5 August 2023

Spielzeugrennbahn Carrera wird 60

Manche Fans nennen sie “Schlitzflitzer”. Nicht unpassend: Die Carrera-Autos rasen dank magnetischer Spur-Unterst├╝tzung ├╝ber die Bahnen. Im 60. Jahr der Firma warten Neuerungen abseits der Spur.

Auch die Autos vom Chef fliegen aus der Kurve. “Ich bin nicht so gut, aber ich weiss, wie es geht”, sagt Stefan Krings. Der Mann hat aus Sicht von Kindern und Motorsportfreunden eine Art Traumjob. Er leitet Carrera. Seit nunmehr 60 Jahren rasen die Miniaturausgaben echter Rennwagen und anderer Autotypen ├╝ber Kurse mit schleudertr├Ąchtigen Kurven, vom Magneten an der Unterseite der Fahrzeuge in der Spur gehalten – oder eben auch nicht.

Der Name sei zum Synonym f├╝r Autorennbahnen weltweit geworden, sagt der 54 Jahre alte Firmenchef. “Jeder kennt Carrera.” Das Unternehmen hat im bayerischen F├╝rth seine Wurzeln und nun im ├Âsterreichischen Puch bei Salzburg seinen Sitz. Millionen von Haushalten hat es mit einer Bahn versorgt.

Die Popularit├Ąt von Autorennen in den Massst├Ąben 1:24, 1:32 und 1:43 hat offenkundig auch in einer umwelt- und klimabewegten Welt nicht gelitten. Vielmehr h├Ątten sich die Corona-Jahre mit ihrem Besinnen auf Spiele und Hobbys sehr positiv auf die Bilanz ausgewirkt, so Krings. 2022 sei ein Rekordjahr mit einem um zehn Prozent auf 121 Millionen Euro gesteigerten Umsatz gewesen.

Das Unternehmen hat aber auch in seinem Jubil├Ąumsjahr ein grosses strukturelles Problem: Sein Produkt braucht Platz. Gerade im Hoffnungsmarkt Asien mit seinen fl├Ąchenm├Ąssig oft ├╝berschaubaren Haushalten stossen die Freunde des Flitzens an ihre Grenzen.

In China seien inzwischen mehr als 100 Carrera-Spielhallen entstanden, sagt Krings. “Die Leute bringen ihre Autos mit und fahren dort auf den Bahnen gegeneinander.” Die rund 60 verschiedenen Bahn-Sets k├Ânne man nicht verkleinern, aber es werde versucht, sie leichter auf- und abbaubar zu machen. Es bleibe: “Der gr├Âsste Feind der Carrera-Bahn ist der Fr├╝hjahrsputz der Mutter nach Weihnachten”, sagt Krings.

Das Unternehmen kennt mit einem Konkurs und einem Inhaberwechsel auch unruhige Zeiten. “Aber auch in der Krise blieb die Sichtbarkeit im Handel erhalten, der Ruf unbesch├Ądigt”, meint Krings. Inzwischen ist Carrera breit aufgestellt und nach Unternehmensangaben europaweiter Marktf├╝hrer bei ferngesteuertem Spielzeug. Viele Hubschrauber, Boote, Autos und Drohnen stammen von dem Hersteller.

Carrera ist l├Ąngst nicht der einzige “Evergreen” unter den Spielzeugen. Die Brio-Holzeisenbahn, das Bobby-Car, Marken wie Steiff oder M├Ąrklin, Gesellschaftsspiele wie “Siedler von Catan” oder “Das verr├╝ckte Labyrinth”, Legosteine, Kugelbahnen und nicht zuletzt die j├╝ngst wieder kultige “Barbie” zeigen, wie unverw├╝stlich Spielzeug sein kann.

Auf alten Lorbeeren will sich Carrera nicht ausruhen, sondern hat die Weichen zur Erweiterung seines Sortiments gestellt. Die Zusammenarbeit mit dem deutschen Start-up “Sturmkind” aus dem rheinland-pf├Ąlzischen Speyer samt einer Minderheitsbeteiligung soll Carrera absichern. Die Autos aus Speyer im Massstab 1:50 k├Ânnen laut Hersteller auf jeder glatten Fl├Ąche sehr realit├Ątsnah wie Rennautos gesteuert werden – fahrerische Freiheit statt Rasen in der Spur.

(text&bild:sda)