27 April 2022

Strafverfahren zu t├Âdlichem Polizeieinsatz in Adelboden wieder aufgenommen

Die Berner Staatsanwaltschaft muss das Strafverfahren gegen drei Polizisten wieder aufnehmen, die an einem t├Âdlichen Einsatz im Mai 2020 in Adelboden beteiligt waren. Das hat das Obergericht entschieden. Beim Einsatz war ein 44-j├Ąhriger Schweizer ums Leben gekommen.

Einer der Polizisten hatte insgesamt f├╝nf Sch├╝sse aus seiner Dienstwaffe abgegeben, wie aus dem am Mittwoch im Internet publizierten Urteil des Obergerichts hervorgeht. Zum Tod f├╝hrte gem├Ąss den Rechtsmedizinern ein Kopfsteckschuss.

Die Kantonale Staatsanwaltschaft f├╝r Besondere Aufgaben hatte das Verfahren im Juli 2021 eingestellt. Dagegen wehrten sich zwei Br├╝der des Verstorbenen und dessen Mutter. Ihre Beschwerden gegen die Einstellung des Verfahrens hiess das Obergericht nun teilweise gut.

Das Verfahren gegen den Sch├╝tzen wegen vors├Ątzlicher T├Âtung und Amtsmissbrauchs sei wieder aufzunehmen, ebenso dasjenige gegen zwei weitere Polizisten wegen fahrl├Ąssiger T├Âtung. Bei allen drei Beschuldigten steht zudem der Verdacht des Amtsmissbrauchs im Raum. Nach allf├Ąllig weiteren Ermittlungen sei das Verfahren voraussichtlich zur Anklage zu bringen, h├Ąlt das Obergericht fest.

Die Polizei hatte am 21. Mai 2020 die Meldung erhalten, dass sich ein Mann in einer Wohnung in Adelboden auff├Ąllig verhalte und ge├Ąussert habe, sich etwas anzutun. Erste Ermittlungen ergaben, dass der Mann bewaffnet sein k├Ânnte. Wegen der besonderen Gefahrenlage wurde die Sondereinheit Enzian aufgeboten.

Das Betreten der Wohnung war aus Sicht des Obergerichts gerechtfertigt. Offene Fragen bleiben gem├Ąss dem Urteil aber zum weiteren Vorgehen. Der Mann war im abgeschlossenen Schlafzimmer lokalisiert worden.

Die Polizei entschied sich gem├Ąss den Unterlagen, die T├╝r gewaltsam zu ├Âffnen. Dass dies n├Âtig war, ist laut Obergericht zweifelhaft. Es best├╝nden ┬źkonkrete Hinweise, dass dieses Vorgehen nicht mehr dem Situationsverlauf angepasst war┬╗.

Als die Polizei die T├╝re aufgebrochen hatte, stand der Mann nach ├╝bereinstimmenden Aussagen mit erhobener Waffe im Raum da. Einer der Polizisten gab darauf f├╝nf Sch├╝sse aus seiner Dienstwaffe ab.

Der erste Schuss erfolgte mutmasslich ohne Vorank├╝ndigung, und der Mann reagierte darauf nicht mit einer eigenen Schussabgabe. F├╝r das Obergericht stellt sich daher auch die Frage, ┬źob die insgesamt vier weiteren Sch├╝sse noch als angemessene Notwehrhandlung angesehen werden k├Ânnen┬╗.

(text:sda/bild:pexels)