29 August 2023

Selenskyj will Waffenproduktion maximieren – Die Nacht im ├ťberblick

Nach mehr als anderthalb Jahren Krieg hat der ukrainische Pr├Ąsident Wolodymyr Selenskyj eine maximale Erh├Âhung der Waffenproduktion f├╝r den Kampf gegen die russische Invasion angek├╝ndigt. Neben Artilleriewaffen und Munition sollten auch Drohnen, Raketen und gepanzerte Fahrzeuge im Land hergestellt werden. „Wir erh├Âhen den Produktionsumfang auf ein Maximum. Die Ukraine kann das. Die Finanzierung steht. Unsere Verteidigungsindustrie wird gute Ergebnisse bringen“, sagte Selenskyj in seiner am Montag in Kiew verbreiteten allabendlichen Videobotschaft.

Die ukrainische F├╝hrung hatte immer wieder angek├╝ndigt, das Land zu einem der gr├Âssten Waffenproduzenten zu machen. Selenskyj traf nach eigenen Angaben mit Vertretern der R├╝stungsindustrie zusammen, damit die Produktion weiter hochgefahren wird.

Das Land ist bei seiner seit Wochen schleppend verlaufenden Gegenoffensive zur Befreiung der besetzen Gebiete auf riesige Mengen an Munition und Waffen angewiesen. Das Land setzt dabei vor allem auf die milit├Ąrische Hilfe westlicher Verb├╝ndeter.

Selenskyj bekr├Ąftigte einmal mehr, dass die Ukraine auch die Voraussetzungen f├╝r die neuen Kampfflugzeuge schaffen m├╝sse. Kiew hofft auf die baldige Lieferung der von den Niederlanden, D├Ąnemark und Norwegen angek├╝ndigten F-16-Kampfjets. Politisch sei f├╝r die Lieferung alles getan worden. Nun m├╝sse aber auch die Infrastruktur f├╝r die Aufnahme der Kampfjets vorbereitet werden. „Das ist schon eine milit├Ąrische Aufgabe“, sagte der Pr├Ąsident.

Zugleich wies Selenskyj die Milit├Ąrs an, Vorbereitungen auf den Winter zu treffen, um etwa die in der Vergangenheit von Russland immer wieder beschossene Energieinfrastruktur zu sch├╝tzen. Die Ukraine verteidigt sich seit 24. Februar 2022 gegen den russischen Angriffskrieg.

Kiews Verteidigungsminister: Keine neue Mobilmachung n├Âtig

Der ukrainische Verteidigungsminister Oleksej Resnikow sieht nach eigenen Angaben derzeit keine Notwendigkeit einer neuen Mobilmachung in der Ukraine. Das ukrainischen Verluste seien um ein Vielfaches niedriger als die der russischen Besatzer. Zahlen nannte er nicht. „Aber zu sagen, dass die Lage bei uns kritisch ist und wir erh├Âhen m├╝ssen, daf├╝r gibt es keinen Grund“, sagte der Minister der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraina zufolge vor Journalisten.

Resnikow erkl├Ąrte nach widerspr├╝chlichen Angaben aus Kiew, wonach weitere Mobilmachungen geplant seien, dass es bereits festgelegte Richtgr├Âssen f├╝r die Einberufung zum Kriegsdienst gebe, die erst erf├╝llt werden m├╝ssten. Es sei deshalb nicht n├Âtig, neue Kontingente festzulegen.

Zuletzt hatte Selenskyj auf eine Frage, ob angesichts hoher Verluste k├╝nftig mehr Rekruten einberufen werden sollen, auch erkl├Ąrt, dass die Milit├Ąrf├╝hrung darum bitte, mehr Soldaten zu mobilisieren. Vor allem aber sollen nun die M├Ąnner zum Kriegsdienst einberufen werden, die ohnehin schon unter die bisherige Mobilmachung fallen, aber bisher nicht eingezogen wurden. Dazu hatte Selenskyj nach zahlreichen Skandalen in Kreiswehrersatz├Ąmtern die F├╝hrungen dort auswechseln lassen.

Nach Beginn der russischen Invasion hat die Ukraine das Kriegsrecht ausgerufen. Alle M├Ąnner im Alter zwischen 18 und 60 Jahren sind daher grunds├Ątzlich zum Wehrdienst verpflichtet und k├Ânnen einberufen werden – es sei denn, sie sind aus gesundheitlichen oder sozialen Gr├╝nden, etwa als alleinerziehende V├Ąter, vom Dienst befreit. Die genaue Anzahl der bisher Einberufenen ist nicht bekannt. Es geht um Hunderttausende. Wegen der Verluste an der Front m├╝ssen immer wieder neue Rekruten ausgebildet und in den Kampf geschickt werden.

Was am Dienstag wichtig wird

Im Osten und im S├╝den der Ukraine setzen die Verteidiger ihre Offensive gegen die russische Invasion fort. Schwerpunkte bei der geplanten Befreiung besetzter Territorien sind die Gebiete Donezk und Saporischschja, die wiederum russische Truppen komplett unter Moskaus Kontrolle bringen wollen.

(text:sda/bild:keystone)