12 November 2021

Starke Schweizer holen 1:1 in Rom beim Europameister

Zwischen Italien und der Schweiz bleibt es im Kampf um die direkte Qualifikation fĂŒr die WM in Katar vor dem letzten Spiel beim Status Quo. In Rom trennen sich die zwei Spitzenteams der Gruppe C 1:1.

Wieder Penalty. Wieder Jorginho. Und wieder kein Tor. Wenn die Schweiz am Montag doch als Gruppensieger die direkte WM-Qualifikation schaffen sollte, dann hat das sehr viel mit Jorginho zu tun. Im Hinspiel in Basel scheiterte er mittels Penalty an Yann Sommer, in Rom schoss er den Elfmeter in der 90. Minute ĂŒber das Tor. Ulisses Garcia hatte zuvor Domenico Berardi zu Boden gedrĂŒckt, worauf der Schiedsrichter nach Intervention des VAR einen harten Penaltyentscheid fĂ€llte.

Das Unentschieden bringt nun am Montag das Fernduell um den 1. Platz. Die Schweiz empfĂ€ngt in Luzern Bulgarien, die Italiener reisen nach Nordirland. Und das Duell um den Gruppensieg ist zwischen den punktgleichen Kontrahenten offener denn je. Die Italiener haben zwei Tore Vorsprung, aber die wohl etwas heiklere Aufgabe zu lösen. Konkret heisst es fĂŒr die Schweiz: Sie muss, wenn Italien gewinnt, ihr Spiel um zwei Tore höher gewinnen. Und sollte am Ende Punkt- und Torgleichheit bestehen, dann ist die Schweiz im Vorteil – dank dem AuswĂ€rtstor in Rom und dank Jorginhos finalem Fehlschuss.

Die Schweizer haben sich diese weiterhin gute Ausgangslage mit einem vor allem vor der Pause frechen und unbekĂŒmmerten Auftritt verdient. 143 Tage waren vergangen, seit sie in diesem Stadion so sehr unter die RĂ€der kamen, dass nach eben jenem 0:3 an der EM so vieles rund um das Team in Frage gestellt worden war. Das Debakel gegen Italien hatte etwas Reinigendes. Die Schweizer kamen danach an der EM bis in die Viertelfinals, sie fĂŒhrten ihren erfolgreichen Weg in der WM-Qualifikation fort und blieben hier vier Mal in Folge ohne Gegentor.

Alles in allem erarbeiteten sie sich in den vergangenen fĂŒnf Monaten ein SelbstverstĂ€ndnis, das sie an diesem Novemberabend in Rom so ganz anders auftreten liess als noch im Juni, auch wenn gerade die halbe Stammelf nicht dabei sein konnte. Und so rieb sich manch einer verwundert die Augen ĂŒber den Einstieg der Schweizer in dieses Spiel. Keine Viertelstunde war gespielt, als sich Murat Yakins Entscheid im Sturm auf den jungen Noah Okafor zu setzen als richtig erwies; nach einem Steilpass von Xherdan Shaqiri enteilte Okafor der italienischen Abwehr, legte zurĂŒck auf Silvan Widmer, der mit einem wuchtigen Schuss aus knapp 20 Metern unter die Latte zur Schweizer FĂŒhrung traf.

Der Treffer offenbarte Yakins Plan: Bei Balleroberung mit schnellem Umschalten rasch in den italienischen Strafraum kommen. Das Schema klappt fast wie aus dem Effeff und nach weiteren bloss sieben Minuten hatten die Schweizer drei weitere gute Chancen, die FĂŒhrung auszubauen. Okafor kam gegen Francesco Acerbi nach Zuspiel von Ruben Vargas einen Schritt zu spĂ€t (14.), dann schoss der Salzburger StĂŒrmer mit links nur um Haaresbreite am Tor vorbei, und schliesslich setzte Shaqiri den Ball im Strafraum mit seinem schlechteren, rechten Fuss ĂŒber das Tor (18.)

1:0 fĂŒhrte die Schweiz, ein 2:0 wĂ€re möglich gewesen – und Italien, der Europameister, fand bis dahin eigentlich gar nicht statt. Ihr Mittelfeld kam zu Beginn nicht auf Touren, der behĂ€bige Favorit tat sich schwer mit dem frechen und aggressiven Auftritt der GĂ€ste. Erst nach 22 Minuten kamen die Italiener zu ihrer ersten Chance, als Sommer gegen Nicolo Barella spektakulĂ€r in Corner abwehrt, nachdem ein Schuss von Jorginho zuvor geblockt worden war.

Es war die Szene, welche das Spielgeschehen zum Kippen brachte. Doch dass die Italiener noch vor der Pause zum Ausgleich kamen, war dann aus Schweizer Sicht doch unnötig. Sommer kam bei einer Freistossflanke von Lorenzo Insigne zur Unzeit aus dem Tor, und Fabian SchĂ€r, der ĂŒber die ganze Partie nicht kaschieren konnte, dass er bei Newcastle United seit zwei Monaten keine EinsĂ€tze mehr hat, verlor seinen Gegenspieler Giovanni Di Lorenzo aus den Augen.

Ein Doppelfehler fĂŒhrte zum 1:1-Ausgleich, und es war aus Sicht der Schweizer deshalb ein Ă€rgerliches Pausenresultat. Doch unverdient war es fĂŒr die Italiener dann doch auch nicht. Ja, der Unterbruch kam den Schweizern sogar entgegen. Er stoppte die aufkommende Euphorie beim Gegner ein wenig. Ohnehin wurde das Spiel durch den Ausgleich der Italiener ruhiger. Der Favorit gewann an Sicherheit und kontrollierte mehr und mehr Spiel und Gegner. Aufs Gaspedal drĂŒckten die Italiener allerdings nicht allzu sehr. Der harte VAR-Entscheid hĂ€tte sie fĂŒr einen alles in allem dĂŒrftigen Auftritt zu fĂŒrstlich belohnt.

Und die Schweizer? Sie hatten ihre auffĂ€lligste Aktion kurz nach der Pause, als sie nach einem Vorstoss von Remo Freuler ein Hands von Leonardo Bonucci im Strafraum reklamierten. Nach vorne versuchten sie danach nicht mehr viel. Yakin war zu einem weiteren Wechsel gezwungen, weil sich mit Ricardo Rodriguez der nĂ€chste Stammspieler verletzte, danach tauschte er nach und nach den ganzen Angriff aus. Vorsicht statt Übermut war nun die Devise in der Schlussphase, die auch noch eine Verwarnung fĂŒr Manuel Akanji brachte. Der Verteidiger ist gegen Bulgarien gesperrt – der nĂ€chste Ausfall.

Der Übermut wurde dann in der 94. Minute fast noch dem italienischen Keeper Gianluigi Donnarumma zum VerhĂ€ngnis, als er beinahe Andi Zeqiri den Siegtreffer fĂŒr die Schweizer schenkte. Doch das Tor fiel nicht. Es wĂ€re fĂŒr die Italiener am Ende dann doch des Schlechten und fĂŒr die Schweizer des Guten zu viel gewesen.

Italien – Schweiz 1:1 (1:1)

Rom. – 51’900 Zuschauer (ausverkauft). – SR Taylor (ENG). – Tore: 11. Widmer (Okafor) 0:1. 36. Di Lorenzo (Insigne) 1:1.

Italien: Donnarumma; Di Lorenzo, Bonucci, Acerbi, Emerson (80. Calabria); Barella (69. Cristante), Jorginho, Locatelli (58. Tonali); Chiesa, Belotti (58. Berardi), Insigne (79. Raspadori).

Schweiz: Sommer; Widmer, SchÀr, Akanji, Rodriguez (68. Garcia); Vargas (87. Zeqiri), Zakaria, Freuler, Steffen (69. Imeri); Shaqiri (79. Sow); Okafor (79. Frei).

Bemerkungen: Italien ohne Chiellini, Verratti, Immobile, Spinazzola, Zaniolo und Pellegrini (alle verletzt), Schweiz ohne Xhaka, Elvedi, Seferovic, Embolo, Zuber, Fassnacht und Kobel (alle verletzt). 69. LĂ€nderspiel-DebĂŒt von Imeri. 90. Jorginho schiesst Foulpenalty ĂŒber das Tor. Verwarnungen: 43. Chiesa (Foul). 46. Insigne (Foul). 77. SchĂ€r (Foul). 81. Akanji (Handspiel/gegen Bulgarien gesperrt).

(text:sda/bild:unsplash)