5 Januar 2022

Sieben Jahrzehnte Abenteuer mit Uli Hoeness

Uli Hoeness feiert heute seinen 70. Geburtstag. Der frĂŒhere Chef von Bayern MĂŒnchen blickt auf eine beispiellose Karriere zurĂŒck.

Ruhig ist es um Uli Hoeness auch nach seinem RĂŒcktritt als PrĂ€sident des FC Bayern MĂŒnchen vor gut zwei Jahren nicht geworden. Auch heute noch Ă€ussert er sich mit markigen Worten zu Fussball und Gesellschaft, motzt ĂŒber die neureichen Klubs oder ĂŒber die Veganer. Seine Meinung Ă€usserte Hoeness immer deutlich, auch wenn sie unpopulĂ€r war. Zuletzt sprach er sich dafĂŒr aus, dass Bayern MĂŒnchen den Vertrag mit Qatar Airways verlĂ€ngert, obwohl viele Fans sich an dieser Vereinbarung stören.

Sein GeschĂ€ftssinn und seine oft gepriesene Menschlichkeit bildeten von aussen gesehen ĂŒber die Jahre hinweg ein seltsamer Kontrast. Der Manager und Unternehmer sorgte sich fĂŒrsorglich um jene WeggefĂ€hrten, die es schwieriger hatten als er, etwa um seinen frĂŒheren, im letzten Sommer verstorbenen Teamkollegen Gerd MĂŒller. Ab und zu verlĂ€ngerte er VertrĂ€ge aus MitgefĂŒhl oder liess einen Spieler bei sich wohnen. „ZuverlĂ€ssigkeit und Dankbarkeit sind mir in einer Freundschaft ganz wichtig. Wer mir mal etwas Gutes getan hat, ist geschĂŒtzt – ein Leben lang“, sagt Hoeness.

Jetzt da er operativ nicht mehr bei den Bayern tĂ€tig ist, gibt Hoeness öfter mal eine gute Anekdote von sich. Vor Kurzem erzĂ€hlte er, wie Franck RibĂ©ry 2010 von einem Transfer zu Real Madrid abgehalten werden konnte. „Wir haben ihn mit seiner Frau Wahiba zu uns zum Essen eingeladen. Susi (seine Ehefrau – Red.) hat extra fĂŒr sie halal gekocht, wir hatten einen wunderbaren Abend, und gegen Mitternacht hat Wahiba schliesslich gesagt: ‚Franck, nous restons Ă  Munich!‘ Wir bleiben in MĂŒnchen.“

Hoeness kann etliche Geschichten erzĂ€hlen. Der am 5. Januar 1952 in Ulm geborene Sohn eines Metzgermeisters war Anfang der Siebzigerjahre einer der besten StĂŒrmer und sammelte die wichtigsten Titel: Welt- und Europameister mit Deutschland, Meistercup-Erfolge mit Bayern MĂŒnchen. Doch richtig gross machte er den Klub als Manager, einen Posten, den er schon mit 27 Jahren nach einer schweren Knieverletzung angenommen hatte.

Als „GlĂŒckskind“ tituliert sich Hoeness. Alles hat sich bei ihm in den entscheidenden Momenten gut gefĂŒgt. Das GlĂŒck stand ihm wenn nötig zur Seite. Am 17. Februar 1982 – damals 30 Jahre jung – ĂŒberlebte er als Einziger von vier Insassen den Absturz eines kleinen Propellerflugzeugs.

Zwei Jahre nach dem Absturz konnte er seinen StarstĂŒrmer Karl-Heinz Rummenigge fĂŒr 12 Millionen Mark an Inter Mailand verkaufen, was einen Wendepunkt in der Geschichte von Bayern MĂŒnchen darstellte. Auf einen Schlag waren alle Schulden getilgt und der wirtschaftliche Aufstieg konnte beginnen. Aus dem Klub mit elf Millionen Mark Umsatz, sieben Millionen Schulden und 8000 Mitgliedern machte Hoeness ein Imperium mit einem Umsatz von 750 Millionen Euro und 300’000 Mitgliedern.

Der schwarze Punkt im Lebenslauf von Hoeness ist die GefĂ€ngnisstrafe wegen Steuerhinterziehung, zu der er im MĂ€rz 2014 verurteilt wurde. „Das ist auf jeden Fall ein Makel, den ich selbst zu verantworten habe. Ich habe einen Riesenfehler gemacht“, sagt Hoeness. Gegen den Rat seiner AnwĂ€lte ging er nicht in Berufung. „Das hĂ€tte Jahre dauern können, aber meine Familie und ich hatten in der Nacht nach dem Urteil entschieden, dass ich ins GefĂ€ngnis gehe. Die Zeit dort hat mich stark geprĂ€gt, und ich glaube, auch noch stĂ€rker gemacht.“

Seinen 70. Geburtstag wird Hoeness wegen Corona im kleinen Kreis feiern, in Bayern, am Tegernsee zusammen mit seiner Frau Susi, Tochter Sabine und Sohn Florian, der schon seit Jahren die vom Vater aufgebaute Wurstfabrik leitet. Danach möchte er bald auf die Malediven, nach Mauritius oder Asien reisen. „Ich habe noch grosse Lust auf solche Dinge.“ In die Belange von Bayern MĂŒnchen mischt er sich nur noch selten ein. Als EhrenprĂ€sident ist er nun vor allem der erste Fan seines Lebenswerks.

(text&bild:sda)