11 August 2021

Stadtpräsident von Lugano Marco Borradori verstorben

Der Luganeser Stadtpräsident Marco Borradori ist am Mittwochabend kurz nach 18 Uhr verstorben. Dies teilte die Stadt Lugano mit. Der 62-Jährige war am Dienstag wegen eines Herzstillstandes ins Tessiner Herzzentrum eingeliefert worden.

Sein Herzkreislauf konnte seit der Einlieferung am Dienstagmittag nur noch mit maschineller Unterst√ľtzung aufrechterhalten werden.

Am Mittwochmorgen machten die √Ąrzte des Herzzentrums in einer Medienkonferenz deutlich, dass Borradoris √úberlebenschancen gering seien. S√§mtliche Organe h√§tten in Folge des Herzstillstands eine Sch√§digung erlitten, insbesondere auch das zentrale Nervensystem.

Wie sehr Marco Borradoris Zusammenbruch das Tessin bewegte, zeigte am fr√ľhen Mittwochabend ein Anlass am Filmfestival Locarno, der kurzerhand umgestellt und bei dem auf den geselligen Teil verzichtet wurde.

Er habe seit vielen Wochen √ľberlegt, was er heute sagen wolle, begann der Pr√§sident des Tessiner Grossen Rats Nicola Pini seine Rede im Palacinema beim Empfang der Abgeordneten. “Ich wollte euch sagen, dass die 74. Ausgabe ein Festival der Hoffnung wird. Dass es die R√ľckkehr zum Leben wird, die R√ľckkehr zum Zusammensein.” Doch jetzt fehle hier ein Mann. Es fehle ein Mann, der das Leben liebe, der die Menschen liebe und den Sport.

Auch der Locarneser Stadtpräsident Alain Scherrer rang um Worte und liess wie seine Vor- und Nachredner den Grossteil seiner vorbereiteten Rede weg.

Was er jetzt sage, sage er als Freund und nicht als Politiker, richtete Scherrer das Wort an die Versammelten. Borradori habe ihn immer mit sehr viel Respekt behandelt – und dies bereits vor Scherrers Eintritt in die Politik. An ihn gehe in diesen Stunden “un pensiero affettivo da amico a amico”. Borradori sei ein echter Freund.

Marco Borradori wurde am 6. Juni 1959 geboren. Nach einem Studium der Jurisprudenz in Z√ľrich war der Tessiner bis 1995 als Anwalt und Notar t√§tig. Ab 1991 sass Borradori f√ľr die Lega im Nationalrat, ab 1992 auch im Gemeinderat seiner Heimatstadt Lugano. Im April 1995 w√§hlte den Tessiner Souver√§n Borradori in die Regierung, der er bis 2013 angeh√∂rte. Im gleichen Jahr wurde der leidenschaftliche Politiker zum Stadtpr√§sidenten seiner Heimatstadt Lugano gew√§hlt.

Marco Borradori war in der S√ľdschweiz √ľber die Parteigrenzen hinaus √§usserst beliebt. Er galt als umg√§nglich und war im Ton stets freundlich. Borradori verk√∂rperte eine Lega, die als Teil der Exekutive pragmatisch, umg√§nglich und kompromissbereit agierte.

Politisch stand Borradori in den letzten Monaten unter grossem Druck. Zu den heikelsten und umstrittensten Dossiers geh√∂rten der Flughafen Lugano-Agno, dessen Betreiberin im April 2020 das Handtuch geworfen hatte, sowie das vom Movimento per il Socialismo (Mps) bek√§mpfte geplante neue Fussballstadion f√ľr den FC Lugano, der eine Mantelnutzung mit Gewerbe, Verwaltung und Wohnungen vorsieht.

Am meisten Kritik brachte der von Borradori pr√§sidierten Luganeser Exekutive aber der im vergangenen Mai √ľber Nacht durchgef√ľhrte Teilabriss des Autonomen Zentrums Lugano ein.

Borradoris Parteikollege und Vize-Stadtpr√§sident Michele Foletti √ľbernimmt interimistisch die Gesch√§fte des Verstorbenen.

(text:sda/bild:sda)