9 Juli 2022

Stadt Dietikon und Kanton Z├╝rich retten historische Minigolfanlage

Auf der Minigolfanlage „M├╝hlematt“ in Dietikon ZH rollen zum ersten Mal seit Herbst 2020 wieder kleine B├Ąlle ├╝ber die 18 Bahnen. Sie stand eigentlich vor dem Aus. Doch dann nahmen Stadt und Kanton mehrere Millionen Franken in die Hand – unter anderem aus denkmalsch├╝tzerischen ├ťberlegungen.

Dass die Stadt Dietikon und der Kanton Z├╝rich Geld aufwerfen, um eine Minigolfanlage zu retten, ├╝berrascht – zumal diese auf den ersten Blick nicht speziell erscheint. Denn die Anlage wurde 1969 nach dem System des Genfer Gartenarchitekten Paul Bongni erstellt. Dieser hatte 1953 ein System mit 18 normierten Pisten patentieren lassen. Schon 1954 gab es landesweit 14 baugleiche Anlagen.

Doch jene im Z├╝rcher Limmattal ist dennoch etwas Besonderes: „Trotz der relativ sp├Ąten Erstellungszeit ist sie als eine der wenigen erhaltenen Anlagen im Kanton und mit ihrer bauzeitlich erhaltenen Substanz von hoher Bedeutung“, stellte die kantonale Denkmalpflege Z├╝rich fest.

Die Dietiker Pisten wurden zudem in einen Hang hinein gebaut, w├Ąhrend die meisten anderen Anlagen eben sind, wie die Denkmalpflege weiter festhielt. Sie lobte die „parkartige Gestaltung“ und die „ortspr├Ągende Topografie“.

Sie sei deshalb substanziell zu erhalten, befand sie. Dies umfasse nicht nur alle 18 Pisten mit ihren meist handgefertigten Hindernissen in Beton, sondern auch die weiteren Ausstattungen, wie Pilzlampen, Metallst├Ąnder mit Schreibunterlagen und Abfallbeh├Ąlter.

Die Immobiliengesellschaft, der das Grundst├╝ck an einem idyllischen Weiher geh├Ârt, reichte 2019 ein Baugesuch ein. Dieses sah den Bau eines Neun-Familienhauses und den Abbruch der Minigolfanlage vor.

Angesichts dieser Perspektiven k├╝ndigte der langj├Ąhrige P├Ąchter den Vertrag, der bis Ende 2027 laufen sollte, schon auf Ende 2020 vorzeitig auf. Seither h├╝pften in der „M├╝hlematt“ keine B├Ąlle mehr ├╝ber Wellen hinweg und rollten nicht mehr durch Tunnels hindurch.

Doch nun kommt es zu einem Neustart. Die Stadt Dietikon kaufte der Immobiliengesellschaft im April dieses Jahres das Land f├╝r 3,55 Millionen Franken ab. Der Kanton Z├╝rich beteiligte sich mit 1,6 Millionen Franken daran. Eine IG f├╝hrt ab Samstag den Spielbetrieb.

F├╝r den Z├╝rcher Regierungsrat handelt es sich um ein „Kleinod in der urbanen Landschaft des Limmattals“, wie es in einem Sitzungsprotokoll heisst. Die Anlage sei ein „wichtiger sozial- und kulturgeschichtlicher Zeuge der Popul├Ąrkultur der Nachkriegszeit“.

Eine definitive Unterschutzstellung der Anlage h├Ątte aber nichts bewirkt – der Eigent├╝mer h├Ątte gar nicht dazu verpflichtet werden k├Ânnen, den Betrieb fortzuf├╝hren. Nur mit einem Erwerb durch die ├Âffentliche Hand k├Ânne die Minigolf-Anlage erhalten werden, begr├╝ndeten die Stadt Dietikon und der Kanton den Kauf.

Dass es dazu kam, ist auch auf ├Âffentlichen Druck zur├╝ckzuf├╝hren. Diverse Vorst├Âsse wurden im Dietiker Stadtparlament eingereicht. Eine Petition wurde von knapp 2500 Personen unterzeichnet.

Anf├Ąnglich gab sich der Stadtrat noch zur├╝ckhaltend. Es stehe bisher ein Verkaufspreis im Raum, der ├╝ber den Preisvorstellungen der Stadt liege, schrieb er 2020 auf ein „Rettet die Minigolfanlage“-Postulat. Dank der Subvention des Kantons, die aus dem Natur- und Heimatschutzfonds erfolgt, konnte die Stadt nun doch zuschlagen.

(text:sda/bild:unsplash)