22 Januar 2022

Sommaruga reagiert auf angespannte Energielage

BundesrĂ€tin Simonetta Sommaruga plant wegen der angespannten Stromlage in Europa rasche Massnahmen fĂŒr mehr Sicherheit in der Energieversorgung. Die Regierung soll demnach per Verordnung Stromfirmen ab nĂ€chstem Winter zu Wasserkraftreserven fĂŒr NotfĂ€lle verpflichten.

Die Energieministerin will die Umsetzung der geplanten Wasserkraftreserve vorziehen, wie sie in einem Interview mit Tamedia-Zeitungen (Samstagausgabe) ankĂŒndigte. Am Freitag hatte sich die Vorsteherin des Eidgenössischen Departements fĂŒr Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) mit Spitzen der Strombranche zu einer Sitzung in Bern getroffen.

Die StĂ€rkung der Versorgungssicherheit im Winter mit einer Wasserkraftreserve ist bereits in einem Gesetz vorgesehen, das im Parlament hĂ€ngig ist. „Doch ich möchte nicht auf das Parlament warten. Ich werde dem Bundesrat vorschlagen, die Massnahme vorzuziehen und per Verordnung einzufĂŒhren“, sagte die SP-BundesrĂ€tin.

Bei der Wasserkraftreserve mĂŒssen die Versorger eine bestimmte Menge Wasser in den Speicherseen zurĂŒckhalten und werden dafĂŒr entschĂ€digt. „So haben wir den Strom auf sicher, falls wir ihn brauchen“, erklĂ€rte Sommaruga. Sie sprach von einer „Versicherung fĂŒr den Notfall“.

Neben der Wasserkraftreserve will Sommaruga in einem „5-Punkte-Plan“ Gaskraftwerke als zweite Sicherheit fĂŒr NotfĂ€lle. Vor allem aber möchte sie die einheimischen erneuerbaren Energien ausbauen, Verfahren beschleunigen, damit grosse Wind- und Wasserkraftanlagen schneller gebaut werden können, und die Versorgungssicherheit im Winter mit zusĂ€tzlichen Stauseen stĂ€rken.

Die internationale Situation in der Stromversorgung ist nach den Worten der Energieministerin „sehr instabil“. Als GrĂŒnde nannte sie Spannungen rund um die Ukraine, leere Gasspeicher und lĂ€nger als geplant ausgefallene Kernkraftwerke in Frankreich. „FĂ€llt im Ausland ein wichtiger Akteur aus, drohen Kettenreaktionen. Das könne die Versorgungssicherheit gefĂ€hrden“, sagte Sommaruga.

Laut der BundesrĂ€tin besteht bei Stromkonzernen angesichts gestiegener Strompreise und höherer Absicherungen die Gefahr eines Konkurses. „Im Vordergrund steht deshalb die Frage, wie wir sicherstellen können, dass beim Konkurs eines Stromunternehmens weiter Strom produziert wird.“ Wenn ein Unternehmen in Konkurs gehe, mĂŒssten seine Werke weiterlaufen. Sommaruga setzte eine Taskforce ein mit Personen aus der Bundesverwaltung und der ElektrizitĂ€tskommission Elcom.

Kurz vor Weihnachten hatte der Stromkonzern Alpiq – der nach Umsatz zweitgrösste Stromversorger der Schweiz – wegen eines drohenden LiquiditĂ€tsengpasses nach extremen PreissprĂŒngen den Bund vorsorglich um finanzielle Hilfe ersucht. SpĂ€ter kĂŒndigte Alpiq an, dass die AktionĂ€re dem Konzern eine temporĂ€re LiquiditĂ€t von 223 Millionen Franken zur VerfĂŒgung stellen wĂŒrden. Zudem wurde eine weitere Erhöhung auf 300 Millionen diskutiert. Alpiq zog das Gesuch beim Bund wieder zurĂŒck.

(text:sda/bild:unsplash)