3 August 2021

4,7 Millionen weniger MĂ€dchengeburten weltweit bis 2030

Weiblicher Nachwuchs unerwĂŒnscht: Aufgrund von Praktiken zur Geschlechtsselektion könnten einer Studie zufolge in den kommenden zehn Jahren weltweit rund 4,7 Millionen MĂ€dchen weniger zur Welt kommen.

Die am Dienstag in der Fachzeitschrift BMJ veröffentlichte Studie untersuchte die kurz- und langfristigen Auswirkungen der prĂ€natalen Geschlechtsselektion auf Gesellschaften. Ein internationales Forscherteam analysierte dafĂŒr Daten von mehr als drei Milliarden Geburten und errechnete mögliche Szenarien.

Wie die Forscher mitteilten, haben in den letzten 40 Jahren Abtreibungen aufgrund des Geschlechts in mehreren LĂ€ndern SĂŒdosteuropas sowie SĂŒd- und Ostasiens zugenommen. Grund dafĂŒr sei eine kulturell geprĂ€gte PrĂ€ferenz fĂŒr mĂ€nnlichen Nachwuchs.

Sollten die Abtreibungen von weiblichen Föten weiter steigen, wie Statistiken es nahelegen, wÀre laut einer Berechnung der Experten mit einem Minus von etwa 4,7 Millionen weiblichen Geburten bis 2030 zu rechnen.

Die Studie prognostiziert, dass ein Mangel an MĂ€dchengeburten bis 2030 bei etwa einem Drittel der Weltbevölkerung zu einem Überschuss an jungen MĂ€nnern fĂŒhren könnte. Dieser Trend könnte langfristig den sozialen Zusammenhalt innerhalb einer Gesellschaft untergraben, warnten die Experten.

Nach Ansicht der Forscher könnten antisoziales Verhalten und Gewaltbereitschaft in solchen ungleich zusammengesetzten Gesellschaften zunehmen. Die Vorliebe fĂŒr mĂ€nnliche Nachkommen könnte zudem einen „Heiratsdruck“ auslösen.

Die Autoren der Studie forderten eine bessere Erhebung der Daten ĂŒber Praktiken zur Geschlechtsselektion sowie breite Informationskampagnen. „Ein langfristiges Ziel ist die Einflussnahme auf Geschlechternormen, die der Kern von schĂ€dlichen Praktiken wie der prĂ€natalen Geschlechtsselektion sind“, erklĂ€rten sie. Dies erfordere einen rechtlichen Rahmen, der eine Gleichstellung der Geschlechter gewĂ€hrleiste.

(text:sda/bild:unsplash)