10 Februar 2021

Pandemie verstÀrkt Suchtpotential

Die Corona-Pandemie schafft laut Sucht Schweiz neue Risikogruppen. Menschen, die schon zuvor MĂŒhe gehabt hĂ€tten, den Konsum psychoaktiver Substanzen, das Geldspiel oder Online-AktivitĂ€ten zu kontrollieren, seien wĂ€hrend der Krise besonders gefĂ€hrdet.

In der Corona-Pandemie als Ausnahmesituation seien Menschen nĂ€mlich ungewohnten und starken Belastungen und Traumata ausgesetzt. Manche von ihnen gebrauchten Alkohol, Drogen oder Medikamente kurzfristig, um sich zu entlasten, warnt Sucht Schweiz in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Bericht „Schweizer Suchtpanorama 2021“.

Neben der Allgemeinbevölkerung seien Pflegende in Notfallstationen oder das Personal im Transportwesen oder im Verkauf besonders betroffen. Auch schwer Erkrankte und ihre Angehörigen seien stark belastet.

Studien zum Konsum von Alkohol in Krisensituationen zeigen laut Sucht Schweiz, dass es zu einem Anstieg des Konsums vor allem bei Personen kommt, deren Trinkverhalten bereits zuvor problematisch war. Neue Risikogruppen kĂ€men im Zuge von Covid-19 mit Menschen hinzu, die einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt seien. SchĂ€tzungsweise 250’000 Menschen sind in der Schweiz laut Sucht Schweiz alkoholabhĂ€ngig.

19 Prozent der Schweizer Bevölkerung rauchen tÀglich. WÀhrend des Lockdowns hat nach Angaben von Sucht Schweiz ein Teil der Rauchenden versucht, aufzuhören, 4,6 Prozent hÀtten es geschafft. Der Effekt sei danach aber bei rund der HÀlfte wieder verpufft. Ein grosser Teil der tÀglich Rauchenden hat den Konsum wÀhrend und nach dem Lockdown verstÀrkt. Unter den gelegentlich Rauchenden nahm das Rauch tendenziell ab.

Sucht Schweiz stellt zudem fest, dass sich der Drogenmarkt schnell an die neue Situation im Pandemie-Jahr angepasst habe. Abgesehen von gewissen regionalen EngpĂ€ssen bei Cannabis hĂ€tten sich Angebot und Nachfrage wĂ€hrend des Lockdowns im FrĂŒhjahr wenig verĂ€ndert.

Aufgrund fehlender Daten ist unklar, wie sich die Pandemie auf den Medikamentenmissbrauch auswirkte. BegĂŒnstigt hat laut Sucht Schweiz die Pandemie eine Suchtentwicklung bei Geldspielen. Gut 3 Prozent der Bevölkerung spielen exzessiv um Geld.

Die mit der Gesundheitskrise fast gleichzeitige Öffnung des Geldspielmarktes fĂŒr Online-Angebote auf Anfang 2019 habe sich fĂŒr manche Spielende stark ausgewirkt. Online-Geldspiele hĂ€tte mit dem nationalen Lockdown im letzten FrĂŒhjahr ein starkes Wachstum erzielt, das ohne Pandemie wohl geringer ausgefallen wĂ€re.

Gleichzeitig nahm die Werbung fĂŒr Online-Geldspielplattformen massiv zu. Sucht Schweiz verweist in diesem Zusammenhang auf teils aggressiven Werbemethoden fĂŒr Online-Geldspielplattformen.

Sucht Schweiz ruft dazu auf, sich in der aktuell sehr belasteten Situation Rat zu holen und Hilfe zu beanspruchen, wenn man die Kontrolle ĂŒber seinen Konsum verloren hat.