30 September 2026

SFV zieht Unterstützung für FIFA-Präsident Infantino zurück

Der Zentralvorstand des Schweizerischen Fussballverbands (SFV) beschliesst, die im Juni 2026 erklärte Unterstützung für die Kandidatur von Gianni Infantino für eine weitere Amtszeit als FIFA-Präsident zurückzuziehen.

Der Entscheid fiel in der Sitzung des Zentralvorstands vom 25. September. Er folge auf eine umfassende Neubewertung der Entwicklungen der vergangenen Monate, teilt der SFV mit.

„Aus Sicht des SFV werfen verschiedene Vorgänge grundlegende Fragen zu Führung, Governance, Transparenz und Entscheidungsprozessen innerhalb der FIFA auf“, schreibt der SFV. „Dies betrifft insbesondere die Themen Regelklarheit und Wettbewerbsintegrität im Fall Balogun sowie die institutionelle Einbindung und Verantwortlichkeit im Zusammenhang mit FIFA Forward Enterprise.“

Im Fall Balogun geriet der FIFA-Präsident aus dem Wallis in die Kritik, nachdem die Sperre des Stürmers Folarin Balogun von WM-Gastgeber USA für eine Rote Karte nach einem Telefonat Donald Trumps mit Infantino zurückgezogen wurde. Noch grösser war der Wirbel um FIFA Forward Enterprise (FFE), mit dem Anteile an den Fussball-Weltmeisterschaften an private Investoren aus dem Umfeld des US-Präsidenten verkauft werden sollten.

Daraufhin zogen eine Reihe von Verbänden, vor allem in Europa und Nordamerika, ihre Unterstützung für eine dritte Amtszeit Infantinos zurück, nun auch der SFV. Der Schweizerische Fussballverband erwarte von der Führung der FIFA „höchste Standards in Bezug auf Transparenz, Nachvollziehbarkeit und institutionelle Verantwortung“, erklärt SFV-Präsident Peter Knäbel. „Die im Schreiben vom 21. September von der FIFA angekündigten Schritte sind zwar ein wichtiges Signal und können zu Verbesserungen beitragen. Gleichzeitig bleiben zentrale Fragen zu den Hintergründen, Verantwortlichkeiten und Entscheidungsprozessen offen“, so Knäbel. „Da diese nicht überzeugend geklärt sind, können wir eine weitere Unterstützung der Kandidatur von Gianni Infantino nicht verantworten.“

Der 56-jährige Walliser will sich beim 77. FIFA-Kongress im März nächsten Jahres in Marokkos Hauptstadt Rabat ein weiteres und letztes Mal für vier Jahre wählen lassen. Der Widerstand ist zwar mittlerweile beträchtlich, einen Gegenkandidaten gibt es allerdings bislang keinen.

Ganz abbrechen will man die Brücken nicht. Der Entscheid bedeute keine Abkehr von der konstruktiven Zusammenarbeit innerhalb der FIFA und der internationalen Fussballgemeinschaft, betont der SFV. „Als Verband im Land der Sitze von FIFA und UEFA ist sich der SFV seiner besonderen Verantwortung bewusst und wird sich auch künftig für Transparenz, glaubwürdige und verlässliche Strukturen, regelbasierte Entscheidungsprozesse sowie die Stärkung eines geeinten und integren internationalen Fussballs einsetzen.“

(text:sda/bild:keystone)