24 September 2021

Student stirbt bei brutalem Aufnahmeritual – Prozess beginnt

Ein 20-JÀhriger bewirbt sich bei einer Studentenverbindung und findet dort keine neuen Freunde, sondern den Tod. Bei einem grausamen Aufnahmeritual musste der Student Medienberichten zufolge Unmengen an Alkohol und Fischöl trinken, auf ihn wurde uriniert und er musste stundenlang in kaltem Wasser ausharren. Der Körper des jungen Manns hÀlt die Strapazen nicht aus: Im Krankenhaus stirbt er wenig spÀter.

18 MĂ€nner mĂŒssen sich vor dem Landgericht Hasselt unter anderem wegen fahrlĂ€ssiger Tötung, unterlassener Hilfeleistung und der Verabreichung schĂ€dlicher und tödlicher Substanzen verantworten, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft mitteilte. Am ersten Prozesstag werden demnach am Freitag Details zum weiteren Prozessablauf besprochen. Neben der Diskussion um die BrutalitĂ€t dieses Rituals hat der Fall in Belgien auch eine Debatte ĂŒber Rassismus ausgelöst, weil das Opfer schwarz war und in einer elitĂ€ren weissen Verbindung mitmachen wollte.

Die Studentenverbindung „Reuzegom“ aus der UniversitĂ€tsstadt Löwen östlich von BrĂŒssel hatte das Aufnahmeritual am 5. Dezember 2018 organisiert. Unter den Mitgliedern wurde es als „Taufveranstaltung“ bezeichnet, an der neben dem 20-JĂ€hrigen auch zwei weitere Neulinge teilnahmen. Sie wollten Mitglieder der prestigetrĂ€chtigen Verbindung werden. Doch dafĂŒr mussten sie FĂŒrchterliches ĂŒber sich ergehen lassen.

Das 20-jĂ€hrige Opfer musste Unmengen Alkohol trinken. Belgische Medien schreiben, dass die drei AnwĂ€rter von den Ă€lteren „Reuzegom“-Mitgliedern mehrfach angepinkelt wurden. Nachts sei der Wasserhahn im Zimmer des Opfers abgestellt worden, damit er nicht gegen seinen Alkohol-Kater antrinken konnte.

Am Tag darauf folgten weitere Strapazen: Nach Informationen der belgischen Zeitung „De Standaard“ musste das Opfer bei Aussentemperaturen von sechs Grad mit seinen beiden Mitstreitern halb nackt in einer mit Wasser befĂŒllten Grube verharren. Den jungen MĂ€nnern seien dabei Fragen gestellt worden. Bei einer richtigen Antwort gab es Wasser – bei einer falschen mussten sie unappetitliche Lebensmittel verspeisen. Der 20-JĂ€hrige musste Unmengen an Fischöl trinken. Einem lebenden Aal musste er demnach den Kopf abbeissen. Die Mitglieder der Verbindung mĂŒssen sich vor Gericht daher auch wegen des Verstosses gegen das Tierschutzrecht verantworten.

Der Gesundheitszustand des jungen Mannes verschlechterte sich mit den Strapazen zunehmend, wie „De Standaard“ berichtet. Am Abend des zweiten Tages wurde er bewusstlos und unterkĂŒhlt ins Krankenhaus gebracht. Seine Körpertemperatur war nach Angaben der Zeitung auf 27,2 Grad gesunken – ein lebensbedrohlicher Zustand. Am 7. Dezember 2018 starb er an den Folgen der Tortur – mehrere Organe hatten versagt.

Der Fall des Studenten löste in Belgien und darĂŒber hinaus BestĂŒrzen und Rassismus-Diskussionen aus. SchĂŒler hielten Mahnwachen. Die „New York Times“ schrieb von einem zunehmenden Rechtsruck und rassistischen Tendenzen in der belgischen Region Flandern, in der die Verbindung beheimatet war. SpĂ€ter tauchten Videos, Bilder und Chat-VerlĂ€ufe auf, die Mitglieder der Verbindung bei rassistischen GesĂ€ngen und Äusserungen zeigen sollen.

UN-Menschenrechtsexperten warnten 2019 in einem Bericht, dass BĂŒrger afrikanischer Herkunft in Belgien immer noch Rassismus und Diskriminierung erlebten. Es sei bewiesen, dass dies auch in belgischen Institutionen verbreitet sei.

Die UniversitĂ€t in Löwen zeigte sich nach dem Tod des Studenten „tief erschĂŒttert“. Anfang 2019 leitete sie Disziplinarverfahren gegen einige Studenten ein. Sieben seien fĂŒr mehrere Jahre von der Hochschule verwiesen worden, einige von ihnen fĂŒr immer, teilte die Uni damals mit. Die Studentenverbindung hat sich nach dem tödlichen Ritual aufgelöst.

(text:sdsa/bild:unsplash)