16 September 2023

Sorgen vor Cholera-Ausbruch in Libyen

Nach den verheerenden ├ťberschwemmungen in Libyen geht in dem B├╝rgerkriegsland die Sorge vor einem m├Âglichen Ausbruch der Magen-Darm-Krankheit Cholera um. Internationale Helfer sprechen von einer „katastrophalen humanit├Ąren Lage“ und chaotischen Zust├Ąnden in der teils zerst├Ârten Stadt Darna im Osten des nordafrikanischen Landes. „Es ist dringend eine Koordination der Hilfe n├Âtig“, berichtete die Organisation ├ärzte ohne Grenzen am Freitagabend. Ihr erstes Nothilfeteam ist seit Donnerstag vor Ort. Die ├ťberlebenden ben├Âtigten jetzt vorrangig Unterk├╝nfte, Nahrung und medizinische Grundversorgung wegen der Sorge vor Cholera und Mangel an sauberem Wasser, erkl├Ąrte UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths in Genf.

Das Gesundheitsministerium in der Hauptstadt Tripolis im Westen des Landes warnte laut der Zeitung „Arab News“, in Darna gebe es Grundwasser, das mit Leichen, Tierkadavern, M├╝ll und chemischen Substanzen verschmutzt sei. „Wir bitten die Menschen dringend, sich den Brunnen in Darna nicht zu n├Ąhern“, wurde Gesundheitsminister Ibrahim Al-Arabi zitiert.

Das B├╝rgerkriegsland ist faktisch gespalten, neben der Regierung in Tripolis gibt es eine zweite im Osten des Landes. Die beiden Lager sind verfeindet und geben teils widerspr├╝chliche Informationen zur Katastrophenlage in Libyen heraus. Die Rivalit├Ąt erschwert auch die Koordinierung der Hilfsmassnahmen.

In Darna seien bereits Dutzende Kinder durch verschmutztes Wasser erkrankt, sagte der Leiter des Nationalen Zentrums f├╝r Krankheitsbek├Ąmpfung der Nachrichtenseite „Al-Wasat“ am Freitag. Die 55 Kinder stammten aus Familien, die durch die zerst├Ârerischen Wassermassen vertrieben wurden, hiess es. In der K├╝stenstadt habe sich Trinkwasser mit Abwasser gemischt. „Nach einer solchen Katastrophe machen wir uns wirklich Sorgen ├╝ber Krankheiten, die sich ├╝ber kontaminiertes Trinkwasser ausbreiten“, sagte die Koordinatorin f├╝r medizinische Eins├Ątze bei ├ärzte ohne Grenzen, Manoelle Carton. Das Ausmass des Problems sei noch schwer abzusch├Ątzen.

├ťberhaupt bleibt die Lage in dem Katastrophengebiet un├╝bersichtlich. „Es gibt jede Menge Freiwillige aus dem In- und Ausland“, berichtete Carton. „Jeder will helfen, aber es ist zu viel, es wird chaotisch.“ Es seien jede Menge Hilfsmittel vor Ort, aber um die verschiedenen Stadtteile aufzusuchen und zu sehen, was wo n├Âtig sei, stehe man stundenlang im Stau. Es fehle an Absprachen, sagte auch der Einsatzleiter der Internationalen F├Âderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften.

„Die humanit├Ąre Lage in Libyen ist katastrophal. Die Bed├╝rfnisse sind gr├Âsser als die F├Ąhigkeiten aller internationalen, in Libyen arbeitenden Organisationen und ├Ârtlichen Beh├Ârden“, sagte der Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in Libyen, Baschir Omar, der Deutschen Presse-Agentur. Zudem berichtete ├ärzte-ohne-Grenzen-Koordinatorin Carton von unz├Ąhligen Menschen, die psychische Unterst├╝tzung br├Ąuchten. „Alle bitten darum, Menschen auf der Strasse, ├ärztinnen und ├ärzte, Menschen, die Schreckliches gesehen haben und Leute, die ihre ganze Familie verloren haben.“

(text:sda/bild:keystone)