der Rolle der Behörden und nach fehlenden Sicherheitsvorkehrungen aus. Zu dem Unglück in der Millionenmetropole kam es, als in dem beliebten Ausgehviertel Itaewon Zehntausende Menschen dicht gedrängt zu unorganisierten Halloween-Feiern zusammenkamen. Im extremen Gedränge in einer schmalen und abschüssigen Seitengasse wurden zahlreiche Menschen eingeklemmt. Viele stürzten zu Boden, erstickten, wurden zerquetscht oder totgetreten.

Premierminister Han Duck Soo deutete am Dienstag bei einer Pressekonferenz an, der Polizei solle künftig freiere Hand bei der Steuerung von Massenereignissen ohne erkennbaren Organisator gegeben werden. „Der wichtigste Faktor war das Management der Menschenmengen“, sagte er in Anspielung auf die Katastrophe. Diese habe Defizite offenbart. „Wir sollten das System komplett ändern.“

Die Zahl der vorwiegend jungen Todesopfer erhöhte sich nach Angaben des Innenministeriums auf 156. Zwei Personen erlagen demnach seit Montagnacht ihren Verletzungen. Nach den aktualisierten Zahlen wurden 151 Verletzte erfasst. Von ihnen befänden sich 29 in einem kritischen Zustand. Unter den Todesopfern waren auch 26 Ausländer aus verschiedenen Ländern.

(text:sda/bild:unsplash)