2 September 2023

Strickers MĂ€rchen in New York geht weiter

Dominic Stricker setzt seinen grandiosen Höhenflug beim US Open fort. Der Berner ringt auch den Franzosen Benjamin Bonzi nieder. Er behĂ€lt im zweiten FĂŒnf-Satz-Match in Folge die Oberhand und steht damit im Achtelfinal gegen Taylor Fritz (ATP 9).

Es war keine leichte Aufgabe, die Stricker zwei Tage nach dem Coup gegen den Weltranglisten-Siebten Stefanos Tsitsipas vorgesetzt bekam. Der FĂŒnf-Satz-Sieg gegen den Griechen hatte dem 21-jĂ€hrigen Berner nicht nur körperlich alles abverlangt. Stricker war nach dem bisher grössten Erfolg seiner noch jungen Karriere auch mental gefordert.

Es war mit Sicherheit kein Leichtes, das Geschehene zu verarbeiten, sich auf die nĂ€chste Aufgabe zu konzentrieren, sich damit abzufinden, dass die Erwartungen, wohl auch die eigenen, in dieser kurzen Zeit gestiegen sind – zumal gegen einen Kontrahenten, gegen den er sich durchaus Chancen ausrechnen durfte.

Es schien vorerst eine zu schwere BĂŒrde zu sein, die Stricker mit sich auf den Platz trug. Er tat sich schwer, fand den Tritt nicht. Er musste sich von Bonzi dominieren lassen. Nach 13 Minuten lag er 0:4 hinten, nach einer halben Stunde hatte der dank einer Wildcard ins Hauptfeld gerĂŒckte Franzose den ersten Satz 6:2 unter Dach und Fach gebracht.

Stricker war noch mehr gefordert. Verbesserungen mussten her – und der LinkshĂ€nder vermochte sich zu steigern. Die Dominanz von Bonzi, derzeit als Nummer 108 der Welt 20 PlĂ€tze vor dem Schweizer klassiert, Anfang Februar aber schon einmal als Nummer 42 im Ranking gefĂŒhrt, begann zu bröckeln. Stricker begegnete dem Franzosen, der wegen einer Verletzung am linken Handgelenk von Mitte April fĂŒr zwei Monate pausieren musste und nach seiner RĂŒckkehr auf die WettkampfplĂ€tze den Tritt bis zum Beginn des US Open nicht wieder gefunden hatte, auf Augenhöhe.

Mit dem 7:5 im zweiten und dem 7:6 (7:4) im dritten Satz hatte er die Vorteile auch resultatmĂ€ssig auf seine Seite gezogen. Diese Vorteile entglitten ihm im vierten Umgang zwar nochmals. Auf das 3:6 zeigte er aber die nĂ€chste, die entscheidende Reaktion. Dank dem 6:2 im fĂŒnften Satz geht sein erstaunlicher Parcours weiter. Die mĂ€rchenhaften Tage in New York haben eine Fortsetzung.

Ungeachtet des Ausgangs des Achtelfinals wird Stricker in der nÀchsten Weltrangliste zum ersten Mal zu den besten 100 Spielern gehören. Er wird auf jeden Fall etwa auf Platz 85 vorstossen. Sein nÀchster Gegner ist Taylor Fritz, die Weltnummer 9. Der Amerikaner gab gegen den Tschechen Jakub Mensik (ATP 206) bloss drei Games ab, siegte 6:1, 6:2, 6:0. Stricker und Fritz spielen erstmals gegeneinander.

(text&bild:sda)